Schuldes: "Ich will Rapid als Nummer 1 etablieren"

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Der rote Faden steht bei Rapid sinnbildlich für den durchgehenden Weg – vom Nachwuchs bis zu den Profis.

Vor etwa zwei Jahren wurde unter Ex-Sportdirektor Helmut Schulte und Zoran Barisic der Grundstein für eine einheitliche Spielphilosophie in allen Altersklassen gelegt.

Ballbesitzorientiertes, dominantes, technisch-versiertes Offensivspiel – bestmöglich im 4-3-3 – wird seitdem forciert, um die Voraussetzungen für die Zukunft zu schaffen.

Seit knapp drei Monaten hat Willi Schuldes die Leitung über. Als Sportlicher Leiter für SK Rapid II, Akademie und Nachwuchs zieht er die Fäden unterhalb der Profi-Abteilung. An diesem Wochenende durfte er sich über Turniersiege der U13 (beim "Football for Friendship"-Turnier in Berlin) und der U15 (beim 3. Internationalen Wiener Varta-Turnier) freuen.

In einer anderen Dimension

„Es war nicht schwer, in das System Rapid hineinzufinden, da die Struktur mit Profis, Rapid II, Akademie und Nachwuchs vorgegeben ist“, gesteht der 47-Jährige, der Erfahrungen als Cheftrainer des SV Horn, Leiter der Fußballakademie Linz und Sportdirektor des oberösterreichischen Fußballverbandes mitbringt, beim LAOLA1-Interview an seinem neuen Arbeitsplatz.

„An und für sich ist es so wie woanders auch, nur hat es eine andere Dimension, weil Rapid der prestigeträchtigste Verein Österreichs ist.“

Der Niederösterreicher übernahm die Agenden von Carsten Jancker, der sich nach der Doppelbelastung nun wieder explizit seiner Tätigkeit als Co- und Individualtrainer der Profis widmen kann.

Aufgrund des in letzter Zeit wachsenden Arbeitspensums fasste Sportdirektor Andreas Müller den Entschluss einer Umbesetzung und installierte Schuldes.

Synergien nützen für den einheitlichen Erfolg

Dieser fühlt sich bereits pudelwohl, lernte die Strukturen, Abläufe und Personen kennen und will nun mit dem richtigen Schlüssel die inhaltliche Umsetzung vorantreiben.

Den Nachwuchs sieht er gut aufgestellt, trotzdem ortet er die eine oder andere Optimierungsmöglichkeit.

„Rapid ist Rapid, es sind sehr viele gute Talente in jeder Alterskategorie da, die es bestmöglich in Richtung Spielphilosophie der Profis auszubilden gilt. Es ist bisher sehr gut gearbeitet worden, vielleicht aber nicht übergreifend, sondern in jeder Abteilung für sich. Aber nicht so sehr in eine Richtung, da versuche ich jetzt die Synergien zu nützen.“

Mit Michael Steiner als Nachfolger von Norbert Schweitzer bei Rapid II und Walter Knaller als U15-Trainer gehen bereits zwei wichtige Personalentscheidungen auf seine Kappe.

Ob als Coach oder sportlicher Leiter - Schuldes bringt Erfahrung mit

Der rote Faden ist auch für Schuldes das Synonym des Erfolges. Die einheitliche Vereins- und Spielphilosophie sei für ihn von oben abwärts gut zu erkennen.

Altersspezifisches Herantasten an die Spielphilosophie

Was bei den Profis nach einem beeindruckenden Frühjahr mit dem zweiten Platz, der zur Champions-League-Quali berechtigt, belohnt wurde, soll auch im Nachwuchs, den Akademien und bei Rapid II Früchte tragen.

„Genau das wollen wir dann altersspezifisch auf die einzelnen Jahrgänge herunterbrechen. Das Spezielle ist, dass man durch die enge Zusammenarbeit mit den Profis in puncto Spielphilosophie im Nachwuchs nicht ins Leere arbeitet.“

Durch die Nähe zum großen Bundesliga-Vorbild sei es für jedes einzelne Talent offensichtlich, wohin der Weg führen soll: Am besten als Profi ins neue Allianz-Stadion.

Nach der Basis-Ausbildung im Kinder-Fußball bis zur U12, gehe es in weiterer Folge in den Akademien um die speziellen Positionsanforderungen, gemäß der Frage: „Auf welcher Position hat dieser Spieler die größten Chancen, Profi bei Rapid zu werden?“

„Wie bei Ajax und Barcelona

Dass sich alle Trainer in diesem Entwicklungsprozess der Philosophie verschreiben müssen, steht außer Frage. Was in Österreich noch als außergewöhnlich anmaßt, ist in den Top-Ligen längst Standard.

„Bei den großen Vereinen wie Ajax oder Barcelona ist das so. In Österreich ist es schwierig, weil nicht jeder Profiverein eine eigene Akademie hat. Aber wichtig ist, dass es bei uns so ist. Ich will uns nicht mit anderen vergleichen“, meint Schuldes.

„Dinge, wie die einheitliche Trainingsplanung, mit einem eigenen Zeichenprogramm, der Kategorisierung der Spieler auf den verschiedenen Positionen, das Individual- und Positionstraining als eigene Einheit oder Mannschaftstraining, wo es um die einzelnen besten Spieler geht, stehen im Vordergrund.“

Ziel ist es, schon im jungen Alter die besten Spieler zu Rapid zu lotsen. Während ab Zehnjährigen im Großraum Wien gescoutet wird, verlagert sich dies in den Jahren darauf auf die nationale und später internationale Ebene. Hier ist die enge Zusammenarbeit mit Chefscout Bernard Schuiteman wichtig.

Grundtalent und Grundvoraussetzungen

Grundtalent sei erforderlich, jedoch schaffen es laut Schuldes oft auch die Zweitbesten, die talentiertere Altersgenossen mit konsequenter Arbeit überholen.

„Aber die Eigenmotivation bei unseren Spielern ist schon sehr hoch, weil hier neben den Profis und dem Stadion trainiert wird. Die wissen schon, wem sie nacheifern wollen.“

Trotz vorhandener Partnerschulen, die entscheidend für eine duale Ausbildung sind, und besten Trainingsmöglichkeiten fehlt ein eigenes Trainingszentrum. Was oft kritisiert wird, stellt für den Nachwuchschef kein Problem dar.

„Vieles wird schlechter gemacht, als es ist. Wir haben die Möglichkeiten, alles umzusetzen. Wir haben das, was wir brauchen, um mit den Spielern arbeiten zu können. Das ist mehr als ausreichend und kann keine Ausrede sein.“

„Will Rapid als Nummer eins etablieren“

Die Situation bei den Grün-Weißen bewertet Schuldes äußerst positiv. Durch den eingeschlagenen Weg ist der neue starke Mann zuversichtlich, sich in naher Zukunft als Nummer eins im Nachwuchs zu etablieren.

„Es ist auf alle Fälle mein persönliches Ziel. Ich will Rapid als Nummer 1 in Österreich und darüber hinaus etablieren. Nicht was die Infrastruktur und Rahmenbedingungen betrifft, sondern im Hinblick auf die inhaltliche Arbeit. Dafür braucht man eine Strategie, die haben wir. Dafür braucht man Leute, die sowohl fachlich als auch sozial die Fähigkeit haben, täglich hart zu arbeiten und das umzusetzen, die haben wir auch. Und dafür braucht man ein bisschen Zeit, Geduld und Vertrauen. Wenn wir das jeden Tag im Sinne des einzelnen Spielers und des Vereins machen, können wir das auf Dauer erreichen.“

Gemessen wird dies an Eigenbauspielern, die den Weg in den Profikader und/oder ins Nationalteam schaffen. Das nicht öffentlich kommunizierte Ziel sind 50 Prozent.

„Vielleicht gelingt es uns einmal, dass wir gar nicht mehr über Neuerwerbungen nachdenken müssen, sondern nur mehr schauen, wer von unten in den nächsten zwei bis drei Jahren nachkommt. Aber auf dem Niveau wird das schwierig. Da sind die Ziele mit 50 Prozent schon hochgesteckt.“

Schuldes und sein Team haben es nun in der Hand, dass der rote Faden bei Rapid in den kommenden Jahren nicht verloren geht.


Alexander Karper

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