"Wir müssen uns gegenseitig aufeinander einlassen"

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38.

Das ist jene Zahl, welche die bisherige Bundesliga-Saison von Anel Hadzic kennzeichnet. Allerdings nicht im allzu erfreulichen Sinn.

Sowohl gegen Wacker Innsbruck als auch gegen Grödig kam der Neuzugang von Sturm Graz auf exakt 38 Ballkontakte.

Ein Wert, den er so aus seiner Zeit bei der SV Ried kaum kennt und der symptomatisch für die aktuellen Schwierigkeiten der „Blackies“ steht.

Denn egal ob Manuel Weber oder Daniel Offenbacher: Auch Hadzic‘ jeweiliger Nebenmann war bislang kaum ins Grazer Spiel eingebunden. Das zentrale Mittelfeld ist bislang fraglos eine große Problemzone im 4-4-2-System von Trainer Darko Milanic.

„Das System ist neu für mich“

Das jeweilige Duo ist zu defensiv postiert. Die Absprache, wer sich wann in den Angriff einschaltet, funktioniert noch nicht wie erhofft – dadurch entsteht ein zu großes Loch zwischen den beiden Spitzen und ihren Hintermännern.

Eine Analyse, die Hadzic im LAOLA1-Gespräch bestätigt: „Es stimmt schon, wir waren zu wenig im Spiel. Das System ist neu für mich, es ist auch für ‚Offi‘ neu. Ich brauche ein bisschen Zeit, bis ich mich im 4-4-2 zurechtfinde. Aber natürlich war der Abstand zu groß, das wissen wir. Das sind genau die Dinge, die wir abstellen und in den Griff kriegen müssen, dass wir die Abstände zwischen den Ketten einfach gering halten und als Mannschaft auftreten.“

Der 23-Jährige kommt aus einem komplett anderen System: „In Ried war ich im 3-3-3-1 der alleinige Sechser, habe mich in der Linie vor den Verteidigern bewegt, im zentralen Mittelfeld immer alleine vor der Abwehr gespielt. Dort habe ich den Ball von hinten übernommen und hatte den Raum, wo ich mich hinbewege, für mich. Jetzt muss ich mich eben darauf einstellen und schauen, wie sich der andere bewegt, wo er gerade ist. Diese Bewegungsabläufe, dass man Raum für den anderen schafft, muss man noch in den Griff kriegen, damit man besser ins Spiel kommt.“

„Das ist eine Kommunikationssache“

Wie für Hadzic ist das System auch für den offensiver veranlagten Offenbacher, der in Wiener Neustadt in einem 4-2-3-1 meist als Zehner fungierte, ungewohnt. Ein taktisches Problem ortet der Oberösterreicher dabei nicht, für ihn liegen die Startschwierigkeiten woanders begründet:

„Das ist eine Kommunikationssache. Ich glaube, dass jeder Spieler dieses System spielen kann – das muss man können, das versteht auch jeder. Aber wir müssen besser kommunizieren und uns gegenseitig aufeinander einlassen – wenn der eine geht, dass dann der andere bleibt und wir nicht immer in einer Linie stehen.“

Bislang ist es Milanic nicht gelungen, seiner Mannschaft sein Konzept so zu verinnerlichen, dass sie es wie gewünscht abrufen kann. Gerade an Hadzic und seinem jeweiligen Nebenmann ist das Spiel bislang zu oft vorbeigelaufen. So wenige Ballkontakte zu haben sei „sehr ungewohnt“, dennoch regiert bei ihm der Optimismus: „Wir werden diese Umstellung in den Griff bekommen, dann wird das von alleine wieder kommen.“

„Die Unruhe darf uns nicht belasten“

Von Seiten der Grazer wurde in den vergangenen Wochen gebetsmühlenartig betont, dass der Neustart unter dem slowenischen Coach Zeit brauchen würde. Zeit, die man im Fußballgeschäft de facto nicht hat, zumindest wenn man gegen Underdogs wie Breidablik oder Grödig scheitert.

„Wenn man solche Partien verliert, herrscht Unruhe. Das ist normal, denn Sturm ist ein großer Verein in Österreich. Aber das darf uns nicht belasten. Wir müssen einfach die Ruhe bewahren, unsere Arbeit machen und unsere Fehler abstellen“, will Hadzic kühlen Kopf bewahren.

Die beiden jüngsten Niederlagen seien natürlich „ein Schock“ gewesen. Bis dahin konnte man durchaus den Eindruck gewinnen, dass das kritische und zuletzt kaum verwöhnte Umfeld in der steirischen Landeshauptstadt gewisse Anlaufschwierigkeiten verzeiht.

„Zu lange darf es nicht mehr brauchen“

Geduld hieß und heißt das viel zitierte Zauberwort. Ein zwiespältiger Begriff, denn Blamagen, wie sie sich Sturm leistete, sind auch am Anfang eines Projekts nur schwer zu verdauen.

„Natürlich braucht es Geduld, aber im Fußball ist es halt schwierig, dass man Geduld bewahrt“, weiß Hadzic, der klarstellt: „Bei einer neuen Mannschaft muss man Geduld haben, aber zu lange darf es nicht mehr brauchen.“

Zwar hätte man auch in der laufenden Woche am Donnerstag lieber Europa-League-Qualifikation gespielt, der kleine Trost für Sturm ist jedoch, dass vor dem Match gegen Rapid am Sonntag statt Reisestress eine komplette Trainingswoche auf dem Programm stand.

Mehr Zeit als bisher für das Feintuning. „Wir arbeiten immer hart daran, uns zu verbessern und das, was uns der Trainer vorgibt, auch so zu übernehmen“, betont der Mittelfeldspieler.

„Uns fehlt einfach ein Erfolgserlebnis“

Noch wichtiger sei in der aktuellen Schieflage jedoch ein mentaler Befreiungsschlag: „Uns fehlt einfach das Erfolgserlebnis, damit es sich auf die andere Seite dreht. Gegen Grödig hatten wir genügend Chancen. Wenn uns das erste Tor gelingt, ist es ein ganz anderes Spiel.“

Vielleicht gelingt gegen Rapid die Wende. Die Hütteldorfer dienen als gutes Beispiel, wie man sich selbst aus Negativ-Schlagzeilen – etwa nach dem Cup-Out gegen den LASK – befreien kann. Nach dem 4:0 gegen Wiener Neustadt herrscht bei den Wienern wieder bessere Stimmung.

Hadzic: „Man sieht: Ein Erfolgserlebnis und es ist fast alles wieder vergessen.“

Peter Altmann

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