Regelkenntnis bei Buli-Kickern laut Hantschk schlecht

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Österreichs Fußballern mangelt es zum Teil an der nötigen Regelkenntnis. Diese Meinung vertritt Johann Hantschk.

"Die Regelkenntnis ist schlecht, es interessiert sie einfach nicht. Wenn man 'Mensch ärgere dich nicht' spielt, muss man sich vorher die Regeln anschauen. Fußballer machen das eigentlich nicht, das ist paradox, aber so ist es", sagte der Vorsitzende des Schiedsrichter-Komitees während des aktuell laufenden Trainingslagers von Österreichs 25 besten Schiedsrichtern in Lara,

Das Interesse an Regelkunde scheint bei den Bundesliga-Clubs allgemein nicht sehr ausgeprägt zu sein.

Das Angebot der Schiedsrichter, in der Türkei zu einem Meinungsaustausch und Regeldiskussionen zusammenzutreffen, wurde von keinem einzigen der sieben Vereine, die ihre Zelte dieser Tage in der Türkei aufgeschlagen haben, angenommen.

Topklubs verzichten auf Regelschulung

Dem noch nicht genug haben laut Hantschk mit Meister Sturm Graz, Salzburg, Austria, Admira, Wacker Innsbruck, Mattersburg und dem LASK sieben Clubs der ersten beiden österreichischen Ligen noch immer nicht die pro Saison einmal verpflichtende Regelschulung durchgeführt.

"Den Spielern und Trainern soll man jetzt vor der Frühjahrssaison die Schwerpunkte erklären, die schon seit einem halben Jahr gelten. Wir haben erfahren, dass ein paar Spieler und Trainer diese gar nicht gekannt haben", ärgerte sich Hantschk über die fehlende Mitarbeit der Teams.

"Wollen partnerschaftlich agieren"

Solche Treffen - Kapfenberg machte die Schulung am Donnerstagabend in Side - sind aus seiner Sicht wichtig. "Wir wollen partnerschaftlich agieren. Solche Treffen liefern einen Beitrag zu dem, was wir wollen.

Aufeinanderzugehen, miteinander kommunizieren und Verständnis für den anderen haben. Die Spieler können ihre Sorgen kundtun, und wir sagen aus unserer Sicht was falsch läuft oder verbessert gehört", meinte der 72-Jährige.

Fehler werden aufgearbeitet

Im Herbst standen die Schiedsrichter mehrmals in der Kritik, bei kaum einem Referee wurde kein Fehler aufgedeckt - zu einem Großteil freilich via technischer Hilfsmittel im Nachhinein. "Fehlerquellen, die im Herbst passiert sind, arbeiten wir auf, um den Ärger im Frühjahr nicht wieder zu haben", betonte Hantschk.

Noch bis Samstag schuften die zum 14. Mal in Folge in der Türkei trainierenden Referees daher täglich im Lehrsaal, wo es zahlreiche Videobeispiele zu sehen gibt, am Platz, in der Halle oder auch in der Kraftkammer.

Hantschk verteidigt Schiris

Nicht jeder im TV aufgedeckte Fehler könne allerdings negative Auswirkungen für den Schiedsrichter haben.

"Ein Fehler kann einem Schiri dann angelastet werden, wenn er im normalen Ablauf für jeden erkennbar ist. Sogenannte Fehlwahrnehmungen, die erst aufgrund einer Zeitlupenstudie oder oftmaliger Wiederholungen deutlich werden, dürfen dem Schiri nicht angelastet werden", erklärte Hantschk.

Mediale Kritik

Möglicherweise seien diese Fehler vor 10, 20 Jahren auch passiert, nur habe man da nur eine Kamera gehabt. "Man fängt jetzt Dinge mit zehn, zwölf Kameras ein, die das Auge des Schiedsrichters einfach nicht erkennen kann. Das meiste sind dann Bauchentscheidungen", meinte Hantschk.

Mit der medialen Kritik müsse man umgehen können. "Wer sich in die Öffentlichkeit begibt, muss, wenn er einen Fehler macht, dazu stehen", sagte Hantschk ganz klar.

"Es wird immer schwieriger"

Sollte sich jemand dadurch überfordert fühlen müsse er es eben bleiben lassen. "Es wird immer schwieriger für die Schiedsrichter, aber so brutal ist es nun einmal", betonte Hantschk.

Bei gröberen Fehlern wie jenem von Christian Dintar, der Mitte Oktober im Spiel Ried - Austria fälschlicherweise einen Strafstoß für die Innviertler, der zum 2:1 führte, gepfiffen hatte, gebe es für den Schiedsrichter die geschädigte Mannschaft betreffend eine "Nachdenkpause". Ablehnen können die Vereine einen Schiri aber nicht.

Kein Torrichter

Hilfestellungen für die Schiedsrichter in der Bundesliga in Form etwa im Europacup eingesetzter Torraumschiedsrichter wird es vor allem auch aus budgetären Gründen nicht geben. Mehr als die derzeit vorhandenen 25 Schiedsrichter und 41 Assistenten seien finanziell nicht drinnen.

Von der vielerorts geforderten Installierung von Profi-Schiedsrichtern hält Hantschk nicht viel. "So einer pfeift nicht besser oder schlechter", betonte der Vorsitzende des Schiri-Komitees. Zudem stelle sich die Frage, was ein Profi im Falle einer Entlassung oder nach dem Karriereende (mit 45) machen würde.

Treffen mit ÖFB-Teamchef

In Lara gab es für die Schiedsrichter am Montag auch ein Zusammentreffen mit ÖFB-Teamchef Marcel Koller. "Er ist einer, der sagt, man sollte die Spiele mehr laufen lassen, nicht jedes Foul pfeifen", erzählte Hantschk, fügte aber an.

"Wenn ein Foul passiert, ist es zu pfeifen." Von dem Schweizer hat er einen positiven Eindruck gewonnen. "Er ist ruhig, besonnen und macht einen sehr guten Eindruck. Er redet, was Sache ist, ist kein Dampfplauderer", sagte Hantschk.

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