"Ich bin, wie ich bin"

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Hyballa: "Ich bin nicht dünnhäutig, ich bin kein Baby"

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„Wir haben hier auch schon viele positive Dinge erreicht, vielleicht sollte man das auch einmal herausstreichen und erwähnen.“

Peter Hyballa fühlt sich merklich missverstanden. Die Situation bei Sturm Graz ist von außen betrachtet auch ein wenig kurios. Die Steirer stehen mit 34 Punkten nach 18 Runden gut da, in den vergangenen acht Partien gab es fünf Siege und drei Remis.

Heile Welt? Fehlanzeige. Stattdessen bröckelte zuletzt die Fassade, wurde vermehrt über den Riss, der durch den Verein gehen soll, berichtet. Atmosphärische Störungen, die vor allem Hyballa und Co-Trainer/Geschäftsführer Sport Ayhan Tumani zu Last gelegt werden.

„Wenn sie schon meinen Geburtstag kaputt machen…“

Dass diese Eiszeit nicht gänzlich ins Land der medialen Märchen zu verweisen ist, belegte wohl ein Gesprächsgipfel sämtlicher Entscheidungsträger am Mittwochabend – zufällig eine Terminkollision mit Hyballas 37. Jubiläum als Erdenbürger.

„Wenn sie schon meinen Geburtstag kaputt gemacht haben, bin ich wenigstens mit einem positiven Lächeln rausgegangen“, berichtet der Deutsche, dessen Ehrentag kurz nach Mitternacht mit Bier und Sachertorte zelebriert wurde.

„In dieser Sitzung ging es von A bis Z – von den Medien über die Öffentlichkeit bis hin zu den Spielern, darüber wie sie mich sehen und wie ich sie sehe. Es wurde kritisch diskutiert, wir haben aber auch viel gelacht“, erklärt Hyballa, „ich muss sagen, dass ich alles positiv fand. Denn ich bin nicht dünnhäutig, ich bin kein Baby. Ich kann Kritik an mich rankommen lassen, wenn sie sachlich und fachlich ist."

Gesprächsbedarf gab es offensichtlich. „Wir haben auf den Reset-Knopf gedrückt und starten jetzt durch“, beschreibt Gerhard Goldbrich in der „Kleinen Zeitung“ die Aussprache.

„Ich ändere mich nicht groß. Ich bin, wie ich bin“

Der neue General Manager war ebenso anwesend wie die beiden Geschäftsführer, Tumani und Daniela Tscherk (Wirtschaft), Teile des Vorstands um Präsident Christian Jauk und Aufsichtsratschef Friedrich Santner.

Hyballa wurde mit etwas Verspätung zu dieser Gesprächsrunde hinzugebeten, wie er schmunzelnd erzählt: „Dann habe ich erst mal eine BWL-Vorlesung bekommen, welcher Geschäftsführer wofür zuständig ist, und war mir sicher, dass ich bei der Studienrichtung Sportwissenschaft doch richtig bin.“

Grundsätzlich bewertet Sturms Cheftrainer kritisches Feedback positiv. Falls Mitglieder des Sturm-Büros Probleme mit seinem Auftreten haben sollten, besteht aber wohl wenig Hoffnung auf eine andere Herangehensweise:

„Ich hoffe, dass die Lösung mit General Manager und zwei Geschäftsführern gut ist und ich mich voll auf die Mannschaft konzentrieren kann – mit meiner Art, die jeder so annehmen muss. Das ist halt so. Ich ändere mich nicht groß. Ich bin, wie ich bin.“

Mit Goldbrich aus dem Stimmungstief?

Diese Art kam mutmaßlich nicht bei jedem innerhalb des Vereins gut an, selbiges gilt dem Vernehmen nach für Tumani. Große Hoffnungen ruhen auf Goldbrich, den Verein aus dem internen Stimmungstief zu führen und eine Balance zwischen eventuell bestehenden Lagern herzustellen.

Auch Hyballa erwartet sich von der Zusammenarbeit „einiges, denn ich hatte auch keine Lust, drei, vier Monate diese Lücke zu schließen, aber Ayhan und ich mussten sie schließen. Wir haben uns da nicht aufgedrängt.“

Gemeint ist das Machtvakuum, das durch die Abschiede der beiden Geschäftsführer Paul Gludovatz und Christopher Houben in den vergangenen Monaten zwischenzeitlich aufgetreten ist.

Man darf gespannt sein, ob bei den Grazern in Zukunft die linke Hand weiß, was die rechte tut. Der Start ist diesbezüglich mittelprächtig geglückt.

„Weber und Bodul müssen sich das Leiberl schnappen“

Denn von Tumanis Mitteilung an den Berater von Manuel Weber, dass sich dieser einen neuen Verein suchen könne, wurden andere Entscheidungsträger überrascht. Sturms Verhandlungsbasis bezüglich einer Ablösesumme hat sich dadurch tendenziell nicht verbessert.

Wie Weber gilt auch Darko Bodul als potenzieller Abgang in der Winter-Transferperiode. Inzwischen dürfte man sich auf eine interne Sprachregelung geeinigt haben, also betont Hyballa:

„Beide haben Vertrag. Bodul bis 2013, Weber bis 2014. Ich kann nicht zu den Spielern sagen: ‚Du musst weg.‘ Ich arbeite ganz normal mit ihnen – mit Fairness und Respekt. Sie müssen sich letztendlich anbieten. Das Leiberl hängt da, und das müssen sie sich schnappen.“

Der Deutsche stellt klar, dass mit beiden Spielern auf persönlicher Ebene nichts vorgefallen sei, er sich jedoch leistungstechnisch mehr von ihnen erwarte: „Bei mir geht es um den Sport.“ Zudem wünsche er sich von unzufriedenen Spielern mehr Selbstkritik.

Neuer Co-Trainer im Winter

Einen fixen Neuzugang wird es im Winter wohl im Betreuerstab geben. Wenn Tumani sich voll auf seine zeitintensiven Geschäftsführer-Agenden konzentriert, wird ein neuer Co-Trainer benötigt.

Laut Hyballa gebe es dafür externe wie interne Kandidaten. „Ich finde es schade, dass das Trainer-Team im Winter gesprengt wird und Ayhan wahrscheinlich geht, denn wir haben uns sehr gut eingespielt“, bedauert der 37-Jährige.

Fußball gespielt wird in Graz übrigens auch noch. Am Samstag ist niemand geringerer als Meister Red Bull Salzburg in Liebenau zu Gast – jener Gegner, gegen den erstens alle beiden Saison-Duelle verloren wurden, und gegen den es zweitens die bis dato letzte Liga-Niederlage setzte.

Hyballa hofft, die „Bullen“ im dritten Anlauf besiegen zu können: „Wir kennen Salzburgs Stärken, sie spielen in der Offensive fast eine 8-0-Taktik mit acht Mann vor dem Ball, dribbeln gut in die freien Räume, haben schnelle Spieler. Umschalten ist immer ein Zauberwort, aber gegen Red Bull besonders. Wenn du schnell nach vorne spielst, kannst du die freien Räume relativ gut bespielen.“

Gelingt der nächste Sieg, wird nach Spielende garantiert ausschließlich das Positive herausgestrichen…

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