Bukva, Kröpfl und die richtige Wellenlänge

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Seit Jahren klebt den beiden Sturm-Kickern Haris Bukva und Christoph Kröpfl das Etikett „Hoffnungsträger“ auf der Stirn.

Technisch begabt, defensiv nicht gerade aufopferungsvoll, ein Bruder Leichtfuß – fertig ist die Schublade, in der man nur allzu schnell stecken bleibt.

Bukva ist inzwischen 24 Jahre alt, Kröpfl wird im Mai 22 – ein Alter, in dem man als Fußballprofi über das Stadium des „Talents“ hinausgekommen sein sollte.

Das sind beide bislang aus unterschiedlichen Gründen nicht. Aktuell besteht jedoch wieder einmal Hoffnung auf Besserung für ein Duo, das eine Ingredienz mitbringt, die derzeit in der Bundesliga oft vermisst wird: Kreativität.

Bukva als Dreh- und Angelpunkt

Beim 1:1 gegen Rapid übernahmen Bukva und Kröpfl im 4-1-4-1-System von Interimstrainer Thomas Kristl die beiden zentralen Positionen in der offensiven Viererkette – zum zweiten Mal in Folge, schon beim 2:2 gegen Salzburg machten sie dabei eine gute Figur.

In beiden Begegnungen war Spielfreude für die Grazer kein Fremdwort. „Wir lieben es, Fußball zu spielen“, bringt es Kröpfl im Gespräch mit LAOLA1 auf den Punkt.

„Es waren viele junge, ähnliche Spielertypen am Platz, die gerne etwas mit dem Ball machen. Ich glaube, das hat man auch gesehen“, so der nur 1,70 Meter große Techniker weiter.

Für ihn funken Typen wie Bukva, der immer stärker werdende Florian Kainz auf der linken Seite oder Linksverteidiger Christian Klem „auf einer Wellenlänge“, mit Solo-Spitze Rubin Okotie lässt sich auch gut kombinieren, mit seinen 27 Jahren ist Andreas Hölzl bereits der Routinier im derzeit variablen Angriffsspiel der Steirer.

Vor allem Bukva, der in der Schlussminute den 2:1-Siegtreffer vergab, war im Hanappi-Stadion Dreh- und Angelpunkt der besonders nach der Pause ansehnlichen Performance. Mit 87 Ballkontakten hatte er die meisten auf Seiten der „Blackies“, mit diesem Wert konnte nur Joachim Standfest (76) annähernd mithalten.

Mitte statt links

Dies ist natürlich vor allem dem Wechsel vom linken Flügel, wo er unter Franco Foda meist aufgeboten wurde, ins Zentrum geschuldet.

„Dort taugt es mir extrem. Ich finde es super, dass mir der Trainer auf dieser Position das Vertrauen schenkt. Zumindest bei Sturm habe ich dort noch nicht oft gespielt. Aber wie man sieht, fühle ich mich sehr wohl, gerade in dieser Formation ist es umso besser“, resümiert Bukva zufrieden.

Die Unterschiede zur Arbeit am Flügel sind für den Oberösterreicher schnell erklärt: „Auf der Seite ist das Problem, dass man mit den wenigen Bällen, die man bekommt, etwas anfangen muss. Wenn man nichts daraus macht, steht man blöd da. In der Mitte ist man dafür direkt am Spielaufbau beteiligt, da kann man umso mehr für die Mannschaft tun.“

Drei eigene und vier aufgelegte Torschüsse gegen Rapid bestätigen diese Worte. Während Bukva den Organisator gibt, nimmt Kröpfl mehr Risiko, sucht Eins-gegen-Eins-Situationen. Blieb dies in Hütteldorf ohne zählbaren Erfolg, leitete er gegen Salzburg auf diesem Weg den Führungstreffer ein.

So ambivalent auch sein Verhältnis zum inzwischen freigestellten Langzeit-Trainer phasenweise gewesen sein mag, ist es dem Steirer dennoch wichtig zu betonen: „Ich bin Franco Foda sehr dankbar. Er hat mich zurückgeholt, mir noch einmal eine Chance gegeben. Das gilt auch für den Präsidenten, der sich für mich eingesetzt hat. Nachdem ich vereinslos war, hat es für mich nichts Schöneres gegeben, als zu Sturm zurückkehren zu können.“

„Jetzt geht es langsam bergauf“

Sein Engagement in Kapfenberg war nach gutem Start von Pleiten, Pech und Pannen geprägt. In der Wintervorbereitung 2011 riss das Kreuzband, vergangenen Herbst sorgten laut Präsident Erwin Fuchs „private Eskapaden“ für das Aus in der Obersteiermark.

Foda stattete seinen tief gefallenen Ex-Schützling mit einem Vertrag bis 2013 aus. Kröpfl ist fest entschlossen, diese Chance zu nutzen: „Das kann man so sagen. Nachdem ich letztes Jahr wenig bis gar nichts gespielt habe, genieße ich jetzt umso mehr, dass ich wieder spielen kann und schaue auch mehr auf meinen Körper.“

Welche Lehren er denn aus der schwierigen jüngeren Vergangenheit gezogen habe? „Ich habe gelernt, dass Fußball Spaß machen soll. Ich habe gewusst, dass ich es kann, aber ich habe es phasenweise nicht rüberbringen können. Das hat an mehreren Dingen gelegen, aber das interessiert mich ehrlich gesagt nicht mehr. Jetzt geht es langsam bergauf – dorthin, wo ich hin will.“

„Träumen muss man trotzdem“

Damit ist als erster Schritt ein Stammplatz bei Sturm gemeint. Auch wenn er in seiner aktuellen Situation nur von Spiel zu Spiel schauen könne, sei er jedoch nicht dazu übergegangen, sich darüber hinaus nur kleine Ziele zu setzen.

„Träumen muss man trotzdem“, grinst der 21-Jährige. Ein Motto, das wohl für ihn und Bukva gleichermaßen gilt.

Die Zeit ist für beide überreif, den Ruf des Hoffnungsträgers zu bestätigen – und zwar konstant.

Peter Altmann

„Er hat Spielwitz, wir harmonieren wirklich sehr gut, stehen beide auf das Klein-Klein-Spiel, auf das Rotieren“, fühlt sich Bukva an Kröpfls Seite jedenfalls wohl.

Fehlende Konstanz

Ob sie auch in den kommenden Runden gemeinsam auflaufen werden, ist fraglich. Immerhin werden derzeit angeschlagene, aber umso namhaftere Akteure wie Manuel Weber, Jürgen Säumel oder Darko Bodul wieder in den Konkurrenzkampf eingreifen. Das Duo konnte aber zumindest Werbung in eigener Sache machen und sich auch im Hinblick auf die kommende Saison in Erinnerung rufen.

„Haris und Christoph sind zwei technisch beschlagene Spieler, die das Kombinationsspiel lieben, mir die nötigen Bälle geben können, mir in der Defensive aber auch den Rücken freihalten können“, findet Okotie lobende Worte für zwei Kollegen, die in der jüngeren Vergangenheit wenig Lob eingeheimst haben.

Aus den unterschiedlichsten Gründen, allerdings nicht immer ohne Eigenverschulden. Der laut Aussage des damaligen Sportdirektors Oliver Kreuzer „kommende Nationalspieler“ Bukva steht inzwischen schon seit drei Jahren in Graz unter Vertrag - das meisterliche Frühjahr 2011 versäumte er aufgrund eines leihweisen Engagements bei Absteiger LASK.

Bislang fehlte es vor allem an Konstanz. Immer wieder hatte es den Anschein, als hätte er Fuß gefasst, längerfristig etablieren konnte er sich nie.

Nach einer Debüt-Saison (2009/10) als Wechselspieler legte Bukva einen starken Start in die Meistersaison hin (drei Tore und vier Assists in seinen ersten sechs Einsätzen), ehe ihn eine Verletzung bremste.

„Ich bin Franco Foda sehr dankbar“

Nach seiner Rückkehr aus Linz schoss er Sturm vergangenen August in letzter Minute zu einem 1:0-Sieg gegen Rapid. Von einem Stammplatz war er trotz gravierender Verletzungssorgen im Herbst jedoch weit entfernt.

„Ich finde es bitter, dass es erst jetzt so richtig funktioniert“, sieht sich Bukva selbst im Verzug, „im Meisterjahr habe ich im ersten Halbjahr einige Male bewiesen, dass ich kicken kann. Aber es war eben ein bisschen ein Durcheinander. Ich habe mich nicht so wohl gefühlt und nicht so die Unterstützung gespürt, dass jemand hinter mir steht.“

Dass Bukva nicht gerade zu den Lieblingsspielern von Foda zählte, ist ein offenes Geheimnis. Kröpfl wiederum kehrte Sturm 2009 in Richtung Salzburg den Rücken, weil er hinsichtlich der Kampfmannschaft nicht genügend Perspektiven sah.

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