Pacult-Aus ebnete den Weg

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"Pacult und ich haben uns nicht verstanden"

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Als Peter Pacult am Morgen des 11. April fristlos entlassen wurde, gab es unterschiedliche Reaktionen.

Die einen Rapid-Sympathisanten, die ihn wegen seiner Arbeit und Erfolges schätzen, waren traurig.

Die anderen, die ihn wegen seiner grantelnden Art und Austria-Vergangenheit nicht mögen, waren glücklich.

Pacult und Schrammel mochten sich nicht

Thomas Schrammel gehört zu zweiterer Sorte. Als die Nachricht an diesem Tag ins Innviertel drang, zauberte es dem 23-Jährigen wohl ein Lächeln ins Gesicht.

„Wir haben uns auf zwischenmenschlicher Ebene nicht verstanden“, sagt der Linksverteidiger gegenüber LAOLA1 zweieinhalb Monate später – im Rapid-Trainingsanzug.

Es bedarf der einfachen Rechnung 1 + 1, um herauszufinden, warum Schrammel einen Verbleib in Ried einer Rückkehr zu seinem Stammverein bevorzugte.

Fans hatten immer wieder den mittlerweile ehemaligen Sportdirektor Alfred Hörtnagl dafür kritisiert, den späteren Nationalspieler einfach so ziehen gelassen zu haben.

Hörtnagl deckte seinen „Feind“

Dieser wies unter anderem bei der hitzigen Rapid-Vollversammlung 2010 darauf hin, dass der Spieler das selbst entschieden habe. Und Rapid sei kein Klub, der Kicker zwingt, für Grün-weiß zu spielen.

Damit deckte der Tiroler auch seinen zum „Feind“ im eigenen Bett gewordenen Kollegen, Trainer Pacult.

„Ich wollte unter ihm nicht mehr spielen, glücklicherweise ist Peter Schöttel gekommen“, schildert Schrammel nach seinem Wechsel.

Im Sommer 2009 kam der Linksfuß, der zuvor auch schon an den FC Lustenau verliehen worden war, von Wacker Innsbruck zurück und hoffte auf den Durchbruch in der Kampfmannschaft von Rapid.

Bei seinem Herzensklub hatte Schrammel den kompletten Nachwuchsbereich durchlaufen und auch bei den Amateuren gespielt – unter einem gewissen Peter Schöttel.

Schrammel im offensiven Mittelfeld

Der Cupsieger erinnert sich: „Sie haben mich damals aus Innsbruck zurückgeholt und es wurde mir gesagt, dass sie auf mich bauen und ich die Chance bekomme, mich zu etablieren. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass nicht so sehr auf mich gesetzt wird.“

Pacult sah Schrammel als offensiven Mittelfeldspieler hinter den Spitzen und ließ ihn auch in einem damaligen Test gegen Sparta Prag auflaufen. Trainer und Spieler waren beide nicht angetan, der Anfang vom Ende für die beiden.

„Es hat Diskrepanzen gegeben“, blickt der 64-fache Bundesliga-Spieler zurück.

Ried zeigte Interesse, Schrammel ging

„Ich wollte mich dann, bevor ich eine Saison auf der Bank sitze oder bei den Amateuren spiele, verleihen lassen. Ried hatte schon zuvor Interesse gezeigt, Trainer Paul Gludovatz kannte ich schon und so war es der nächste logische Schritt.“

Die Wege Schrammels und Gludovatz kreuzten sich im Nachwuchs-Nationalteam, der Trainer nahm ihn allerdings 2007 nicht zur U20-WM nach Kanada mit.

Für die weitere Zusammenarbeit stellte das aber kein Hindernis dar. Nachdem Ried vergangene Saison die Kaufoption gezogen hatte, schien eine Rapid-Rückkehr hingegen mehr als unwahrscheinlich.

Als Schöttel den Trainer-Job bei Rapid übernahm, begann das Werben um ein Comeback.

Mission erfüllt

Spielerberater Max Hagmayr legte mit den Wiener Verantwortlichen den Grundstein, danach folgten persönliche Gespräche mit dem Spieler, der „über das Interesse froh war und nicht zögerte“.

Mit der Unterschrift seines Vierjahres-Vertrages hat Schrammel es geschafft: „Mein Ziel war es immer, zu Rapid zurückzukehren und zwar als Nationalspieler.“

Über das nächste Vorhaben, muss nicht spekuliert werden: Stammplatz.

„Das muss es sein. Ich weiß, dass Mecky Katzer schon sieben Jahre hier und Stammspieler ist. Aber ich nehme den Konkurrenzkampf sehr gerne an. Ich möchte mich durchsetzen.“

Im ersten Spiel gegen die Admira hat Schrammel bereits den Vorzug gegenüber Katzer bekommen.

Gut möglich, dass das der Anfang einer langen Saison für den Linksfuß war.

 

Bernhard Kastler

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