"Die Leute sind nicht abgebrüht genug"

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 „Wenn man keine Tore schießt, kann man auch nicht gewinnen.“

Keine andere  Feststellung  verdeutlicht derart die aktuelle Situation von Wr. Neustadt.

Die Truppe von Trainer Peter Stöger ist die einzige Mannschaft, die im Frühjahr noch auf einen Torerfolg wartet.

Zwei Nullnummern gegen Rapid und Wacker sowie ein 0:2 gegen Admira sind die bisherige Ausbeute. Ausständig ist allerdings noch das Nachtragsspiel gegen Kapfenberg am 14. März.

Und das Duell gegen den KSV steht angesichts der jüngsten Ergebnisse in der Liga nun unter einem ganz anderen Stern.

Abstiegskampf?

Das Schlusslicht galt vor der Winterpause als Fixabsteiger, präsentierte sich aber bisher bärenstark und holte gegen die Titelanwärter Austria Wien und Sturm Graz vier Punkte.

Da auch Mattersburg gerade einen Lauf hat, sehen sich plötzlich die Neustädter mehr denn je mit dem Thema Abstiegskampf konfrontiert.

Zwar beträgt der Vorsprung auf die Steirer zehn Punkte, Stöger ist jedoch bewusst, dass auf seine Spieler ein beinhartes Frühjahr wartet.

„Der Druck wird steigen“

„Der Druck wird steigen. Man braucht nur auf die Tabelle schauen“, erklärt der 45-Jährige im Gespräch mit LAOLA1.

Umso ärgerlicher ist es für den Ex-Internationalen, dass die zahlreichen Möglichkeiten in den letzten Spielen nicht in Tore umgemünzt wurden.

„Solche Spiele muss ich nach Hause bringen. Wir hätten gegen die Innsbrucker und auch gegen die Südstädter früh den Sack zumachen müssen. Wir können nicht Woche für Woche davon ausgehen, dass wir, wenn wir kein Tor erzielen, auch keines bekommen.“

Stöger gefragt

Die vielen vergebenen Chancen könnten sich schlussendlich rächen. „Wenn ich um die Meisterschaft spiele und ich habe ein, zwei Partien wo ich die Möglichkeit nicht nütze, um drei Punkte mitzunehmen, ist es etwas anderes. Irgendwann starte ich schon wieder eine Serie, wo ich genug Spiele gewinnen werden.  Wir spielen aber nicht um die Meisterschaft, werden nicht drei, vier Spiele en suite gewinnen. Wenn ich dann aus Spielen, in denen ich überlegen bin keine drei Punkte hole, ist es bitter“, weiß der Neustadt-Coach.

Daher wird, beziehungsweise muss er seinen Akteuren die Augen öffnen. „Wir hatten bisher nicht viel Druck, doch wenn es so weiter geht… Ich muss ansprechen was passieren kann und das Team auf die Situation einstellen. Es geht um die sportliche Zukunft. Wir geben etlichen Spielern die Möglichkeit, sich in der Bundesliga zu präsentieren. Jeder muss sich bewusst sein, dass es etwas Tolles ist, in der höchsten Spielklasse aufzulaufen.“

Abgebrühtheit fehlt

Bei allem Unmut möchte Stöger aber auch positive Aspekte äußern. „Ich arbeite super gerne mit dieser Mannschaft zusammen. Wir setzen auf die Jungen. Das ist der Weg, den wir gehen wollen und gehen können. Wir haben uns gegenüber dem Sommer schon in sehr vielen Bereichen verbessert. Positiv ist, dass wir wenigstens Torchancen herausspielen. Es ist also definitiv etwas passiert, denn im Sommer konnten wir kaum Chancen kreieren.  Es bleibt nur die Frage, ob diese Entwicklung ausreichend ist.“

Denn: „Fakt ist auch, dass die Leute, die die Torchancen immer wieder vorfinden, nicht abgebrüht genug sind, um sie auch zu verwerten.“

Eine Erklärung, warum das Runde derzeit einfach nicht ins Eckige will, hat der ehemalige Austria-Trainer nicht parat.

Von individueller Klasse abhängig

„Vieles ist von der individuellen Klasse abhängig. Man kann den Spielern etwas mitgeben, aber die Umsetzung kann man nicht ganz so leicht trainieren“, meint der WM-Teilnehmer von 1998.

Thomas Helly, der gegen Admira sogar einen Elfmeter vergab, wirkt ebenfalls etwas ratlos. „Ich weiß nicht, warum es im Match nicht funktioniert. Wir üben jeden Tag im Training die Abschlüsse – dort funktioniert es bestens.“

Andreas Schicker glaubt, „dass es auch eine Kopfsache ist.“ Der Verteidiger ist sich aber abschließend sicher: „Wenn den Stürmern einmal der Knoten platzt, wird es wieder bergauf gehen.“

Martin Wechtl

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