Salzburgs neuer Teamgeist zahlt sich aus

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Das ließ sich Eddie Gustafsson nicht nehmen.

Nach dem schön herausgespielten und von Dusan Svento ebenso vollendeten 3:1 gegen Rapid, lief der Torhüter von seinem Strafraum bis zum anderen und sprang auf die Salzburger Jubeltraube.

Ein Sinnbild.

Das ließ sich Rodnei nicht nehmen.

Nachdem Harald Pichler beim Luftkampf Alans Kopf mit den Händen hinunterdrückte und schon Valon Berisha den Tiroler zur Rede stellte, kam der Brasilianer angesprintet, um seinen Landsmann zu verteidigen.

Ein Sinnbild.

Das ließ sich Salzburg nicht nehmen.

In diesem Frühjahr lagen die "Bullen" in elf Liga-Spielen acht Mal zurück. Wie bekannt, hat der Verfolger von Austria Wien kein einziges Mal in diesem Kalenderjahr verloren - trotz dieser Rückstände.

Ein Sinnbild.

Für den Teamgeist und die Moral, die diese Mannschaft in dieser Saison auszeichnet. Noch selten zuvor war das in der Red-Bull-Ära so auszumachen wie in dieser Spielzeit. Und es zahlt sich aus.

Ohne diese Eigenschaften samt ihrer Qualität wären die Mozartstädter wohl nicht von 13 Punkten Rückstand auf sechs an die Austria herangekommen. Daher dürfen sie sich fünf Runden vor Schluss auch noch Chancen auf eine Titelverteidigung ausrechnen.

Ein Ziel der neuen Ära, die im Sommer 2012 mit der Bestellung von Sportdirektor Ralf Rangnick und Trainer Roger Schmidt ihren Anfang nahm, wurde damit erfüllt.

Denn der deutsche Sportchef wollte den Teamgeist forcieren, wie der 54-Jährige etwa im Winter im Trainingslager in Belek wissen ließ.

Früher eine Interessensgemeinschaft

"Roger setzt auch auf das Wir-Gefühl, das hat es früher in Salzburg so nicht gegeben. Früher haben die Spieler nicht viel miteinander gemacht. Es war sozusagen eine Interessensgemeinschaft, die sich zum Spielen getroffen hat", schilderte der Deutsche damals.

Auch auf diesen Umstand wurde beim Kaderumbruch im vergangenen Sommer geachtet. "Früher wurde mehr auf ältere Spieler gesetzt, aber was soll zum Beispiel ein 29-Jähriger mit einem 19-Jährigen abseits des Rasens anfangen? Wir sind jetzt homogener zusammengesetzt", erklärte Rangnick im Jänner.

Hunger auf Erfolg

Dabei wurden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Schließlich sind  in erster Linie junge Spieler deswegen geholt worden, um in erster Linie natürlich selbst zu profitieren, aber auch um ihnen eine Plattform für Europa zu geben - um eine Win-Win-Situation herzustellen. Mit ihrer Jugend sind die Spieler naturgemäß auf Erfolg aus, haben die meisten doch auch keine Titel zu Buche stehen.

Das spielt im Titelrennen, das für sie nie als verloren galt, mit.

Einer, der schon länger dabei ist, ist Eddie Gustafsson.

Der Torhüter durfte am Samstag zum ersten Mal nach eineinhalb Jahren wieder in der Liga im Tor stehen, war aber auch als Nummer zwei hinter Alexander Walke immer ein Team-Leader.

Der Schwede hatte freilich schon viele Kollegen in Salzburg, kein Wunder wenn Kontinuität lange Zeit ein Fremdwort war. Vergangene Saison gab es einen neuerlichen Umbrauch, der Teamgeist musste sich erst wieder entwickeln.

"Es herrscht einfach eine tolle Harmonie"

"Es dauert, bis man zusammenwächst. Aber jetzt herrscht einfach eine tolle Harmonie innerhalb der Truppe. Es ist egal, wer spielt. Es gibt immer dieses Team und es macht Spaß. Ich bin der älteste Spieler. Aber ich muss sagen, die Jüngeren werden noch verrückter", lacht der Goalie.

Dass der 36-jährige Familienvater in seiner Freizeit mit einem 19-jährigen Havard Nielsen oder 17-jährigen Valentino Lazaro sich nicht etwa zum Playstationspielen trifft wie diese Spieler untereinander, scheint auch klar. Nichtsdestoweniger hat er als Mannschafts-Dad einen Draht zu den Jungen.

"Eddie hat sehr viel für die Mannschaft getan, auch in seiner persönlich schwierigen Situation", schätzt Schmidt auch die menschlichen Qualitäten seiner neuer Nr. 1. Das wirkte bei der Entscheidung mit.

Entgegen der Kritiker

"Gemeinsam sind wir stark" also als Motto, auch wenn es sich Kritiker beim Liga-Krösus nicht wirklich vorstellen können.

"Die Leute können über uns sagen, was sie wollen, aber wir sind eine wirklich enge Einheit geworden. Wir sind gute Freunde, auch außerhalb des Platzes. Das ist das Wichtigste für eine erfolgreiche Mannschaft. Und das sieht man auch anhand unserer Leistungen", so Gustafssson.

Elf Freunde müsst ihr sein, der Titel des bekannten Jugendbuches aus den 50ern, wurde in Salzburg diese Saison zum Gesetz. Das wird eingehalten.

Und es zahlt sich auch aus.

 

Bernhard Kastler / Martin Wechtl

"Es war damals eine Ansage an uns selbst. Wir haben gesagt, wir wollen die letzten neun Spiele erfolgreich bestreiten, das beste Viertel spielen. Bis jetzt lauft es sehr gut, wir hoffen auf die letzte Chance", gibt Florian Klein Einblick.

Seine Teamkollegen schlagen in dieselbe Kerbe. "Wir sind geschlossen, wir sind füreinander da und dann spielen wir auch gut", meint Valon Berisha.

"Wir sind ein Team, wir arbeiten als Team", fügt Stürmer Alan hinzu. Zudem ist ob der spielerischen Qualität jedes einzelnen Respekt füreinander da. Dispute wie vergangene Saison zwischen Leonardo und Stefan Maierhofer belasten das Klima nicht mehr, keiner der Spieler nimmt sich heraus, wichtiger zu sein, als der andere.

Die Ballverliebtheit des einen oder anderen könnte anderes vermuten lassen, muss aber wohl auch der Jugend geschuldet werden. Wenngleich Sadio Mane sagt: "Das denken die Journalisten, dass ich den Ball deswegen so lange halte. Ich versuche aber eine gute Situation für meine Kollegen herbeizuführen – zum Abspielen, zum Vorbereiten eines Tores. Wir arbeiten alle daran, dass die Mannschaft gewinnt."

Faktor Teamgeist

Auf dem Platz ist das Miteinander mittlerweile deutlich zu sehen. Auch etwa beim ersten Saisonsieg gegen Rapid vergangenen Samstag in Wien-Hütteldorf.

„Man hat gesehen, dass wir einen Teamgeist haben, dass wir geschlossen sind und sofort wieder zurückkommen. Wir haben uns keine Sekunde hängen gelassen", bestätigt Kevin Kampl.

Dabei lebt die komplette Bank mit. Auch Spieler, die es aktuell nicht auf das Feld schaffen, sind mit Leidenschaft dabei. Das war nicht immer so.

Vor allem Trainer Schmidt setzt auf ein gutes Klima innerhalb der Mannschaft und lebt es auch vor. "Für mich ist es einfach wichtig, dass ich ein gutes Verhältnis zu ihnen habe. Ich habe es bislang immer wieder hingekriegt, Spieler in schwierigen Situationen einzufangen. Das schafft man nur, wenn man ein vernünftiges Verhältnis zu ihnen hat", erklärte der 46-Jährige unlängst im LAOLA1-Interview.

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