Angriff auf Bundesliga nach tränenreichem Abschied

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„Es war sehr hart. Die Tränen sind geflossen. Der traurigste Tag in meinem Sportlerleben.“

Angesichts dieser Worte von Dani Lucas Segovia könnte man meinen, es ginge um eine schwere Verletzung.

Dabei spricht der Spanier über den Moment, an dem er das von ihm seit langer Zeit verfolgtes Ziel Bundesliga endlich erreicht hat.

Die Admira nimmt den Angreifer bis 2016 unter Vertrag und sichert sich seine Dienste schon für die Frühjahrssaison.

Das Zuhause St. Pölten

Was auf der einen Seite ein Willkommen darstellt, ist auf der anderen ein Lebewohl. Für Segovia hieß es, Abschied nehmen vom SKN St. Pölten.

„St. Pölten war für mich wie eine Familie, mein Zuhause. Das habe ich jetzt nach meinem Abschied noch einmal umso mehr gespürt“, erklärt der 27-Jährige, der in den letzten eineinhalb Jahren für den niederösterreichischen Erstligisten 29 Tore erzielt hat, und führt weiter aus:

„Die Sachen die ich dort erlebt habe – sowohl persönlich als auch sportlich – das Ambiente, das dort herrscht, ist einzigartig. Ich fühle mich, als wäre ich vier, fünf Jahre beim Verein gewesen. Es ist nur schade, dass ich mich nicht am Platz von den Fans verabschieden kann. Ich habe mit einem Wechsel im Winter ja gar nicht gerechnet.“

Herber Verlust für Aufstiegs-Aspirant

Während der Neo-Admiraner aber nun bereits mit seinem neuen Team im Trainingslager in der Türkei verweilt, muss St. Pölten den Verlust des Goalgetters kompensieren und sich deswegen auch rechtfertigen.

Als Zweiter der Ersten Liga kämpft man schließlich noch um den Aufstieg, auch wenn die acht Punkte Rückstand auf Leader Austria Lustenau schwer wiegen.

Angesichts des auslaufenden Vertrags war der sofortige Wechsel Segovias allerdings die einzige Chance, mit dem „TORero“ noch Geld zu verdienen. Ein Anliegen, das Berater und Spieler stets am Herzen lag, wie Nicolas Oliva bestätigt:

„Wichtig für uns war immer, dass St. Pölten nicht als Verlierer aussteigt. In diesem Sinne gilt es auch Danke zu sagen an den Trainer Martin Scherb und Manager Christoph Brunnauer, der nun zu Unrecht Kritik ausgesetzt ist.“

„Es ist ein neuer Schritt“

Dem sportlichen Reiz, sofort in der Bundesliga auflaufen zu können, konnten sentimentale Argumente nicht standhalten.

„Es ist ein neuer Schritt. Fußballer brauchen immer neue Ziele. Ich habe nun ein gewisses Alter und das Ziel, in die Bundesliga zu kommen, erreicht. Jetzt will ich mich hier als Fußballer beweisen. Ich habe für dreieinhalb Jahre unterschrieben. Das gibt mir Zeit, mich einzuleben“, fasst Segovia den Transfer zusammen.

Was ihn bei seinem neuen Arbeitgeber erwartet, weiß der 1,89-Meter-Mann von einem Ex-Teamkollegen. „Lukas Thürauer erzählt nur gutes vom Teamgeist. Das Ambiente bei der Admira war auch mitentscheidend.“

Spielerische Argumente

Nicht nur das gute Klima, auch die Spielweise ähnelt St. Pölten und war der Hauptgrund, warum der Bundesligist den Vorzug gegenüber anderen Interessenten, etwa aus der 2. deutschen Liga, erhalten hat:

„Ein jeder weiß, dass Didi Kühbauer versucht, den besten Fußball zu spielen. In dieser Hinsicht ist er Martin Scherb sehr ähnlich. Beiden gefällt es sehr, den Ball laufen zu lassen und das spielerische Element zu forcieren. Auch deshalb bin ich vom Projekt Admira überzeugt.“

Dieses Kompliment des gebürtigen Madrilenen an die Spielweise der Admira freut auch den Mann, der dafür verantwortlich zeichnet.

„Es spricht für die Mannschaft, wenn man weiß, dass wir einen Fußball spielen, der nach vorne geht. Wir haben einen offensiven Grundgedanken und da passt er sehr gut in unser System“, erläutert Kühbauer, warum er so intensiv um den „Zweitliga-Bomber“ gebuhlt hat.

Kein neuer Hosiner

„Er hat auf jeden Fall schon in der Ersten Liga bewiesen, dass er Tore schießen kann. So ein Spieler ist in jeder Mannschaft gefragt und ich bin froh, dass wir ihn bekommen haben.“

Als Stürmer wird sich Segovia mit einem messen müssen, dessen Abgang aus Maria Enzersdorf eine tiefe Lücke riss, Philipp Hosiner.

Ein Vergleich der beiden Angreifer hinkt laut Admira-Coach dennoch: „Dani ist mit dem Kopf sehr stark, Philipp ist ein Spieler, der die Tiefe enorm nutzt. Das sind komplett unterschiedliche Spieler.“

„Man darf nicht meinen, er muss gleich 20 Tore schießen. Ich hoffe natürlich, dass er gleich trifft. Die Qualität dazu hat er, aber ich werde ihm jetzt keinen Druck machen und sagen: Wenn er keine Tore schießt, ist er ein Fehleinkauf! Garantiert nicht. Er bekommt die Zeit von uns“, versichert Kühbauer und beendet seine Einschätzung mit einem Nachsatz, der auf ein interessantes Frühjahr schließen lässt:

„Aber ich bin überzeugt davon, dass er gleich einschlagen wird.“


Christian Eberle

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