Avdijaj: "Wir waren einfach zu dumm am Ende"

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Matchanalysen von Donis Avdijaj fallen bisweilen originell aus. Stichwort Grödig. Stichwort Grottenkick.

Der Youngster von Sturm Graz trägt sein Herz bekanntlich auf der Zunge. Auch nach dem 2:2 gegen Rapid konnte er seine „riesige Enttäuschung“ über den Punktverlust nach spätem Ausgleich nicht verbergen.

Wobei diesmal nicht die Spielweise des Gegners ins Visier seiner Kritik geriet. Ganz im Gegenteil.

„Ich befasse mich diesmal ganz neutral mit dem Spiel. Man muss beide Seiten sehen. In der ersten Halbzeit haben wir den viel besseren Fußball gespielt und sind verdient in Führung gegangen. Aber wir müssen akzeptieren, dass Rapid in der zweiten Halbzeit einfach besser war. Wir hatten unsere Chancen und Kontermöglichkeiten. Wir müssen lernen, die zu Ende zu spielen und ein 2:0 hier zu Hause zu lassen“, betonte der 18-Jährige.

„Uns fehlt einfach punktuell die Intelligenz“

Vor allem die Effizienz und das Umschaltverhalten waren dem Edeltechniker ein Dorn im Auge. Rapid bot nach dem Seitenwechsel aufgrund der offensiveren Spielanlage große Räume an, die Grazer vermochten sie nicht zu nutzen.

„Wir haben reife Spieler, wir haben auch clevere Spieler, aber uns fehlt einfach punktuell die Intelligenz“, ärgerte sich Avdijaj.

„Damit meine ich die Situationen, in denen man vorlegen kann, wenn man den Gegner weiter so beackert wie von Minute eins an und denen einfach keine Chance lässt. Wir hatten die 1000 Mal besseren und 100 Mal gefährlicheren Chancen. Sie kamen aus dem Spiel heraus  zwei, drei Mal vor das Tor, öfter aber auch nicht. Wir hatten fünf, sechs, sieben, acht Hochkaräter und vergeben sie. Es fällt schwer, irgendetwas dazu zu sagen.“

Auch Trainer Franco Foda hatte die fehlende Konsequenz in der Chancenverwertung und beim Ausspielen der Kontersituationen moniert. „Der erste Pass nach der Balleroberung ist der wichtigste Pass im Fußball. Der kam oft schlampig“, kritisierte der Deutsche.

„Auch Rapid hat die Cleverness gefehlt“

Avdijaj fand für das Umschaltverhalten ebenfalls deutliche Worte: „Zu einem guten Abschluss gehört nicht nur einer oder zwei, da gehören alle Spieler dazu, die nach vorne gehen. Wir müssen uns konzentrieren in diesen Phasen. Daraus kann man lernen. Ich sage ganz bewusst, dass wir zwei Punkte verloren haben – ohne zu sagen, dass wir die Punkte verdient hätten. Aber wir waren einfach zu dumm am Ende.“

Kritik, in die er sich trotz seines Treffers ausdrücklich miteinschloss. Denn Lob für seine über weite Strecken gute Leistung wollte er keines hören: „Auch ich hatte die Möglichkeit, nicht wieder nur ein Tor zu schießen, sondern das eine oder andere mehr. Leider hält der Torwart stark. Die Dinger machen sich nicht immer von alleine. Wir haben 2:0 geführt und so etwas dürfen wir nicht aus der Hand geben.“

Der Frust saß merklich tief. Dass der verspielte Vorsprung Sturms beziehungsweise die gelungene Aufholjagd Rapids den Unterschied zwischen einem Titelkandidaten und einem Anwärter auf die Plätze dahinter symbolisieren würden, sah Avdijaj nicht so:

„Nein, denn Rapid hat ebenfalls Fehler gemacht. Auch Rapid hat die Cleverness gefehlt. Als Tabellenführer geriet Rapid gegen uns mit 0:2 in Rückstand. Sie sind auch nicht fehlerfrei. Aber sie haben am Ende mit allen Mitteln das Unentschieden gewollt und das haben sie geschafft. Wir müssen das Spiel in Ruhe analysieren und uns anschauen, was wir in Zukunft besser machen können, wenn wir gegen so eine Mannschaft in Führung gehen.“

„Habe gerade ein Karussell in meinem Lebenslauf“

Auch wenn der Treffer der Schalke-Leihgabe letztlich nicht zum Sieg gereicht hat, ist die Weiterentwicklung Avdijajs offenkundig. Seine Spielfreude ist belebend für das Sturm-Spiel, gegen Rapid gelangen ihm sieben erfolgreiche Dribblings.

Wohin seine Reise mittelfristig geht, könne er jedoch nicht beurteilen: „Ich habe gerade ein Karussell in meinem Lebenslauf. In welche Richtung das geht, kann man nie sagen. Ich bin selber gespannt, was es wird. Ich werde alles geben. Was dann passiert, lasse ich andere entscheiden. Das wird meinen Werdegang entscheiden. Das kann ich selbst nicht beeinflussen.“

Vorerst bleibt der bald 19-Jährige ohnehin dem österreichischen Fußball erhalten. Nach acht Monaten im Land identifiziert er sich voll mit dem rot-weiß-roten Kick und hofft daher auch auf ein erfolgreiches Abschneiden von Rapid im CL-Playoff gegen Shakhtar Donetsk:

„Ich wünsche natürlich dem aus unserer Sicht österreichischen Vertreter alles Gute und drücke ihnen die Daumen. Ich wünsche mir für Rapid, dass sie weiterkommen. Das ist eine starke Mannschaft. Sie vertreten auch den österreichischen Fußball. Ich finde, es ist super positiv, dass sie ins Playoff gekommen sind. Ich werde das Spiel am Mittwoch auch verfolgen, denn es macht Spaß zuzuschauen, wenn eine Mannschaft aus der Region, in der du selber spielst, versucht, oben mitzuhalten. Aber wie gesagt: Wir sind gegen diese Mannschaft 2:0 in Führung gegangen, und das nicht unverdient. Wir haben auch Klasse und Qualität, haben uns jedoch wieder selber bestraft."

„Ich wünsche Grödig viel Erfolg“

Auf die erste Belohnung vor eigenem Publikum, sprich den ersten Heimsieg in dieser Saison, heißt es für Sturm also weiter zu warten. Wenigstens war es diesmal eine ansprechende Darbietung und kein Grottenkick.

Womit wir wieder beim Stichwort Grödig wären. Avdijaj hat inzwischen längst seinen Frieden mit den Salzburgern und ihrer Spielweise geschlossen:

„Die Grödiger haben für ihre Verhältnisse einen guten Start hingelegt. Man kann sauer sein, wie man will, so wie ich es in diesem Augenblick war, nichtsdestotrotz respektiere ich sie vollkommen und wünsche Grödig von meiner Seite aus viel Erfolg für diese Saison und dass sie möglichst die Liga halten. Wenn sie so punkten können, ist das natürlich top.“

Peter Altmann

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