Markus Schopp: Harter Arbeiter statt Wunderheiler

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Aller Anfang ist schwer.

Diese Erfahrung musste auch Markus Schopp bei seinem Debüt als Bundesliga-Trainer machen. Sturm Graz hatte beim 0:3 beim Wolfsberger AC nicht den Hauch einer Chance.

Verunsicherung. Mutlosigkeit. Angst vor dem Ball. Dadurch schlechtes Kombinationsspiel.

Der Nachfolger von Peter Hyballa hat jede Menge Baustellen abzuarbeiten. Mit Betonung auf „Arbeit“. Denn diese ist für den 39-Jährigen der einzige Weg, um aus der Krise des Frühjahrs herauszufinden.

„Zaubern kann auch er nicht“

Sein Problem dabei: Die Euphorie der ersten Tage ist durch den völlig verkorksten Einstand vorerst einmal verflogen.

„Die Trainingswoche wäre eigentlich sehr gut gewesen“, bedauerte Michael Madl die missglückte Umsetzung, „er hat uns seine Sichtweise der Dinge präsentiert und auf Dinge hingearbeitet, die er als wichtig empfindet.“

„Zuerst hat er viele Einzelgespräche geführt, ist auf die Spieler eingegangen, um auch aus der Mannschaft etwas herauszuhören. Dann haben wir viel im taktischen und spielerischen Bereich beziehungsweise an den Standardsituationen gearbeitet“, rekapitulierte Jürgen Säumel die ersten Tage unter dem neuen Coach.

Nachsatz: „Zaubern kann auch er nicht.“

Die Angst vor dem Ball

Das hat Schopp auch nie behauptet. Schon bei seiner Präsentation am vergangenen Dienstag ließ er anklingen, dass die Wirkung eines Trainereffekts statistisch nicht erwiesen sei.

Zumindest im konkreten Fall bestätigte sich die Befürchtung. „Wunder passieren relativ selten, man muss eben viel dafür tun. In diesen paar Tagen war es für mich einmal ganz wichtig, mir ein Bild zu machen, mit den Spielern ausführliche Gespräche zu führen, wie es in ihnen ausschaut. Man hat heute viele Spieler gesehen, die verunsichert waren. Jetzt ist es einmal ganz wichtig, dass man über kleine Erfolgserlebnisse wieder Sicherheit erlangt“, meinte Schopp nach dem Schlusspfiff in Wolfsberg.

Dies könne nur über die tägliche Arbeit passieren. Über die detaillierte Analyse der in Kärnten begangenen Fehler. Über die richtigen Lehren daraus.

Was dem 56-fachen Internationalen besonders missfiel, war die Angst seiner Schützlinge vor dem Ball. „Die Verunsicherung bei ein paar Spielern habe ich schon in den letzten Wochen beobachtet. Wenn du dann selbst draußen sitzt, bist du relativ machtlos, wenn du merkst: Er will den Ball nicht!“, verdeutlichte Schopp, „es gilt den Spielern in erster Linie bewusst zu machen, dass es angenehmer und schöner ist, mit dem Ball zu laufen als ohne.“

„Selbstvertrauen kommt nicht durchs lange Schlafen“

„Aber das sind ganz normale Mechanismen. Ich kenne das ja auch als Spieler. Dieses Selbstvertrauen gilt es wieder zu erarbeiten. Das kommt nicht mir nix dir nix durchs lange Schlafen“, so der Neo-Coach weiter.

Eine schöne Stimmung, und selbige herrschte nach der Beurlaubung Hyballas und seiner Bestellung, sei „immer wichtig und gut, die Wahrheit liegt aber auf dem Platz.“

Und, um noch einen Fall für das Phrasenschwein folgen zu lassen: Abgerechnet wird am Schluss. Diesbezüglich kommen auf die Grazer fünf Endspiele um den so wichtigen Europacup-Platz zu, beginnend mit dem direkten Duell mit Rapid am kommenden Sonntag.

Gut möglich, dass es dabei auch abseits des gesperrten Milan Dudic und der Rückkehr von Florian Kainz Umstellungen geben wird.

Karten noch nicht neu gemischt

Für neue Trainer gibt es im Prinzip zwei Methoden. Entweder sie versuchen mit frischem Blut für die Startelf die Karten bewusst neu zu mischen, oder sie geben dem vom Vorgänger favorisierten Personal die Chance, es besser zu machen.

In Wolfsberg entschied sich Schopp für die zweite Variante. Imre Szabics rückte für den gesperrten Kainz in die Startformation – die einzige personelle Änderung im Vergleich zum 2:2 gegen den SV Mattersburg.

Der Schachzug, den Ungarn als Solo-Spitze zu nominieren und Richard Sukuta-Pasu nach links zu beordern, ging jedoch ebenso wenig auf, wie die zahlreichen Versuche während der Partie, in der Offensive umzustellen und zu rochieren, um somit neues Feuer zu entfachen. Von einer Aufholjagd war auch vor dem vorentscheidenden 0:2 wenig zu bemerken.

„Sehe die Möglichkeiten auf der Bank“

Inwiefern er gegen Rapid Änderungen vornehmen wird, ließ Schopp offen. Zuerst gelte es, im Training „extrem genau hinzuschauen“, wie jene Dinge, die er anspricht, umgesetzt werden.

„Aber ich sehe natürlich, dass ich noch die eine oder andere Möglichkeit auf der Bank habe. Da gilt es für das nächste Wochenende die richtige Lösung zu finden.“

Gut möglich, dass erst mit dem zweiten Spiel in seiner Trainer-Ära die Karten neu gemischt werden. Aber egal auf welches Personal Schopp setzt, für ihn gilt derzeit ohnehin nur ein Motto:

„Arbeiten, arbeiten, arbeiten!“

Peter Altmann

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