Angeschlagen wie nie zuvor

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Schöttels Zukunft hängt am seidenen Faden

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Langjährige Weggefährten und Kenner der Szene waren einer Meinung: Peter Schöttel wirkte so angeschlagen wie noch nie.

Das Aus im Cup-Viertelfinale gegen Pasching dürfte selbst dem stets gut gelaunten, wenn auch nicht so emotionalen – wie von vielen gefordert – Rapid-Trainer aufs Gemüt geschlagen haben.

Zuletzt blieb der 46-jährige Wiener trotz einer neun Spiele andauernden Durststrecke immer sachlich und blickte optimistisch in die Zukunft. Die Belohnung wurde in Form des Sieges gegen Wiener Neustadt dankend angenommen.

Nach der inferioren Darbietung gegen den oberösterreichischen Regionalligisten war dem Kapitän des sinkendes Schiffes die Verzweiflung aber ins Gesicht geschrieben.

Noch nie so angeschlagen gesehen“

Ich kann das nur bestätigen, dass ich ihn noch nie so angeschlagen gesehen habe“, meinte auch Sportdirektor Helmut Schulte, der die Pleite zumindest nach außen hin besser wegsteckte.

Während der Trainer von den Verantwortlichen zuletzt in keinster Art und Weise in Frage gestellt wurde, scheinen Rapid langsam aber doch die Hände gebunden.

Das weiß auch Schöttel. Auf die Frage, wie es nach der Blamage gegen den Drittligisten weitergehe, konnte dieser nur auf das anstehende Training und das Wiener Derby am Sonntag verweisen.

So ganz überzeugt schien er aber selbst nicht davon zu sein, ob er dann tatsächlich noch auf der Bank sitzen würde.

Gespräch mit Verantwortlichen steht bevor

Es wird ein Gespräch mit den Verantwortlichen geben“, kündigte der Übungsleiter an. Bei diesem soll Präsident Rudolf Edlinger und Co. unter anderem auch die Leistung gegen Pasching erklärt werden.

Nach dem Schlusspfiff hatte Schöttel noch keine Erklärung parat und konnte nicht fassen, was noch vor wenigen Minuten wie ein schlechter Film vor seinen Augen ablief.

Selbst die Ausrede, einige Spieler hätten sich die Bedeutung des Cup-Spiels nicht ganz so zu Herzen genommen, ließ er nicht gelten.

Egal darf es keinem sein. Ich unterstelle niemandem was, alle sollten wissen, um was es geht“, meinte Schöttel, der Arbeitsverweigerung seiner Schützlinge ausschließen wollte.

Trennung hätte finanzielle Folgen

Trotzdem musste er zugeben: „Man hat keine Berechtigung weiterzukommen, wenn man so auftritt. Wir waren unterlegen.“

Auch wenn auf dem Spielfeld noch immer die Spieler die Kohlen aus dem Feuer holen müssen, bleibt zu hinterfragen, welche Schuld den Trainer selbst trifft.

Als einer der Gründe, warum es noch nicht zu einer Wachablösung kam, wird immer wieder die überstürzte Vertragsverlängerung Ende Jänner, die Rapid im Fall einer Entlassung viel Geld kosten würde, genannt.

Schenkt man den Aussagen des Sportdirektors Glauben, gibt es allerdings gar keinen Grund, an Schöttel zu zweifeln.

Rapid hält zu Schöttel“

Natürlich ist er der richtige Trainer in dieser Situation“, stellte Schulte unmissverständlich klar und spielte das anstehende Gespräch mit der Vereinsführung als obligatorischen Meinungsaustausch innerhalb des Klubs herunter.

Zwar ist sich auch der Deutsche sicher, dass die Cup-Leistung „nicht die wahre Leistungsfähigkeit der Mannschaft darstellen kann“.

Trotzdem macht er nicht den Trainer dafür verantwortlich. „Rapid hält zu Schöttel“, ließ er sich in diesem Zusammenhang entlocken.

Der Druck auf die handelnden Personen nimmt von Spiel zu Spiel zu. Neben den sportlichen Leistungen ist auch der Aufruhr durch die Fans nicht zu unterschätzen.

Fan-Proteste hinterlassen Spuren

Gegen Pasching trauten sich nur mehr 3.450 Zuschauer ins Stadion, die West- und Osttribüne waren spärlich besucht, der Support wurde eingestellt.

Einzig und alleine Unmutsäußerungen wie „Vorstand raus“ oder „Schöttel raus“ skandierten die protestierenden Fans.

Es geht einem überhaupt nicht gut dabei. Wir sind in einer sehr schwierigen Situation“, musste Schulte zugeben. „Heute haben mich die Rufe wenig überrascht“, merkte Schöttel an und hatte Verständnis dafür, dass er nach so einem Auftritt in der Kritik stand.

Angeschlagen wirkte er. Aber noch nicht k.o. Denn die Entscheidung über seine Zukunft liegt derzeit sowieso nicht in seinen Händen.


Alexander Karper

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