"Muss für das, was man schreibt, auch geradestehen"

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Das Duell Violett gegen Grün-Weiß kennt keine Grenzen.  

Während sich die Austria und Rapid am Sonntag (16 Uhr - im LIVE-Ticker) zum 303. Mal sportlich begegnen, läuft das Duell um Klicks und „Likes“ rund um die Uhr.

Im Internet tummeln sich nicht nur tausende Fans beider Lager, sondern auch die Protagonisten der Mannschaften selbst.

Es ist eine noch bescheidene Anzahl an Spielern, die Social Media für sich entdeckt haben. Besonders aktive Kicker beim Kurznachrichtendienst Twitter sucht man fast vergeblich.

In Salzburg sind es unter anderem Stefan Maierhofer (@6ft75) und Florian Klein (@Flonaldinho7). Bei der Admira ist es Jungstar Marcel Sabitzer (@MSabitzer).

Auch in Wien fliegt das Vogerl durch die Spielerkabinen. LAOLA1 hat vor dem Derby Manuel Ortlechner und Terrence Boyd in der Welt der 140 Zeichen aufgespürt und zu ihren Zwitscher-Gewohnheiten befragt.

Auf die Frage, wie oft sie sich Neuigkeiten über Twitter holen, antwortet Boyd: "Jeden Tag fünf bis zehn Mal", Ortlechner sogar: "Permanent".

Die Gründe liegen auf der Hand. "Ich hab dort alle meine Freunde vom US-Team und es gibt immer irgendwelche guten Stories auf Twitter", erklärt der Rapid-Stürmer.  Für Ortlechner ist es nicht nur ein öffentlicher Auftritt seiner Person als Fußballer, sondern auch eine Informationsquelle.

Als Nutzer auf Twitter gibt es so gut wie keine Geheimnisse.

"Ich twittere nichts über Privates. Emotionale Tweets kommen vor. Man muss für das, was man schreibt, auch geradestehen", so @ortlechner über sein Verhalten im Netz.

Er zeigt sich über die Tragweite seiner Einträge durchaus überrascht. Hat doch das ein oder andere hochgeladene Foto schon einmal den Weg in eine Tageszeitung gefunden.

Gezwitscher kann teuer sein

Was droht, wenn man zu weit geht, weiß Ashley Cole. Der englische Teamspieler beleidigte die FA als "bunch of twats", also, harmlos ausgedrückt, als Haufen voller Idioten. Grund dafür war eine Anklage des Verbandes gegen Chelsea-Teamkollegen John Terry. 111.000 Euro Strafe muss Cole nun für diesen Ausrutscher bezahlen.

Ähnlich erging es Robert Mak. Der Nürnberg-Profi wurde für seine Kritik an Trainer Dieter Hecking via Twitter zu einer Geldstrafe verdonnert und muss bis auf weiteres bei der U23-Mannschaft trainieren.

Für Spieler, die ihre Emotionen nicht im Griff haben, kann eine Ausflug ins World Wide Web also teuer werden.

Die Nummer 1 erkauft?

Lieb und teuer sind den Vereinen auch die eigenen Fans im Internet. Wichtigster Parameter dabei ist Facebook. Die größte Anzahl an Anhänger um sich geschart hat seit kurzem, etwas überraschend, die Austria.

Aber handelt es sich dabei möglicherweise um falsche Freunde?

Der Fan-Zuwachs bei den Veilchen ist rätselhaft. Noch vor einem Monat lag die Austria deutlich hinter Rapid und Red Bull Salzburg.

Durch fast 7.000 neue Fans innerhalb der letzten vier Wochen liegt man nun aber ligaweit an der Spitze. Gleichzeitig veränderte sich die Interaktionsrate der Austria-Fans auf Facebook aber kaum und ging sogar leicht zurück.

Schwer vorstellbar, dass es da mit rechten Dingen zugegangen ist.

Das dachten sich auch die Kollegen von "90minuten.at" und fanden heraus, dass jemand Geld in die Hand genommen hat, um die Fanzahl aufzupolieren. Für insgesamt 20.000 neue Fans seit Juli sind das in etwa 2.000 Euro.

Es handelt sich um eine Praktik, die schon bei der Facebook-Präsenz von Bundeskanzler Werner Faymann angewandt wurde. Facebook-Freunde sind käuflich. 500 bekommt man auf einschlägigen Websites schon für 129 Euro.

Registriert man sich auf solchen Fan-Kauf-Seiten kann man auch selbst Geld verdienen, indem man vorgeschlagene Seiten auf Facebook "liked". "Fanslave.de" heißt eine dieser Seiten. Dort wird einem auch die Facebookseite der Austria vorgeschlagen.

Austria dementiert

Von offizieller Seite will man nichts davon wissen. "Dass die Wiener Austria 'Fankauf' betreibt, können wir in jeder Form und mit blutreinem Gewissen ausschließen", so die Stellungnahme aus Favoriten.

Hinter der Aktion vermutet die Austria einen privaten "Gönner". Um einer Seite neue Likes zu bescheren, braucht man nämlich keine Administratorenrechte.

Trotz der dubios steigenden Fankurve rühmte sich die Austria auf Facebook als Nummer eins der Liga.

Tore kann man ja nicht kaufen, also wird es von Hosiner (@HosinerP) und Co. selbst abhängen, ob die drei Punkte am Verteilerkreis bleiben. Manuel Ortlechner lässt sich aber zu keinen großen Tönen hinreißen.

 

Andreas Terler

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