"Höchste Zeit, Unkonzentriertheiten abzustellen"

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Trotz seines Ärgers über die Art und Weise, wie Sturm unter der Woche das Europa-League-Heimspiel gegen Anderlecht vergeigte, wollte Franco Foda nicht alles schlecht reden.

Vor allem die Leistung der beiden Youngsters auf der linken Seite wusste dem Sturm-Coach bei der 0:2-Niederlage gegen den belgischen Rekordmeister zu gefallen:

„Klem und Kainz haben wirklich sehr gut gespielt. Man sieht, dass sie Talent und Potenzial haben. Natürlich muss man darauf Rücksicht nehmen, dass sie nicht Woche für Woche einen hohen Rhythmus spielen können, aber sie haben gezeigt, dass man in Zukunft mit ihnen planen kann.“

Ungeplante Zwischenfälle gab es für den Meister im Laufe dieser Saison ohnehin schon genug. Meist waren sie selbst verschuldet. So gesehen war der internationale Auftritt am Donnerstag symptomatisch für die Performance als Titelverteidiger.

„Im Meisterschafts-Jahr haben wir solche Fehler nicht begangen“

„Es zieht sich eigentlich wie ein roter Faden durch die Saison. Wir haben schon in Mattersburg durch eigene Dummheit zwei Punkte verloren, gegen Anderlecht haben wir innerhalb weniger Minuten ein Spiel aus der Hand gegeben. Es wird höchste Zeit, dass wir diese Unkonzentriertheiten und individuellen Fehler abstellen. Sonst werden wir uns selbst noch größere Probleme machen “, klagt Foda.

Gegen Anderlecht waren es zwei Minuten, in denen man sich mit einem Lapsus von Goalie Silvije Cavlina beim ersten Gegentreffer und der unmittelbar folgenden Gelb-Roten Karte für Thomas Burgstaller eine bis dahin ordentliche Leistung zunichtemachte.

Foda: „In den letzten Wochen haben wir oft sehr ähnlich gespielt. Das sind einfach Dinge, die nicht passieren dürfen. Im Meisterschafts-Jahr haben wir solche Fehler nicht begangen. Deswegen sind wir Meister geworden.“

Mit dem Rücken zur Wand gegen Salzburg

Dass sich Sturm 2012 erneut zum Meister krönt, erscheint zum aktuellen Zeitpunkt zwar nicht unmöglich, aber eher unwahrscheinlich. Acht Punkte beträgt der Rückstand auf Leader Admira, die Austria ist um sechs Punkte enteilt, Salzburg um deren fünf.

Gegen die „Roten Bullen“ stehen die Grazer am Sonntag so gesehen bereits mit dem Rücken zur Wand. Big Points sollten her, wenn sie weiterhin mit beiden Augen Richtung vorderer Plätze schielen wollen.

Tabellenregionen, in denen sich die „Blackies“ ohne weiteres selbst befinden könnten. Denn aus Sicht Sturms sollte man besser nicht zu rechnen beginnen, wie viele Punkte man bislang bereits – meist aus eigenem Unvermögen - liegen ließ. Einige Beispiele:

  • Red Bull Salzburg vs. Sturm 1:1 – Gegen die aufgrund eines Virus erheblich ersatzgeschwächten Mozartstädter führen Roman Kienast und Co. bis zur 89. Minute, ehe Roman Wallner durch einen vermeidbaren Freistoß-Treffer ausglich. Zwei verschenkte Punkte gegen einen unmittelbaren Konkurrenten.
  • Admira vs. Sturm 4:2 – Nach indiskutabler Leistung in Halbzeit eins holten die Steirer nach der Pause eigentlich einen 0:3-Rückstand auf. Eigentlich, denn die Schiedsrichter-Crew um Gerhard Grobelnik verweigerte einem regulären Ausgleichstreffer von Andreas Hölzl wegen angeblicher Abseitsposition die Anerkennung. Ein verschenkter Punkt gegen einen unmittelbaren Konkurrenten.
  • Austria vs. Sturm 2:1 – Lange Zeit eine taktisch disziplinierte Leistung einer ersatzgeschwächten Sturm-Elf, die bis zur 79. Minute 1:0 führte, ehe ein Doppelschlag von Michael Liendl und Nacer Barazite binnen fünf Minuten einen vermeintlichen Sieg in eine bittere Niederlage verwandelte. Drei verschenkte Punkte gegen einen unmittelbaren Konkurrenten.
  • Mattersburg vs. Sturm 3:3 – Die vorläufige Krönung in punkto Selbstfaller. In der Nachspielzeit vergeigte der Meister beim Abstiegskandidaten eine 3:1-Führung. Beim Ausgleich zog sich Referee Grobelnik abermals die Wut der Grazer zu, die vergeblich ein Foul an Goalie Silvije Cavlina im Fünfmeterraum reklamierten. Das Spiel hätte Sturm aber so oder so nicht mehr aus der Hand geben dürfen. Zwei verschenkte Punkte.

„Salzburg hat große individuelle Klasse. Vorne sind viele Spieler, die mit höchstem Tempo im Eins-gegen-Eins gefährlich sind. Spieler wie Leonardo, Jantscher, Wallner, Zarate, Maierhofer oder Svento können ein Spiel alleine entscheiden. Da müssen wir sehr kompakt stehen und diszipliniert spielen. Aber zu Hause muss man natürlich auch Risiko nehmen und nach vorne spielen, um zu gewinnen.“

„Letzte Saison eher gegen die Großen Punkte liegen gelassen“

Mario Haas ist zuversichtlich, dass gegen die Elf von Ricardo Moniz endlich der Knoten aufgeht: „Sicher kommen jetzt schwere Spiele, aber gegen die stärkeren Mannschaften tun wir uns irgendwie leichter. Wir müssen jetzt schauen, dass wir endlich einmal punkten, damit wir vorne dabei bleiben.“

Geht es nach Ferdinand Feldhofer, macht es Sturm einfach anders herum als im Meister-Jahr: „Letzte Saison haben wir ja gegen die Kleinen alles gewonnen und gegen die Großen die Punkte eher liegen gelassen. Heuer ist es anders, also bin ich zuversichtlich, dass wir am Sonntag gewinnen werden.“

Es wäre zumindest ein günstiger Zeitpunkt, um die Trendwende einzuleiten...

Peter Altmann

Auf einen Rückschlag folgt ein weiterer

Alleine in diesen vier Spielen wurden also acht Punkte liegen gelassen. Heißt in guter, alter „Hättiwari-Diktion“ übersetzt: Bei hundertprozentiger Effizienz hielte Sturm bei 22 Zählern und wäre aktuell Tabellenführer, da die direkte Konkurrenz im Gegenzug Federn gelassen hätte.

Dass die Foda-Elf einer Partie auch in letzter Minute eine positive Wendung geben kann, stellte sie zum Beispiel zu Hause gegen Rapid (1:0) oder beim EL-Gastspiel bei AEK Athen (2:1) unter Beweis.

Dennoch ist es auffällig, dass die von zahlreichen Routiniers geführte Truppe nach einem Rückschlag oftmals binnen weniger Minuten einen zweiten kassiert. Als gutes Exempel dafür dient die 1:2-Niederlage beim EL-Auftakt gegen Lok Moskau, als man durch Gegentore in den Minuten 28 und 29 die eigene Führung aus der Hand gab.

Mit Salzburg und Rapid warten in der Liga nun zwei schwere Aufgaben, dazwischen geht es im ÖFB-Cup gegen die Admira. Zumindest die in diesem Herbst zwischenzeitlich prekäre Personalsituation entspannt sich wieder.

„Dann bekommt Mannschaft ein anderes Gesicht“

Foda rechnet damit, dass Roman Kienast, Andreas Hölzl, Ferdinand Feldhofer und Joachim Standfest bald wieder körperlich in der Lage sind, dass er sie über 90 Minuten einsetzen kann: „Dann wird die Mannschaft sicher ein anderes Gesicht bekommen.“

Vor dem Kräftemessen mit dem Vorgänger als Titelträger hat der 45-Jährige vor allem vor der Offensivabteilung der "Bullen" Respekt:

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