Stögers Plan: 4-4-2-System mit zwei Stürmern

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 „Ich bin ein Austrianer“

Eine Aussage, die leicht über die Lippen geht und auf jeden einzelnen Mitarbeiter des Wiener Traditionsvereins zutrifft.

Doch es gibt selbstverständlich Unterschiede. Sieht man den Klub einfach als Arbeitgeber oder verbindet man doch mehr damit, das FAK-Logo auf der Brust zu tragen?

Peter Stöger gehört zur zweiten Kategorie. Der 46-Jährige ist durch und durch ein Veilchen, atmet praktisch violette Luft.

Bei ihm merkt man einfach, dass seine Äußerungen keinen populistischen Hintergedanken haben, sondern vom ganzen Herzen kommen.

„Ich bin froh, wieder hier zu sein und freue mich auf die neuen Aufgaben“, strahlt der 46-Jähirge im Gespräch mit LAOLA1.

„Das macht einen Spitzenklub aus“

Ende Mai wurde der Ex-Internationale als neuer Chefcoach präsentiert. Sechs Jahre nach seinem letzten Engagement in Favoriten – damals als Sportdirektor – wartet viel Arbeit. Stöger soll vor allem wieder für frischen Offensiv-Fußball sorgen.

Dass am Verteilerkreis neben einem gepflegten auch ein erfolgreicher Fußball verlangt wird, ist ihm mehr als bewusst und macht  den Reiz der Aufgabe aus.

„Schön und erfolgreich - das macht einen Spitzenklub schließlich aus. Austria ist eine Topadresse in Österreich. Ich habe bereits viel Zeit bei  diesem Klub verbracht, weiß daher, dass zu den Erfolgen, die man haben sollte, auch eine ordentliche offensive Spielweise dabei sein sollte. Das wollen die Leute hier sehen. Es wird nicht immer einfach sein, aber wir wollen das umsetzen.“

Zwei Stürmer geplant

Daher plant der Rückkehrer in Zukunft auch wieder mit einem 4-4-2-System mit nur einem Sechser. „Wir haben sehr gute Spieler im Offensivbereich und wollen sie mehr einbringen. Es ist vieles möglich. Ich muss einmal alles durchdenken, spiele aber gerne mit zwei oder sogar mit drei Stürmern.“

Was nicht heißen soll, dass es keine Alternativen gibt. „Im Fußball ist alles variabel. Es liegt auch an den Spielern, wie sie die Vorgaben umsetzen und wie flexibel wir sind.“

Den Kritikern, die meinen, er sei nach seinem Defensiv-Konzept in Neustadt der falsche Mann, entgegnet er wiefolgt:

„Man hört immer wieder, dass bei der Austria offensiv, attraktiv und erfolgreich gespielt werden soll. Jetzt kommt einer, der in Neustadt elf, zwölf Mal zu Null gespielt hat. Man muss aber fairerweise schauen, wie die  Mannschaft in Neustadt aufs Feld gegangen ist, wieviele Offensivkräfte gespielt haben. Das waren teilweise mehr als bei Rapid in Hütteldorf.“

 „Dass die Vorgaben teilweise schwer umsetzbar waren, ist eine andere Sache. Ich bin aber niemand, der sich hinten reinstellen will. Ich bin jemand, der versucht, mit dem vorhandenen Material das Beste herauszuholen.“

Keine Ergänzungsspieler gesucht

Aus diesem Grund sieht der 61-fache Teamspieler auch keinen unbedingten Handlungsbedarf am Transfermarkt.

Mitgefühl für Ivo

Speziell für seinen Trainerkollegen und Vorgänger Ivica Vastic tut es ihm leid. „Es sind ein paar Sachen passiert, die kein Mensch braucht und die man auch niemanden wünscht. Ich weiß, wie Ivo grundsätzlich über Fußball denkt. Er muss jetzt halt wieder wo anders zeigen, dass er ein guter Mann ist. Das habe ich auch machen müssen, das ist in diesem Geschäft einfach so. Man muss sich jede Woche beweisen.“

Besonderen Druck verspürt der neue starke Mann nach den Vorkommnissen gegen Saisonende dennoch nicht. „Druck baust du dir selber auf, weil du erfolgreich sein willst. In Wiener Neustadt war es ein Erfolg, in der Liga zu bleiben. Das haben wir umgesetzt. Bei der Austria sind die Ziele anders gesteckt."

Peter Stöger als Austrianer weiß das.

Martin Wechtl

„Es hat den Anschein, dass die Medien nervöser sind, ob noch eine Verstärkung kommt oder nicht. Wenn wir jemanden dazu holen, muss es ein Spieler sein, der uns sofort in der Qualität weiterhilft. Dieser Akteur muss nicht nächste Woche da sein - es kann zwei Wochen oder bis zum Winter dauern. Der oder die Neuen müssen einfach passen. Wir brauchen keine Ergänzungsspieler.“

Dennoch gebe es den einen oder anderen Kicker, den sich Stöger gut bei den Veilchen vorstellen könnte. Namen nennt er allerdings keine. „Jeder Trainer hat eine Liste von Wunschspielern. Die habe ich auch.“

Traum von CL-Quali

Die Europacup-Teilnahme sei das erklärte Ziel. „Nach zehn Jahren nicht im Europacup vertreten zu sein, ist nicht ideal für die Austria. Daher heißt unser Minimalziel die Qualifikation für einen internationalen Bewerb. Das ist vom Verein auch ausgegeben worden, weil es wichtig für das Budget und das Image des Vereins ist.“

Insgeheim kann es jedoch ruhig mehr sein. „Es gibt nächste Saison zwei CL-Plätze – da wollen wir dabei sein.“

Dass die Austria in der angelaufenen Saison den Europacupplatz verpasste, hat laut Stöger einen einfachen Grund.

„Schlussendlich hat ein Punkt zum erklärten Ziel gefehlt. Diesen einen Zähler kann man überall suchen. Ich bin der Meinung, dass die Mannschaft unter ihrem Wert geschlagen worden ist – genauso das Trainerteam, die Fans und der komplette Verein. Ich hatte als Außenstehender den Eindruck, dass man nicht gemeinsam an dem Ziel gearbeitet hat. Dann fehlt eben am Schluss ein Punkt. Das ist wirklich sehr schade.“

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