"So eine Niederlage wirft uns nicht aus der Bahn"

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Über weite Strecken dieses Frühjahrs hat Sturm Graz positive Schlagzeilen geschrieben. Schöner Fußball und gute Ergebnisse gingen Hand in Hand.

In den vergangenen Wochen sind die Steirer jedoch ein wenig in Schieflage geraten. Drei – teilweise glücklichen - Unentschieden folgte am Wochenende mit dem 0:1 beim Wolfsberger AC die erste Pleite nach sieben ungeschlagenen Partien.

Die Konsequenz: Es ist nicht nur der zweite CL-Quali-Startplatz so gut wie sicher außer Reichweite, es wackelt plötzlich auch das fixe Europacup-Ticket.

Und nun wartet mit Red Bull Salzburg ausgerechnet der Liga-Krösus, der seine Meisterschafts-Party gerne im Wohnzimmer der „Blackies“ feiern möchte.

„Wir glauben weiter an unsere Stärken“

In Graz lautet die Devise jedoch, sich auch von den zuletzt wenig zufriedenstellenden Ergebnissen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und viel mehr von den im Verlauf des Frühjahrs schon unter Beweis gestellten Stärken zu zehren.

Dies gilt auch und insbesondere für Kapitän Michael Madl, der vor dem Showdown mit den „Bullen“ im Gespräch mit LAOLA1 das eigene Selbstvertrauen beschwört:

„Wir haben ein wirklich sehr gutes Frühjahr gespielt. Daher muss es einfach im Kopf drinnen sein, dass uns so eine Niederlage wie beim WAC nicht aus der Bahn wirft. Wir haben unser Ziel noch immer selbst in der Hand. Wir glauben weiter an unsere Stärken und das, was wir tagtäglich trainieren. Eine Niederlage kann passieren – es war klar, dass wir früher oder später einmal verlieren. Gott sei Dank haben wir nicht viel Zeit zum Nachdenken, da wir Salzburg vor der Nase haben.“

Eine baldige Chance zur Wiedergutmachung ist nie von Nachteil. Gedankengänge, warum in den vergangenen Wochen ein wenig der Faden gerissen oder zumindest die zwischenzeitlich präsentierte Leichtigkeit verloren gegangen ist, sind jedoch erlaubt.

Personalsorgen als zu einfache Ausrede

Schon vor dem Ausrutscher im Lavanttal hat die Elf von Trainer Franco Foda gerade im Spiel nach vorne nicht mehr überzeugt. Im Heimspiel gegen Rapid kam man auf lediglich vier Torschüsse, stellte jedoch immense Effizienz unter Beweis. Bei der Austria waren es auch nur deren fünf, hier überlagerte der Ärger über einen zu Unrecht aberkannten Treffer ein wenig die Ursachenforschung.

Für Madl ist der Verbleib von Spendlhofer ein gutes Zeichen

Wobei Gedanken an eine Salzburger Party für Madl nicht gerade Prio 1 haben: „Wir wollen die drei Punkte für uns holen. Ob wir dadurch Salzburg die Meisterfeier vermiesen, ist mir ziemlich wurscht. Auch wenn sie gerade Siebter wären, wäre es mir komplett egal – ich will einfach nur die drei Punkte für den Verein holen. Aber natürlich will keiner eine Meisterfeier eines anderen Vereins im Stadion haben. Das gilt es zu verhindern!“

Sollte Rapid in Grödig patzen, könnte sich RBS übrigens auch mit einer Niederlage in Liebenau den Titel sichern. Ein Szenario, mit dem man sich an der Mur problemlos anfreunden könnte. „Wenn wir gewinnen und sie feiern trotzdem, sollen sie eben mitfeiern“, grinst Madl.

Die Mozartstädter waren zwar das beste Team dieser Saison, als unschlagbar erwiesen sie sich jedoch nicht. Der Kapitän sieht Möglichkeiten für Schwarz-Weiß:

„Salzburg hat auf jeder Position Riesen-Qualität, das sieht jeder. Aber ich glaube, vor allem im schnellen Umschaltspiel, wenn wir den Ball gewinnen, schnell in die Spitze spielen und über ein, zwei Stationen nach vorne kommen, kann es gefährlich werden, da sie hinten sehr riskant spielen. Das ist bei Salzburg schon das ganze Jahr so. Sie haben jedoch so viel Qualität, dass es schwer wird. Dennoch: Wir glauben daran! Wir haben uns gut vorbereitet. Ich bin positiv gestimmt.“

Hinteregger? „Ich verstehe es nicht ganz“

Diese gestaltet sich auch nicht sonderlich einfach. Dass die diversen Personalprobleme den Rhythmus gestört haben, liegt auf der Hand, wobei Madl dieses Argument differenziert betrachtet:

„In meinen Augen ist das nicht hauptverantwortlich. Natürlich hatten wir Pech mit Verletzungen. Das Schlimme ist, dass es teilweise wirklich schwere Verletzungen wie Kreuzbandrisse oder Mittelfußknochenbrüche sind, was für die betroffenen Spieler ganz bitter ist. Aber das als Hauptgrund zu nennen, wäre zu einfach.“

Wobei auch der Innenverteidiger eingesteht: „Aber es ist halt schon ein Problem, wenn du immer wieder drei, vier, fünf Spieler wechseln musst – egal auf welchen Positionen. Dann wird es schwer, dass die Automatismen komplett erhalten bleiben. Ein Mitgrund ist es natürlich schon – vor allem in der Offensive. In der Defensive ist es vielleicht leichter zu kompensieren, wenn einer ausfällt. Vom Spielerischen her war es zuletzt nicht das Gelbe vom Ei, da hat uns ein bisschen die Leichtigkeit gefehlt. Das war nicht unser Anspruch. In den letzten drei Runden brauche ich jetzt aber keinen Schönheitspreis, da zählen wirklich nur die Punkte. Wenn wir die einfahren, ist auch alles okay.“

Kienast als fehlendes Puzzleteil

Neben Thorsten Schick, der gegen Salzburg wegen Problemen an der Leiste passen muss, wird ein weiteres Puzzleteil weiterhin fehlen. Roman Kienast trainiert bis dato nur individuell, aber noch nicht mit der Mannschaft.

Der Rückkehrer ist für das Sturm-Spiel nicht nur wegen seiner Torgefahr wichtig. Seine Fähigkeit, Bälle zu behaupten und Mitspieler einzusetzen, fehlt derzeit. Mit Bright Edomwonyi ist auch der logische Ersatz verletzt. Josip Tadic ist den Beweis, die Rolle an vorderster Front zufriedenstellend ausfüllen zu können, bislang komplett schuldig geblieben.

„Über Roman brauchen wir nicht zu diskutieren. Seine Quote von sieben Toren in so wenigen Spielen ist überragend. Er hält die Bälle gut, sodass wir sofort nachrücken können. Mit seiner Erfahrung hat er uns extrem weitergeholfen. Aber in der Offensive fehlen auch andere wichtige Spieler wie Marko Stankovic, der viele Assists geliefert hat. Aber jammern bringt nichts! Das hat uns auch der Trainer eingeimpft: Egal was passiert, es wird nicht gejammert. Wir haben immer noch genügend Qualität in der Mannschaft“, stellt Madl klar.

Dies gilt es am Mittwochabend gegen den designierten Meister unter Beweis zu stellen. Nachdem sich mit Altach einer von Sturms Rivalen um einen EL-Startplatz eine Meisterfeier im eigenen Haus erspart hat, würden die Steirer gerne nachziehen.

„Ob wir Salzburg dadurch die Meisterfeier vermiesen, ist mir ziemlich wurscht“

Für Diskussionen (Wutrede von Sturm-GM Gerhard Goldbrich) sorgte in den vergangenen Tagen der unberechtigte Ausschluss von „Bullen“-Innenverteidiger Martin Hinteregger in Altach samt Freispruch vom Strafsenat. Der A-Teamspieler ist daher gegen Sturm einsatzberechtigt.

„Es war – wie jeder gesehen hat – ganz klar kein Foulspiel. Für Salzburg ist es natürlich okay, und wenn es mich betreffen würde, würde ich mich auch freuen, wenn es zurückgenommen wird, aber nichtsdestotrotz verstehe ich es nicht ganz“, gesteht Madl.

Die Befürchtung des 26-Jährigen: „Das könnte eine Protestwelle lostreten. Eine fünfte Gelbe Karte und das Foul war nicht gelbwürdig – wer nimmt mir die Gelbe zurück? Genauso bei Roten Karten, die nicht eindeutig sind – bei dem ja, bei dem nein? Das ist dann ja eine Endlosschleife. Für mich ist das eine Grauzone. Aber gut, Salzburg und Martin wird es freuen, und wir nehmen es so, wie es ist. Sie hätten aber auch ohne ihn genügend gute Spieler, die ihn ersetzen könnten.“

Eine andere Innenverteidiger-Personalie zaubert indes ein Lächeln in Madls Gesicht. Wenig verwunderlich, handelt es sich doch um Lukas Spendlhofer, den Sturm fix von Inter Mailand erworben hat.

„Mit Haut und Haar!“

Sehr zur Freude seines Nebenmanns: „Aber nicht nur zu meiner Freude, sondern zu der des ganzen Vereins. Ich finde, es ist auch ein wirklich gutes Zeichen, dass der Verein etwas erreichen will und mit Sturm in den nächsten Jahren zu rechnen ist, wenn man auch einmal Ablöse für so einen Spieler zahlt und ihn fix nach Graz holen kann. Dass ich mich gut mit ihm verstehe, ist eh ein offenes Geheimnis. Von dem her ist das eine sehr, sehr positive Nachricht.“

So positiv die Signalwirkung für die Zukunft ist, gilt es in der Gegenwart die Ernte der Saat dieser Saison, die eine positive Wende genommen hat, einzufahren.

„Zu Saisonbeginn war es so, dass nur wenige mit uns gerechnet haben. Die Erwartungshaltung war eigentlich ziemlich niedrig. So gesehen haben wir uns jetzt wieder ein gutes Standing erarbeitet“, meint Madl.

Nun gilt es, auch unbeschadet über die Ziellinie zu kommen und sich nicht im Cupfinale auf Salzburg verlassen zu müssen: „Wir wollen den dritten Platz unbedingt verteidigen. Das werden wir auch mit Haut und Haaren!“

Peter Altmann

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