"Es war nur ein weiter Abschlag geplant"

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Die neue Saison war gerade einmal 81 Sekunden alt, als sie ihren ersten ganz großen Höhepunkt lieferte.

Dabei sah es zunächst nach einer Szene aus der Kategorie 08/15 aus. Ein Stürmerfoul in Strafraum-Nähe der Wiener Neustädter, Goalie Jörg Siebenhandl legt sich den Ball zum Freistoß auf und drischt ihn mit dem linken Fuß weit nach vorne.

"Nur ein weiter Abschlag"

„Eigentlich war nur ein weiter Abschlag auf Günter Friesenbichler geplant. So war es zumindest ausgemacht“, berichtet der Torhüter.

Was dann folgte, sieht man nicht alle Tage. „Der Ball ist ein bisschen länger geworden, der Tormann hat sich leicht verschätzt und schon war er drinnen“, lacht Siebenhandl.

Ein Treffer aus 81 Metern Entfernung. „Im ersten Moment habe ich das gar nicht realisiert“, so der erste Torschütze der neuen Saison.

Ob er Mitleid mit Mattersburg-Schlussmann Thomas Borenitsch hatte? „Ein bisschen. Ich weiß, wie man sich fühlt, wenn man so ein Tor kassiert.“

"Da war ich neun Jahre alt"

Dabei hätte ihm Friesenbichler die Ehre fast weggeschnappt. Der Angreifer der Wiener Neustädter versuchte, den Ball noch vor der Linie zu erreichen, was ihm aber nicht gelang.

„Das habe ich zuerst gar nicht mitbekommen. Letztendlich war es zum Glück mein Tor. Ich wäre schon ein bisschen sauer gewesen, wenn er den noch vor der Linie erwischt hätte“, meint der Youngster.

Während Friesenbichler das Gefühl, einen Treffer zu bejubeln, kennt, ist es Siebenhandl neu. An sein letztes Tor kann sich der Keeper gar nicht mehr richtig erinnern: „Ich glaube, da war ich neun Jahre alt, oder so.“

Keine Tor-Prämie

Dementsprechend viele Gratulanten hatte er dann auch: „Es waren sicher um die 20 SMS. Hinzu kommen noch Facebook und diverse andere Medien, die es heutzutage so gibt.“

Finanziellen Profit schlägt der 21-Jährige aus seinem Tor nicht. „Es wäre schon super gewesen, hätte ich eine Torprämie in meinem Vertrag“, grinst er.

Doch auch künftig will der Neustadt-Profi in Verhandlungen keine Rücksicht darauf nehmen. „Ich glaube nicht, dass mir das in meiner Karriere noch einmal gelingt.“

Kein neuer Chilavert

Die Ambitionen, einen Weg wie Rogerio Ceni oder Jose Luis Chilavert (die Goalgetter schlechthin unter den Torhütern) einzuschlagen, hat er nicht.

„Aus kurzer Distanz bin ich bei Freistößen nicht gerade überragend. Über größere Entfernungen funktioniert das besser.“

"Es war perfekt"

Auch sonst war Siebenhandl, der erst sein zweites Bundesliga-Spiel bestritt, mit seiner Leistung zufrieden: „Zwei, drei Kleinigkeiten haben nicht gepasst, für das zweite Spiel war es aber sehr okay.“

Deswegen möchte er auch weiterhin zwischen den Pfosten stehen: „So schnell will ich den Platz nicht wieder hergeben. Ich rechne auch damit, die nächsten zwei, drei Partien zu spielen.“

Den 2:1-Auswärtssieg gegen Mattersburg wird der Goalie gewiss so schnell nicht mehr vergessen: „Besser hätte es nicht laufen können. Es war perfekt.“

Harald Prantl

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