"In meinem Alter kann ich es noch einmal wagen"

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Um einen 5:1-Triumph gegen die Austria und dessen Protagonisten aus dem Rampenlicht zu verdrängen, muss schon Außergewöhnliches passieren.

So geschehen bei Sturm, wo am Samstag Roman Kienast mit einem Hattrick zum strahlenden Helden avancierte und Darko Bodul mit einem Doppelpack die Führung in der Bundesliga-Torschützenliste übernahm.

Der sonntägliche Paukenschlag des angekündigten Abschieds von Trainer Franco Foda ließ diese bemerkenswerten Leistungen ein wenig in den Hintergrund rücken. In Graz ist die eingereichte Scheidung nach 15 Jahren Ehe logischerweise das Gesprächsthema Nummer eins (Präsident Stockenhuber im LAOLA1-Talk).

„Das war die Entscheidung des Trainers. Wenn es Unstimmigkeiten mit dem Verein gegeben hat, haben wir davon nichts mitbekommen. Wir sind davon ausgegangen, dass er verlängert. Aber so ist das Fußball-Geschäft: Täglich irgendetwas anderes“, kommentiert Kienast im Gespräch mit LAOLA1 die jüngsten Entwicklungen beim Meister.

„Wer Foda kennt, weiß, dass er ein Ehrgeizler ist“

Die Frage aller Fragen lautet natürlich, wie es nun bei den „Blackies“ weitergeht. Sprich, ob Foda trotz der offenkundigen atmosphärischen Störungen mit dem Vorstand wirklich bis zum Sommer an Bord bleibt, oder ob es doch zu einer vorzeitigen Trennung kommt.

Kienast glaubt, dass der Deutsche seinen Vertrag erfüllen wird: „Wer ihn kennt, weiß, dass er ein Ehrgeizler und zu 100 Prozent bei der Sache ist. Er lebt den ganzen Tag nur für den Fußball. Ich glaube, dass er trotzdem bis Sommer einen guten Job machen wird.“

Für die Spieler selbst würde sich ohnehin wenig ändern: „Wir wollen ja etwas erreichen. Wir sehen in der Meisterschaft alle Möglichkeiten und werden trotzdem hundertprozentig Gas geben.“

Bleibt Foda tatsächlich an Bord, müssen sich die Steirer wohl oder übel auf ein schlagzeilenträchtiges Frühjahr einstellen, zum Beispiel was die Nachfolgespekulationen betrifft. „Negativschlagzeilen gehören zum Geschäft“, beschwichtigt der Wiener, schränkt jedoch ein: „Ich bin aber auch der Meinung, dass man mit dieser Nachricht noch eine Woche bis zur Winterpause hätte warten können.“

Noch einmal ins Ausland

Von geglücktem Timing kann man wohl nicht sprechen. Da Foda bei Sturm auch die Rolle des Sportdirektors ausübte, drängt sich folgendes Gedankenspiel beinahe auf: Was wäre, wenn Kienast letzte Woche die Deadline des Vereins nicht verstreichenlassen und seinen Vertrag verlängert hätte? Dann wüsste er jetzt nicht, für welchen Vorgesetzten er sich ab kommenden Sommer entschieden hätte.

„Ich habe mit Franco verhandelt und bin jetzt selbst überrascht, dass er nicht bleibt. Aber vielleicht wendet sich das Blatt ja noch, was den Trainer betrifft, vielleicht kommen sie auf einen grünen Zweig.“

Aber auch ob der Goalgetter und Sturm auf einen grünen Zweig kommen und ihre Zusammenarbeit über diese Saison hinaus verlängern, steht aktuell in den Sternen.

„Ich habe in den letzten Wochen darüber nachgedacht, was am besten wäre. Ich habe mich dazu entschieden, dass ich vorerst einmal nicht verlängere, da ich im Sommer kostenlos frei bin und vielleicht die Möglichkeit habe, noch einmal ins Ausland zu wechseln“, spielt der frühere HamKam- und Helsingborg-Legionär auf Zeit.

„Auch bereit, für Sturm zu unterschreiben“

Nicht unverständlich, denn im kommenden März feiert der Stürmer seinen 28. Geburtstag – möglicherweise seine letzte Chance auf den erneuten Sprung über die Grenzen:

„Jetzt bin ich in einem Alter, wo ich sage, ich kann es noch einmal wagen. Ich möchte natürlich in eine bessere Liga als die norwegische. Eventuell gelingt es mir.“

Als Traumdestination gilt England. Sollte sich nichts ergeben, ist Kienast gesprächsbereit, das Engagement an der Mur zu verlängern: „Ich bin auch bereit, für Sturm zu unterschreiben, keine Frage. Aber ich möchte einfach noch ein bisschen warten.“

Womöglich war es kein Zufall, dass dem Wiener gegen die Austria so richtig der Knopf aufging, nachdem er klare Fronten geschaffen und sich durch die öffentliche Verlautbarung seiner Entscheidung der Ablenkung entledigt hat.

„Die Meisterschaft geht noch lange. Die anderen Mannschaften schwächeln auch ein bisschen, deswegen ist alles so knapp beisammen. Die Qualität in der Mannschaft stimmt absolut. Man sieht ja an einer Leistung wie gegen die Austria, dass es möglich ist, jeden Gegner zu schlagen. Die Großen haben wir zu Hause besiegt. Jetzt hoffen wir, dass wir im Frühjahr die Auswärtsspiele genauso spielen. Dann können wir Großes erreichen.“

Dass für Sturm in dieser Meisterschaft trotz aller Widrigkeiten noch nichts verloren ist, glaubt auch Bodul: „Man sieht ja, wir spielen keinen schlechten Fußball. Wenn wir jede Woche Leistungen wie gegen die Austria zeigen, kann es sicher sein, dass wir Meister werden.“

„Froh, dass ich in letzter Sekunde bei Sturm gelandet bin“

Der Noname-Einkauf entpuppte sich für die Grazer als Schnäppchen. Mit der hervorragenden Quote von neun Treffern in zwölf Partien führt der 22-Jährige die Bundesliga-Torschützenliste an.

„Es ist Francos Stärke, dass er die Qualität der Spieler erkennt. Er hat sich für Darko entschieden und man hat gesehen, dass er Potenzial hat“, lobt Kienast seinen Partner im Angriff.

Der Austro-Kroate profitierte freilich auch von den Verletzungen seiner etablierten Konkurrenten – erst Kienast, derzeit Imre Szabics. Dennoch muss man diese unverhoffte Chance erst einmal nutzen.

„Ich bin sehr froh, dass ich in letzter Sekunde bei Sturm gelandet bin. Ich zeige den Leuten, dass ich Tore schießen kann“, erklärt Bodul, dessen Verpflichtung sich im Sommer über längere Zeit hinzog.

Nach seinem Probetraining war der Offensivspieler bereits wieder abgereist, ehe durch das Erreichen der Champions-League-Playoffs genügend finanzielle Mittel frei wurden, um ihn unter Vertrag zu nehmen.

Im Frühjahr noch stärker?

Wie Kienast spekuliert auch Bodul damit, sich im Frühjahr von noch besserer Seite zu präsentieren: „Ich hoffe, dass ich nach der Winterpause noch stärker zurückkomme. Im Sommer habe ich ja die Vorbereitung nicht mitgemacht.“

Gegen die Austria überzeugte der Angreifer mit einem Doppelpack. Kein Problem, dass ihn sein Sturm-Partner per Hattrick sogar noch überflügelte:

„Ich bin sehr froh für Roman. Er braucht nach seiner Verletzung Tore. Der Torschütze muss nicht immer Darko Bodul heißen. Uns ist egal, wer die Tore schießt.“

Solange man sich danach nicht regelmäßig von der Vereinspolitik aus den Schlagzeilen drängen lassen muss…

Peter Altmann

An seinen letzten lupenreinen Hattrick kann sich der 1,91-Meer-Hüne selbst nicht erinnern („Ich glaube im Nachwuchs“). Ein wichtiges Mosaiksteinchen am Weg zu alter Form - vergangene Saison steuerte er 19 Treffer zum Meistertitel bei, in dieser Spielzeit hält er trotz Triplepacks „erst“ bei deren sechs – ist die Fitness.

„Mannschaftsintern stand Roman nicht unter Druck“

Noch fühlt sich Kienast nicht bei 100 Prozent. Die Folge eines unglücklichen Saisonverlaufs mit einer wochenlangen Pause wegen eines Mittelfußknochenbruchs. Schon im Sommer versäumte er Teile der Vorbereitung.

„Das hängt einem natürlich schon nach. Aber als Außenstehender sieht man das nicht so. Die Leute denken sich: Er ist wieder fit, also muss er auch wieder die Leistung bringen wie vorher.“

Leichter gesagt als getan. Noch dazu, wo er nur vier Wochen nach seinem Mittelfußknochenbruch („Schneller geht es nach einem Bruch nicht“) wieder auflief.

„Wir wissen, was Roman kann und was er für uns wert ist. Er stand öffentlich unter Druck – mannschaftsintern aber überhaupt nicht. Jeder von uns weiß, wie schwer es ist, wenn man nach einer Verletzung zurückkommt. Er hat durch die zahlreichen Verletzten bei uns sofort in die Bresche springen müssen. Er hätte sicher noch zwei oder drei Wochen länger gebraucht, um sich ganz zu regenerieren“, betont Joachim Standfest, der hofft, dass der Vize-Schützenkönig langsam wieder ganz der Alte wird.

„Kann sicher sein, dass wir Meister werden“

Dies soll – gestärkt durch eine verletzungsfreie Vorbereitung – spätestens im Frühjahr der Fall sein. Denn in der Rückrunde will Kienast nicht nur Werbung in eigener Auslandstransfer-Sache machen, sondern auch mit Sturm zum erneuten Höhenflug ansetzen.

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