Viele Parallelen mit einigen Unterschieden

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Peter S., Wiener, Mitte 40, über 60 Länderspiele, WM-Teilnehmer 1998, mehrfacher Meister und Cupsieger, über 400 Bundesliga-Spiele, vormaliger TV-Analytiker und Print-Kolumnist, früher Trainer in der Regionalliga, vormals bei der Vienna und Wr. Neustadt tätig, Coach bei seinem Herzens-Verein.

Genau, es handelt sich um Peter Schöttel. Ja, es handelt sich auch um Peter Stöger. Die Gemeinsamkeiten der beiden sind frappierend.

Am Sonntag duellieren sie sich zum ersten Mal als Trainer im großen Wiener Derby.

Video vs. Taktik-Tafel

Nach den zwei einschläfernden Matches zwischen den beiden Erzrivalen im Frühjahr soll es diesmal ein Spiel fürs Auge werden.

Michael Madl, der in Wr. Neustadt beide als Trainer genoss, nährt diese Hoffnung im Gespräch mit LAOLA1: „Was ihre Auffassung vom Fußball betrifft, sind sie sich sehr ähnlich. Beide wollen offensiven, guten Fußball zeigen.“

Beide würden taktisch sehr viel arbeiten, gibt der Innenverteidiger zu verstehen. Das kann auch ihr früherer Schützling Andreas Schicker bestätigen: „Wir waren immer sehr gut vorbereitet. Sie sind taktisch sehr ins Detail gegangen.“

Der Ried-Profi weist aber auf einen Unterschied hin: „Schöttel hatte meistens ein Video vom Gegner. Stöger hat viel auf der Tafel gezeigt.“

Lauf vs. Ball

Die Trainingsgestaltung betreffend würden sich die beiden ähneln, finden ihre Ex-Spieler. Nicht aber, wenn es um die Vorbereitung auf eine neue Saison geht.

In diesem Fall spielt Dritan Baholli, der Sportwissenschaftler Schöttels Vertrauens, eine entscheidende Rolle. „Ihm überträgt er im körperlichen Bereich sehr viel Verantwortung“, erzählt Günter Kreissl, der in Niederösterreich beiden als Tormanntrainer zur Seite stand.

Sie spielten zusammen bei Rapid

Das wissen auch die Spieler zu schätzen. Madl: „Sie suchen den Kontakt zur Mannschaft und reden mit den einzelnen Spielern. Im Profi-Fußball ist das nicht selbstverständlich.“

Ruhe vs. Emotion

Wenn über das Wie gesprochen wird, werden jedoch wieder deutliche Unterschiede ersichtlich.

Auf der einen Seite Schöttel, ein ruhiger Typ. „Er ist auf positive Art und Weise harmoniebedürftig, hat es sehr gerne, wenn sich alle gut verstehen“, beschreibt ihn Kreissl. Schicker hat den SCR-Coach „eher als Pessimist, der alles drei Mal überdenkt“ kennengelernt.

Auf der anderen Seite Stöger, ein emotionalerer Typ. „Er kann – wenn er es für angebracht hält – jedem seine Meinung sehr direkt ins Gesicht sagen. Das ist nicht immer angenehm. Aber es ist seine Linie, und wenn man weiß, dass das jeden betrifft, ist das etwas sehr Positives“, meint Kreissl. Madl berichtet von einem FAK-Coach, der „richtig auf den Tisch hauen kann“.

Sicker-Schmäh vs. Kicker-Schmäh

Er erläutert: „Bahollis Philosophie hat zu Beginn der Vorbereitung sehr viel mit Läufen zu tun.“ Stöger, der immer wieder mit anderen Co-Trainern arbeitet, vertritt in diesem Punkt eine andere Ansicht. Kreissl: „Er will in der Vorbereitung im körperlichen Bereich so viel wie möglich mit dem Ball in spielerischer Form machen. Isolierte Läufe gibt es nicht.“

Kommunikation vs. Kommunikation

Isoliert fühlte sich der 38-Jährige während seiner Arbeitszeit übrigens nie: „Sie sind beide Teamplayer. Sie verstehen es, ein Trainerteam einzubinden und jedem das Gefühl zu geben, sich einbringen zu können.“

Kommunikation als wichtiger Faktor. Eine Stärke der beiden Trainer. „Sie sind sehr eloquent, waren nicht umsonst beide im Fernsehen Analytiker. Sie können auf authentische Art ihre Botschaften transportieren, verstehen es großartig, ihre Ideen weiterzugeben“, sagt Kreissl.

Doch in der täglichen Arbeit geht es freilich nicht immer ganz so ernst zur Sache. Auch Spaß muss sein.

„Und sie haben beide einen sehr guten Schmäh“, grinst Schicker. Er erläutert: „Stöger hat halt den richtigen Fußballer-Schmäh, so wie man ihn kennt. Schöttel hat so einen Sicker-Schmäh, der erst später wirkt.“

Ansage vs. Spontanität

Eine gesunde Portion Schmäh benötigt man auch im Umgang mit den Fans. Diesen pflegen beide. „Es gab engen Kontakt“, berichtet Hannes Winkler, Fan-Beauftragter des SC Wr. Neustadt. Wobei Schöttel zugänglicher gewesen sei.

Doch auch mit Stöger habe es nie Probleme gegeben. Ganz im Gegenteil: „Ich habe mit beiden sehr gute Erfahrungen gemacht. Wir waren mit beiden auch kurz privat unterwegs.“

Den Abgang zur Austria nimmt er dem 46-Jährigen aber immer noch ein bisschen übel: „Er hat sehr spontan gesagt, dass er uns verlässt, obwohl er immer behauptet hat, er geht nicht. Man hatte den Eindruck, er hat die Mannschaft und die Fans im Stich gelassen“, sagt Winkler. Schöttels Fall stellt er anders dar: „Er hat immer von Haus aus gesagt, dass er zu Rapid will.“

Sei’s drum, nun sind beide dort, wo sie hinwollten. Bei ihrem Wiener Großklub. Schöttel bei Rapid, Stöger bei der Austria. Und das ist bei all den Parallelen, die sich in ihren Nuancen doch nicht ganz so gleichen, der größte Unterschied.


Harald Prantl/Alexander Karper

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