Die "Hüpfburg" grüßt Hyballa

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Hyballa: "Es kriselt hier null komma null"

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Man würde unvollständig bleiben, wenn man behauptet, dass beim emotionalen Abschied von Mario Haas von der Sturm-Bühne keine Misstöne zu hören waren.

Während der Legende kurz vor dem letzten Karriere-Vorhang das Rampenlicht gebührte, war Trainer Peter Hyballa nicht uneingeschränkt in Feierstimmung.

Denn die Gala für das Urgestein brachte einmal mehr zu Tage, wie sehr es bei den Grazern unter der derzeit sportlich erfolgreichen Oberfläche brodelt.

„Ich habe nicht gelesen, was da war“, kommentierte Hyballa jene beiden bemerkenswerten Transparente auf der Nordkurve, die so auf der Tribüne angebracht waren, dass man schon bewusst wegsehen musste, um sie zu übersehen.

Grüße von der „Hüpfburg“

„E7NTAUSCH ODER SP7LABBRUCH“, stellte der harte Kern der Fans in Anspielung auf Haas‘ Rückennummer klar – die Androhung einer unschönen Konsequenz, die wohl kaum im Sinne des 38-Jährigen war, an Deutlichkeit jedoch keine Wünsche offen ließ.

Und um wirklich „auf Nummer sicher“ zu gehen, wurde in Minute 45 folgende Botschaft an Hyballa angebracht und bis zur tatsächlichen Einwechslung von Haas bestens sichtbar platziert:

„Peter: Tausch ihn ein, sonst bist du raus! Grüße von der Hüpfburg!“

Mit der „Hüpfburg“ hat es folgendes auf sich: Wie die „Sportwoche“ vor einigen Tagen publik machte, soll dies die interne Bezeichnung für den Fanblock in der Nordkurve sein.

„Ich hatte eine schusssichere Weste drunter“

Eine Behauptung, die laut Vereins-Insidern durchaus standhält. In den Mund gelegt wird diese Wortkreation dem deutschen Trainer-Duo, neben Hyballa also auch seinem Co Ayhan Tumani, gleichzeitig neuer sportlicher Geschäftsführer.

„Gut, Mario ist ja reingekommen. Aber ich hatte eine schusssichere Weste drunter“, kommentierte Hyballa den Hinweis auf die Plakat-Botschaften in seiner gewohnt staubtrockenen Art.

Wie cool der Coach, der am Krampustag seinen 37. Geburtstag feiert, diese unverhohlene Drohung der Fans wirklich nimmt, bleibt wohl sein Geheimnis.

Folgender Gedankengang sei jedoch erlaubt: Stellt sich Hyballa die Frage nach dem Warum? Und zwar weshalb die Fans offenbar leise Zweifel daran hatten, ob er Haas wirklich einwechselt. Dass sie ihm offenkundig wirklich zutrauten, die große Abschiedsparty platzen zu lassen.

Diese Alternative hatte das Trainerteam in Wahrheit nicht einmal, wenn es das gewollt hätte. Denn das Spiel gegen Wiener Neustadt wurde vom Verein zur großen Farewell-Feier ausgerufen, damit gegen einen wenig attraktiven Kontrahenten zusätzliches Publikum angelockt.

„Ich wollte es ein bisschen spannend machen“

Vom extra aufgelegten Dress inklusive Haas-Signatur um 77 Euro ganz zu schweigen. Soll heißen: Man kann schlecht das Geld der Anhänger nehmen und ihnen nicht die versprochene Show bieten. Marketingtechnisch gäbe es kaum ein schlimmeres Eigentor – schon gar nicht, wenn es um die Fan-Ikone schlechthin geht.

Selbst das im Sturm-Umfeld offene Geheimnis, dass Hyballa von Anfang an keine allzu große Freude mit dem Kadermitglied Haas hatte, konnte kein Hindernisgrund für zumindest einen Kurzeinsatz sein.

Man darf gespannt sein, was sich in der Winterpause am Personalsektor tut. Potenzielle Kandidaten für einen Tapetenwechsel gibt es auch unter den Spielern einige. Darko Bodul, anfangs einer der Lieblingsschüler Hyballas, spielt bestenfalls noch eine untergeordnete Rolle. Dass der frühere Leistungsträger Manuel Weber gegen Wiener Neustadt aus leistungstechnischen Gründen nur auf der Tribüne saß, ist wohl auch als deutliches Zeichen zu werten.

Dass es in einem Verein, der sich unter einer neuen sportlichen Führung im Umbruch befindet, nicht nur zufriedene Gesichter geben kann, ist vermutlich legitim.

„Es kriselt hier null komma null“

Davon, dass es intern kriselt, will Hyballa jedoch nichts wissen. Von einem Medienvertreter darauf angesprochen, reagierte er gegenüber der versammelten Journalisten-Schar, gelinde gesagt, gereizt:

„So ein Quatsch! Blödsinn! Jetzt mal ganz ehrlich, Jungs: Seit ich hierhergekommen bin, gibt es immer zwei Lager bei Peter Hyballa. Wir haben jetzt das achte Spiel in Folge nicht verloren. Was wollt ihr denn noch alle? Was kriselt hier? Nix kriselt hier! Habt ihr gesehen, welch junge Mannschaft die Startelf war, wie die zusammen Fußball spielen und fighten? Wie sie jetzt zusammen mit Mario feiern? Hört auf damit! Es kriselt hier null komma null.“

Ein aus seiner Sicht subjektiv unbestritten verständlicher Standpunkt. Objektiv sei jedoch hinzugefügt, dass sich Hyballa mit den Medien womöglich die falschen, weil einfachsten, Adressaten seiner Botschaft ausgesucht hat. Medial herrscht ohnehin weitestgehend Ruhe, die Unruhe wird von innen nach außen getragen.

Dies dürfte auch der harte Kern der Anhänger registriert haben – und Fans haben bisweilen ja kein so schlechtes Gespür…

Peter Altmann

Ergo pochte der Deutsche auch vehement darauf, dass es für ihn keinen Zweifel gegeben hätte, Haas zu bringen: „Aber ich wollte es ein bisschen spannend machen, ich muss ja nicht immer alles rausgeben. Aber für mich war es klar. Ich hatte ein, zwei Ideen im Kopf, wie wir es machen.“

Wenn der Gärtner die Lady umbringt

Letztlich wurde es für die Rückennummer 7 die durchaus gelungene Symbolik, ihn in Minute 77 ein letztes Mal in der Bundesliga auf das Feld zu schicken.

Hyballa wies jedoch auch darauf hin, dass Fußball nicht immer planbar sei. Er hätte Haris Bukva wegen dessen gelber Karte zur Pause auswechseln müssen, zudem sei es Leonhard Kaufmann „auf dem Platz richtig übel“ gegangen. Für den Rechtsverteidiger kam der zuletzt wenig berücksichtigte Martin Ehrenreich zu seinem ersten Einsatz seit August.

„Fußball und Filme sind etwas anderes. Bei Filmen hast du ein Drehbuch, da weißt du genau, in der 73. Minute bringt der Gärtner die Lady um. Im Fußball weißt du das halt nie“, verdeutlichte der frühere Aachen-Betreuer.

Hyballa machte zurecht auf den Fakt aufmerksam, dass Sturm in den letzten acht Bundesliga-Spielen nicht als Verlierer vom Platz ging, dabei immerhin fünf Siege feierte.

Atmosphärische Störungen?

Dennoch fällt auf, dass in Graz zurzeit viel über diverse atmosphärische Störungen diskutiert wird, dafür weniger über den sportlichen Erfolgslauf. Die Stimmung im Büro sei schlecht, zahlreiche Spieler unzufrieden. Dass das Verhältnis des Duos Hyballa/Tumani zu Amateure-Coach Markus Schopp nicht das Allerbeste ist, lässt sich ohnehin schon länger nicht mehr verheimlichen.

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