Last-Minute-Transfers eine Grazer Tradition

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Es ist beinahe schon eine Tradition bei Sturm.

Zwar keine liebgewonnene, aber eine, mit der man seit der Amtsübernahme von Trainer Franco Foda im Sommer 2006 zu leben gelernt hat.

In den letzten fünf Jahren war Sturm schon mehrmals gezwungen, kurz vor oder nach Saisonstart auf dem Transfermarkt nachzurüsten. Und das auffällig oft im Abwehrbereich.

Es wäre keine Tradition, wenn nicht auch in diesem Sommer Handlungsbedarf bestünde. Der Abgang von Gordon Schildenfeld hat eine gewaltige Lücke in der Innenverteidigung hinterlassen.

Nach dem Rückspiel in der CL-Quali beim FC Videoton soll am Donnerstag oder Freitag eine Entscheidung fallen.

Dudic in Pole-Position

In der Pole-Position befindet sich Milan Dudic, mit dem laut Präsident Gerald Stockenhuber  finanzielle Einigkeit besteht. Doch auch der Name des Argentiniers Emiliano Dudar von den Young Boys Bern kursiert nach wie vor in der steirischen Landeshauptstadt.

Foda dürfte sich inzwischen an die Problematik gewöhnt haben, den einen oder anderen Spieler verspätet in die Mannschaft einzubauen. Zumeist bewies er bislang ohnehin ein glückliches Händchen.

Vor rund einer Woche meinte der Deutsche in Anspielung auf die bisherigen Last-Minute-Transfers: „Wir haben dann doch immer wieder noch etwas gefunden, deshalb bin ich überzeugt, dass wir auch diesmal  etwas finden werden.“

LAOLA1 blickt auf die schwarz-weißen Transfers mit Verspätung aus der jüngeren Vergangenheit zurück:

TIMO PERTHEL: Bestimmendes Thema bezüglich Sturms Personalpolitik war nach Beginn der Saison 2010/11 die Lücke auf der Linksverteidiger-Position, die der Abgang von Ilia Kandelaki und der überraschende Rückzug aus dem Profibereich von Christian Prawda hinterlassen haben. Während die zahlreichen übrigen Abgänge gut kompensiert wurden, stand links in der Viererkette mit Dominic Pürcher (zuvor an Hartberg verliehen) nur eine unroutinierte Lösung parat. Am 27. August präsentierte der damalige Sportdirektor Oliver Kreuzer kurz vor Transferschluss doch noch einen Linksverteidiger. Perthel wurde von Werder Bremen ausgeliehen. „Ich bin Werder sehr dankbar, dass mir der Wechsel so kurzfristig ermöglicht wurde und ich mich bei Sturm Graz weiterentwickeln kann“, erklärte der Deutsche damals. In seinen 20-Liga-Einsätzen sorgte der 22-Jährige zwar kaum für Glanzlichter, ließ sich aber auch wenig zu Schulden kommen. Immerhin wechselte er nach Ende seiner Leihe als Meister zum Zweitligisten Hansa Rostock.

PATRICK MEVOUNGOU: Wie Perthel wurde die Verpflichtung des zentralen Mittelfeldspielers erst am 27. August fixiert. Der Mann aus Kamerun sollte als erster Backup von Manuel Weber und Mario Kienzl dienen und kam in der Meister-Saison immerhin auf zwölf Einsätze. Zu einer Weiterverpflichtung des Leihspielers von Canon Yaoundé konnten sich die Sturm-Verantwortlichen jedoch nicht durchringen. Mevoungou zeigte zwar gute Ansätze, überzeugte mit einer gewissen Robustheit und Dynamik, fiel jedoch auch durch seine Hektik am Ball auf.

 

KLEMEN LAVRIC: Erst am 31. August 2009, also am letzten Transfertag, wurde der Stürmer aus Slowenien an Land gezogen – und das auch erst kurz vor Mitternacht. „Ich bin überzeugt, dass Lavric eine entscheidende weitere Verstärkung für die kommenden, schwierigen Aufgaben des Klubs ist“, erklärte Kreuzer, der im Hinblick auf die geschaffte Qualifikation für die Europa League Handlungsbedarf an vorderster Front erkannte – noch dazu, weil Vereinslegende Mario Haas an einer langwierigen Verletzung laborierte. Lavric, der anfangs noch sichtlich körperlichen Rückstand hatte, erzielte sieben seiner acht Liga-Tore für Sturm im Frühjahr 2010, blieb aber vor allem durch seinen Siegtreffer im Cup-Finale gegen Wiener Neustadt in Erinnerung – Sturms erster Titel nach elf Jahren Wartezeit.

GORDON SCHILDENFELD: Inzwischen schmerzlich vermisst, war der Kroate mit dem deutschen Namen vor rund zwei Jahren für viele noch ein unbeschriebenes Blatt, als er Anfang Juli an der Mur anheuerte. Dominierte vor einem Jahr die Suche nach einem Linksverteidiger, war zwölf Monate davor das Thema Innenverteidiger omnipräsent. Lange Zeit konnte kein Kandidat Foda und Kreuzer so wirklich überzeugen. Während so mancher Beobachter schon unruhig wurde, ließ das Duo einen um den anderen Testspieler wieder abreisen – zum Beispiel den letztlich beim LASK kläglich gescheiterten Vidas Alunderis. Die Wahl fiel schließlich erst Anfang Juli auf Schildenfeld, der sich beim 3:0 zum Liga-Auftakt gegen Wiener Neustadt noch hinter Ferdinand Feldhofer beziehungsweise Mario Sonnleitner anstellen musste und erst in Minute 92 eingewechselt wurde. Der Rest ist Geschichte.

GEORGI SHASHIASHVILI: Nach dem Rücktritt von Oldie Frank Verlaat fahndete Sturm fieberhaft nach einem routinierten Abwehrspieler. Ende Juni wurde man in Georgi Shashiashvili fündig. Der gelernte Innenverteidiger half in seinen zwei Jahren bei Sturm oftmals auf den Außenpositionen der Vierkette aus. Anfangs bisweilen links, im zweiten Jahr nach der Verpflichtung seines georgischen Landsmanns Ilia Kandelaki meist rechts. Im Sommer 2009 zog er zum griechischen Verein Ergotelis weiter.

 

RONALD GERCALIU, ERNST DOSPEL UND ALEXANDER PÖLLHUBER: Wurden in den Jahren darauf meist Legionäre mit Verspätung in die steirische Landeshauptstadt gelotst, hatte es im ersten Jahr unter Trainer Foda der letzte Transfertag in sich. Während man Johnny Ertl an die Austria abgab, kehrte mit Ronald Gercaliu ein Sturm-Youngster leihweise aus Salzburg zurück. Der Teamspieler war nur einer von drei im letzten Abdruck verpflichteten Defensivkräften. Ebenfalls aus Salzburg wurde der heutige Mattersburger Alexander Pöllhuber geliehen, zudem bekam für die rechte Seite Haudegen Ernst Dospel einen Vertrag. Allesamt Personalien, die man jedoch in einem anderen Kontext sehen muss: Damals stand dem finanziell schwer angeschlagenen Traditionsklub der Gang in den Konkurs erst bevor.

Peter Altmann

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