Bonus der Meisterelf verbraucht?

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"Es fühlt sich fantastisch an"

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„Die Meisterelf hat einen Bonus, aus Respekt vor ihren tollen Leistungen im vergangenen Jahr“, verkündete Austria-Trainer Nenad Bjelica vor dem Saisonauftakt.

Der Kroate hielt Wort, schickte in den ersten Pflichtspielen jene Startformation ins Rennen, die im Mai den 24. Meistertitel der Vereinsgeschichte fixierte.

Im gleichen Atemzug erklärte der Stöger-Nachfolger jedoch, dass „einige Spieler in der Vorbereitung stark aufgezeigt haben und gewaltig Druck ausüben.“

Immer wieder nannte Bjelica dabei Marko Stankovic, Lukas Rotpuller oder Daniel Royer. Und dieses Trio erhielt am Dienstag im CL-Quali-Duell gegen Hafnarfjördur (1:0) seine Chance.

Während Rotpuller bereits in der ersten Cup-Runde für den angeschlagenen Kaja Rogulj auflief, feierten Neuzugang Royer und Stankovic ihr Startelf-Debüt.

„Es fühlt sich fantastisch an“

Ersterer hinterließ mit seinem Goldtor gleich einmal eine Duftnote, Letzterer hatte sich quasi aufgedrängt:

Im Cup gegen Oberwart und in der ersten Runde gegen Admira eingewechselt, steuerte der Ex-Sturm-Akteur jeweils einen Treffer bei, im Test gegen Everton war er zweifacher Torschütze.

Als „Belohnung“ durfte Stankovic gegen Islands Meister auf seiner Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld spielen.  „Es fühlt sich fantastisch an. Das ist meine Position. Ich habe immer wieder gesagt, dass ich mich im Zentrum am wohlsten fühle und mich in der Vorbereitung für diese Position wohl am besten empfohlen“, gesteht der Rechtsfuß im Gespräch mit LAOLA1.  

Neue Rolle, neue Aufgaben

Dem Steirer, der in den letzten Jahren kaum in der Mitte zum Zug kam, ist bewusst, dass seine neue Rolle auch andere Aufgaben mit sich bringt – vor allem, wenn es gegen defensiv eingestellte Mannschaften geht.

„Man muss sich damit abfinden, dass man teilweise umsonst Meter macht, weil man für einen anderen den Weg frei macht. Das ist ein bisschen untypisch, denn in der Mitte möchte man eigentlich immer den Ball haben“, blickt der 27-Jährige auf die Begegnung mit den Isländern zurück.

Seine eigene Leistung beurteilt der Vater eines Sohnes zwiespältig. „Ich setze mich selber stark unter Druck, möchte immer Topleistungen abliefern. Gegen Hafnarfjördur hatte ich in der ersten Hälfte wenige Ballkontakte. Das hatte damit zu tun, dass die Isländer zentral sehr organisiert gestanden sind und wir uns auch nicht gut bewegt haben. In der zweiten Hälfte ging es wesentlich besser. Da hatte ich auch gleich doppelt so viele Ballkontakte.“

Bonus der Meisterelf aufgebraucht?

Generell sei bei ihm noch wesentlich mehr möglich, dann nämlich, wenn er regelmäßig zu Einsätzen kommt. „Es fehlt ein bisschen die Spielpraxis, aber sollte ich häufiger spielen, bekomme ich für gewisse Situationen das richtige Gespür.“

Stankovic glaubt, dass der Bonus der Meisterelf mittlerweile aufgebraucht ist. „Meiner Meinung nach stellt der Trainer ab jetzt nach Leistung auf. Der Konkurrenzkampf wird härter, aber der Respekt untereinander ist der gleiche.“

Will man so wie die Austria auf drei Hochzeiten tanzen, sei es ohnehin wichtig, zu rotieren. Mit bösem Blut rechnet der Ex-Italien-Legionär deswegen nicht.

„Man darf den Konkurrenzkampf nicht verbissen sehen. Wir respektieren uns alle untereinander, kommen fantastisch miteinander aus. Niemand ist angefressen auf den anderen, wenn er einmal seinen Platz einnimmt. Es ist ja nichts Persönliches.“

„Mit mir hat keiner Mitleid“

Auf der anderen Seite muss man jedoch auch etwas egoistisch sein und auf sich schauen. „Jeder will natürlich spielen. Mit mir hat keiner Mitleid, wenn ich nicht spiele, umgekehrt ich auch nicht.“

Ob Stankovic gegen Ried am Samstag ebenfalls in der Startformation stehen wird, ist noch offen. Denn Bjelica meinte bereits vor der CL-Quali: „Wenn der eine oder andere gegen die Isländer nicht von Beginn an spielt, heißt es nicht, dass er auch am Wochenende auf der Bank sitzt.“

Geht es nach Austrias Nummer 19 soll dies nicht auf ihn zutreffen. „Ich hoffe, dass ich meinen Platz in der Startformation so lange wie möglich halten kann.“

 

Martin Wechtl

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