"Ich weiß nicht, ob Sturm weiter mit mir plant"

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Irgendwie war es ein Tor mit Ansage, zumindest für Thorsten Schick.

„Beichi ist immer für ein Tor gut. Ich habe vor dem Spiel zu ihm gesagt: ‚Ich habe ein gutes Gefühl. Wenn du reinkommst, kannst du wieder ein Tor machen.‘ Ich hoffe, dass er jetzt wieder zu alter Stärke zurückfindet“, erklärte Sturms Mittelfeldspieler.

Sein Gefühl sollte ihn nicht trügen. Mit dem Ausgleich zum 2:2-Endstand im Schlager gegen Rapid gab Daniel Beichler nach längerer Leidenszeit wieder ein Lebenszeichen von sich. Eines, das ihm im schwarz-weißen Lager jeder gönnte.

So gesehen war es einer dieser emotionalen Augenblicke, in denen einem bewusst wird, wofür man während der Arbeit am Comeback schuftet.

„Gesehen, wer auch in der schwierigen Zeit für mich da war“

„Das war ein super Moment. Ich war jetzt so lange verletzt. So wieder zurückzukommen, ist natürlich wunderbar“, erklärt der 26-Jährige im Gespräch mit LAOLA1.

Beichlers Verletzungshistorie ist bekanntlich keine kurze. Diesmal war seine Herbst-Saison bereits Ende November beendet. Erst legten ihn Magen-Darm-Probleme flach, dann eine Bänderverletzung, die ihn gar zur vorzeitigen Abreise aus dem Trainingslager zwang.

Bis Anfang April tastete sich der Offensivspieler wieder an die Mannschaft heran, gegen Rapid durfte er erstmals wieder über einen Treffer jubeln – sein dritter in dieser Saison.

„Auch wenn ich schon öfter verletzt war, war es diesmal die mit Abstand härteste Zeit, alleine schon wegen dieser Magen-Darm-Geschichte. Aber viel wichtiger ist, dass ich einmal mehr gesehen habe, wer für mich sehr wichtig ist, wer mich unterstützt hat und auch in der schwierigen Zeit immer für mich da war. Mit denen wird man auch in Zukunft, sollte es wieder besser laufen, den Weg gemeinsam gehen“, betont Beichler.

„Ich trauere nichts und niemandem nach“

Dieser Lernprozess, den wohl jeder Mensch im Laufe des Lebens durchmacht, ist für Sportler womöglich noch intensiver: In Zeiten des Erfolgs kann man sich vor Schulterklopfern kaum erwehren. Läuft es nicht so gut, bleibt oft nur der harte Kern übrig. Eine wichtige Erkenntnis, wobei Beichler diese Lektion bereits in- und auswendig kennt:

Dies sollte erst durch die Rückkehr zum Stammverein gelingen. 2013 heuerte Beichler wieder bei Sturm an, konnte eine Saison mehr oder weniger beschwerdefrei durchspielen und erzielte in dieser für die „Blackies“ nicht gerade einfachen Spielzeit in 33 Liga-Spielen zehn Tore.

Knapp ein Jahr später steht angesichts einer durchwachsenen Saison in Frage, ob das Eigengewächs in Graz auch über den Sommer hinaus eine Zukunft hat. Sein Vertrag läuft aus, Sturm besitzt jedoch eine Option.

„Von der vorigen Saison mit zehn Toren kann ich mich nichts kaufen“

Der Stichtag dafür ist Mitte Mai. Der Verein habe bereits mit seinem Berater Max Hagmayr gesprochen, eine Tendenz lässt sich für Beichler jedoch noch schwer erkennen. Seine persönliche Präferenz ist indes kein Geheimnis:

„Es ist doch klar, jeder weiß, was ich mit dem Klub verbinde. Fakt ist derzeit aber: Ich weiß nicht, ob der Klub weiter mit mir plant. Ich habe dahingehend noch nichts Klares gehört. Ich verstehe natürlich auch den Klub. Ich war lange verletzt, der Herbst war von meiner Seite her auch nicht gut. Und von der vorigen Saison mit zehn Toren kann ich mir nichts mehr kaufen. Wir werden sehen. Da ich keine Ahnung habe, wie der Verein mit mir plant, ist es schwer für mich, etwas dazu zu sagen.“

„Ich könnte mittlerweile auch schon darauf verzichten, weil ich glaube, dass ich jetzt dahingehend schon genug gelernt habe und weiß, worauf es ankommt und wer meine Stützen sind. Dass ich in der Vergangenheit oft verletzt war, ist nun mal Fakt. Und ich weiß auch, dass mir das bis dato wahrscheinlich einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, was eine größere und bessere Karriere betrifft. Aber das ist nun mal so, ich trauere nichts und niemandem nach. Ich schaue jetzt, dass ich professioneller denn je lebe und achte auch auf Kleinigkeiten, damit ich von Verletzungen verschont bleibe.“

Der Steirer ist in den vergangenen Jahren zweifelsohne gereift. Zu Beginn seiner Karriere ein freches Schlitzohr, schlägt er inzwischen immer wieder nachdenklichere Töne an – wohl ein Resultat der Erfahrungen der vergangenen Jahre.

Zukunft bei Sturm?

Im Sommer 2010 war es, als der Grazer im Alter von 21 Jahren nach Deutschland zum damaligen Zweitligisten Hertha BSC Berlin übersiedelte. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits fünf A-Länderspiele in den Beinen.

Im Ausland konnte er sich jedoch nicht durchsetzen. Dazu gesellten sich immer wieder körperliche Probleme, die natürlich auch nicht leistungsfördernd waren. Diverse leihweise Engagements wie in St. Gallen, Duisburg, bei der SV Ried oder in Sandhausen konnten nicht wirklich zur Stabilisierung der in Schieflage geratenen Karriere beitragen.

In der Vorsaison gehörte Beichler zu den wenigen Sturm-Kickern, die auch während Phasen der hartnäckigen Krise stets Stellung bezogen. Inzwischen ist sportlich längst Tauwetter eingekehrt. Es liegt auf der Hand, dass er Teil einer erfolgreicheren Zukunft sein und die Ernte für die Aufbauarbeit einfahren möchte.

„Fußball ist ein brutales Tagesgeschäft“

Der 26-Jährige ist jedoch realistisch genug, dass für Sentimentalitäten wenig Platz ist: „Wir sind uns vermutlich einig, wenn ich sage, Fußball ist ein brutales Tagesgeschäft. Ob ich mich damals gestellt habe oder, wie ich immer wieder höre, einer derjenigen war, die immer Herz gezeigt haben, ist nebensächlich. Das ist alles nicht mehr interessant. Die Jungs haben es in meiner Abwesenheit sehr gut gemacht. Ich bin keiner, der das schlecht findet. Mein eigenes Ego ist komplett uninteressant. Wie es weitergeht, liegt auch nicht bei mir.“

Die Letztentscheidung liegt bei General Manager Gerhard Goldbrich. Vielleicht gelingt es Beichler bis dahin, weiter sportlich aufzuzeigen. Wird der Vertrag um ein Jahr verlängert, hätte sich die Schufterei gelohnt.

„Er hatte wirklich keine einfache Zeit. Wenn man sieht, mit welcher Einstellung er an seinem Comeback gearbeitet hat und wie er sich in jedem Training reinhaut, ist das schwer in Ordnung“, lobt Torhüter Christian Gratzei.

Während sich in seiner Abwesenheit einige Akteure ins Rampenlicht gespielt haben, könnte sich nun wiederum die angespannte Personalsituation als Vorteil für Beichler erweisen. Am Wochenende beim Gastspiel bei der Austria sind Michael Madl, Anel Hadzic und Roman Kienast gesperrt. Möglichweise ermöglicht das Fehlen von Letzterem mehr Spielzeit für den Rückkehrer.

„Wieder einen Zahn zulegen“

Im Endspurt um Platz zwei und den damit verbundenen CL-Qualifikations-Platz wären drei Punkte in Wien sehr wichtig.

„Es wird schwer, Rapid einzuholen. Man darf auch Altach und den WAC nicht vergessen. Es ist eine brutale Phrase, aber wir müssen auf unsere eigenen Spiele schauen. In Wiener Neustadt war die erste Halbzeit nicht gut, mit dem Spiel gegen Rapid können wir auch nicht hundertprozentig zufrieden sein, weil sie einfach besser waren. Dementsprechend müssen wir schauen, dass wir bei der Austria wieder einen Zahn zulegen“, stellt Beichler klar.

Vielleicht folgt auf das Tor ja auch das Startelf-Comeback. Das letzte Mal über 90 Minuten Bundesliga spielte er übrigens beim letzten Gastspiel Sturms bei der Austria – einem 3:0-Sieg am 1. November.


Peter Altmann

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