„Bei Rapid hat es einfach nicht sein sollen“

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„Bitte, lass‘ mein Abenteuer bei Wacker Innsbruck nicht so enden, wie jenes gescheiterte bei Rapid.“

So oder so ähnlich könnten die Gebete aussehen, die Christoph Saurer gen Himmel stößt, bevor sein Neuanfang im „Heiligen Land“ richtig Konturen annimmt.

Zumindest ist er bei Wacker Innsbruck mal jene Fesseln los, die ihm bei Rapid über längere Zeit angelegt wurden: Tribünengast, Trainingsverbot, Aussortierter.

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„Ich möchte nicht sagen, dass es verlorene Jahre waren. Ich habe halt nicht viel gespielt, aber dafür auf anderen Ebenen viel dazugelernt“, zieht Saurer im Gespräch mit LAOLA1 ernüchternd Bilanz.

Mut zum Risiko wurde nie belohnt

23 Liga-Einsätze, davon neun Mal ein- und ebenso oft ausgewechselt – so bescheiden liest sich die Einsatzstatistik des mittlerweile 26-Jährigen bei Rapid.

Dabei nahm der Wiener einen Kampf mit Windmühlen auf, als er versuchte sich trotz seiner Austria-Vergangenheit in die Herzen der Fans und in die Mannschaft zu spielen. Der Mut zum Risiko wurde nie belohnt.

„Jetzt mit ein bisschen Abstand hat es einfach nicht sein sollen, dass ich bei Rapid spiele. Das erste halbe Jahr war mit vielen Einsätzen und der EL-Gruppenphase ja voll in Ordnung. Nur danach hat sich das halt nicht so entwickelt, wie ich und Rapid uns das vorgestellt haben.“

Während er unter Peter Pacult noch Möglichkeiten bekam, sich zu beweisen, war er unter Nachfolger Peter Schöttel von Anfang an abgemeldet. Auf eine richtig faire Chance wartete der Mittelfeldspieler vergeblich.

Ein Schlussstrich unter die aussichtslose Zeit

„Schöttel hat mir anfangs schon gesagt, dass es für mich schwierig wird, aber dass es im Fußball oft schnell geht. Ich wollte mich durchbeißen und meine Chance wittern. Aber ich habe keine bekommen“, erinnert sich Saurer.

Zwar wurde immer wieder betont, dass er fußballerische Qualität besitze und ein toller Kicker sei, allerdings wurden ihm seine Konkurrenten stets vorgezogen. Bis der Spieler selbst Anfang Juni einen Schlussstrich zog.

„Das hätte nicht viel Sinn gehabt. Es wäre nie dazu gekommen, dass Schöttel auf mich zukommt und mich wieder einbauen will. Mit dem Trainingsverbot hat sich dann eh alles gezeigt.“

Schon bei seiner Leih-Station in Wiener Neustadt gab es wenig Kontakt zu seinem eigentlichen Arbeitgeber, bis der noch bis 2013 laufende Vertrag vorzeitig Ungültigkeit erlangte.

„Möchte niemandem alles Schlechte wünschen“

Trotz aller negativen Erfahrungen beißt sich Saurer auf die Zunge, denn Draufhauen wäre nicht nach seinem Geschmack.

„Es würde jetzt nicht viel bringen, wenn ich sage, dass das und das ein Scheiß war und ich dem und dem alles Schlechte wünsche. Das möchte ich gar nicht. Es hat halt nicht funktioniert. Der Trainer wollte mich nicht spielen lassen. In der Zeit war das bitter.“

Wieder Freude am Kicken fand der Offensiv-Akteur in Wiener Neustadt, wo er in der Frühjahrssaison in 17 Spielen auf dem Platz stand und mit einem Tor und vier Assists neues Selbstvertrauen tankte.

„Von mir aus hätte die letzte Saison ruhig länger dauern können. So richtig ist mir erst im letzten Spiel der Knoten geplatzt, aber da war die Meisterschaft schon vorbei. Man hat gesehen, dass ich Spiele bekommen habe. Umso besser ist die Kraft geworden und alles wieder in Schwung gekommen.“

Wacker schenkt Saurer Vertrauen

Da es auch von Seiten der Niederösterreicher keine Bemühungen gab, den Techniker in den eigenen Reihen zu halten, sprang Wacker auf den fahrenden Zug auf.

Die Verantwortlichen, allen voran Sportdirektor Oliver Prudlo, haben eine hohe Meinung von ihrem Neuzugang und schenken ihm lange nicht mehr dagewesenes Vertrauen.

„Er ist der gesuchte Mann im Mittelfeld mit Qualität und Erfahrung“, beschrieb Prudlo den künftigen Innsbrucker bei seiner Ankunft. Für Saurer Balsam auf die Wunden.

„Das tut sehr gut, muss ich ehrlich sagen. Genau das habe ich jetzt gebraucht. Das spiegelt sich sicher auch in meiner Leistung wieder“, strotzt der einfache ÖFB-Nationalspieler vor Tatendrang.

Tirolerisch macht noch Probleme

Mit einem tollen Umfeld und einer „hungrigen, bissigen Mannschaft“ konnte Wacker Saurer von einem Wechsel überzeugen.

Dass mit der Austria, LASK, Rapid, Wiener Neustadt und nun Wacker der fünfte Bundesligist in Folge wartet, zeigt, dass er trotz Höhen und Tiefen weiterhin gefragt ist.

„Dass ich Fußball spielen kann, wissen ein paar. Ich brauche einfach meinen Rhythmus, dann funktioniert das.“

Die Berge sind für den Kicker aus der Großstadt genauso ungewohnt wie das Tirolerische. Doch Saurer ist davon überzeugt, sowohl sportlich als auch umfeldbezogen den Neuanfang zu bewältigen.

„Das Panorama gefällt mir sehr gut. Mit dem Tirolerischen werde ich mich auseinandersetzen und es hoffentlich nach einer Zeit verstehen. Aber lustig ist es allemal.“

Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass seine Gebete im „Heiligen Land“ endlich erhört werden.


Alexander Karper

 

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