"Ich habe einen eigenen Spielstil"

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Was macht der durchschnittliche 16-Jährige an einem Sonntagnachmittag?

Womöglich das Spitzenspiel der Bundesliga verfolgen. Valentino Lazaro hat das am vergangenen Sonntag auch getan. 67 Minuten lang. Denn ab dann war er ein Teil davon. Als wäre es ganz normal.

Salzburg gegen Austria, Verfolger gegen Spitzenreiter. Das Beste, was Österreich derzeit zu bieten hat. Und mittendrin statt nur dabei war ein Jungspund, der am Montag wieder die Schulbank drückt.

„Es ist geil“, grinst Salzburgs Youngster im Gespräch mit LAOLA1. Kein Wunder, es war dies sein dritter Einsatz in der Bundesliga. Erst vor einem Monat gab er gegen die Admira sein Debüt.

„Hätte ich mir nicht erwartet“

„Das hätte ich mir auf gar keinen Fall erwartet, dass es so schnell geht. Ich fühle mich im Training aber gut, ich glaube, das kann ich auch am Feld gut zeigen“, hält der Steirer im Interview fest. Dabei wirkt der Schüler nicht im Geringsten nervös, gibt souverän Antworten. Wie auf dem Feld auch.

Fast hätte es sogar ausgerechnet im Schlager mit dem ersten Treffer geklappt. Kurz vor Schluss spitzelte der ÖFB-U19-Kicker den Ball knapp am Tor vorbei. „Das war schade“, trauert Lazaro der Chance hinterher, ließ aber Pech nicht als Ausrede gelten: „Es gibt auch Spieler, die ihn machen.“

Eine Aussage, die ahnen lässt, was der Offensivspieler noch so alles vorhat. Parallelen mit Österreichs derzeitigem Aushängeschild, David Alaba, sind dabei nicht von der Hand zu weisen.

Auf den Spuren Alabas

Der Bayern-Youngster kam ebenso früh in einer Profiliga zu Einsätzen, damals schon als 15-Jähriger bei den Austria Amateuren in Liga zwei. Wie Alaba macht auch Lazaro früh auf sich aufmerksam.

„Er verfügt über extrem gute technische Fähigkeiten, ist in der Lage, schnell zu kombinieren. Er hat mit dem Ball eine sehr hohe Geschwindigkeit und einfach viele Dinge, die man braucht und die man bei 16-Jährigen nicht sooft findet“, beschreibt ihn Trainer Roger Schmidt bei der Pressekonferenz.

Lazaros Entwicklung ist rasant. Der Steirer, dessen Mutter Griechin und Vater Afrikaner ist, wurde im Jänner 2011 vom GAK geholt. Etwas mehr als ein Jahr später durfte der Mittelfeldspieler schon unter Schmidt-Vorgänger Ricardo Moniz bei der Kampfmannschaft der „Bullen“ trainieren.

„Es ist gewaltig, wenn ich daran denke, dass ich vor einem Jahr noch U16 bzw. U18  gespielt habe“, ist der Protagonist selbst erstaunt. Seine Vorbilder sind „natürlich Lionel Messi“ oder „Ronaldinho in seiner Barcelona-Zeit“. Fast wäre „Tino“ schon selbst bei einem europäischen Spitzenklub gelandet.

Nein zu Inter, ja zu Salzburg

Der 16-Jährige hatte etwa im Sommer ein unterschriftsreifes Angebot von Inter Mailand vorliegen. Auch Interesse von Milan, Chelsea und Bayern soll es zuvor gegeben haben. Doch Lazaro blieb.

Lazaro mit einem seiner besten Kumpels im Team: Valon Berisha

„Er ist natürlich ein sehr junger Spieler, der sich aber gut entwickelt hat. In so einer Phase, wo er gut drauf ist, hat er sich das einfach verdient. Er hat das auch gerechtfertigt“, begründet der Deutsche.

Nicht unwesentlich sei dabei die Einstellung, die so ein junger Spieler mit sich bringt. Schmidt: „Er sorgt für Belebung. Er ist völlig unbelastet, wenn er auf den Platz kommt. Es werden auch die Zeiten kommen, wo er nachdenkt. Im Moment ist er aber gut drauf, deshalb hat er auch gespielt.“

Seitens des Schützlings kommen diese warmen Worte Richtung Coach zurück: „Er fördert und unterstützt mich, er ist einfach ein super Trainer, von dem ich viel lernen kann.“

Die nächsten Ziele sind selbstredend: Mehr und mehr ins Team hineinkommen, vielleicht bald einmal von Start weg spielen dürfen. Längerfristige Ziele gibt es nicht: „Da macht man sich zu viel Druck.“

Sein eigenes Ding durchziehen

Auch wenn es Vorbilder gibt, will sich Lazaro nicht zu viel abschauen: „Ich will mein eigenes Ding durchziehen, ich denke, ich  habe einen eigenen Spielstil, vor allem in Österreich, den haben nicht viele. Ich freue mich, dass ich auf meine Art etwas Besonderes machen kann.“

„Es ist etwas Geiles, wenn man hört, dass da überhaupt ein Interesse besteht. Aber ich wollte mich auch nicht verheizen und bin glücklich hier. Schauen wir, was die Zukunft bringt, aber ich denke, es ist der richtige Schritt, hierzubleiben und Fuß zu fassen.“ So sehen das auch seine Teamkollegen.

„Wenn ich ihn sehe, sehe ich mich, wie ich in diesem Alter in der Kampfmannschaft in Norwegen gespielt habe. Ich helfe ihm natürlich, wo ich kann“, meint etwa der 19-jährige Valon Berisha, der wie Landsmann Havard Nielsen zu den dicksten Kumpels Lazaros im Team gehört.

Christopher Dibon, mit 22 Jahren auch noch der Kategorie „Jung“ angehörend, hält vom Alter ohnehin nichts: „Das spielt keine Rolle. Wenn ein Spieler Qualität hat und weiterhelfen kann, dann wird er in jedem Team eine Chance haben. Valentino ist ein Riesen-Talent, das hat er in den letzten Wochen immer mehr gezeigt. Man sieht, wie dynamisch er ist und wie viel Schwung er reinbringt.“

Schmidt lobt seinen Youngster

Trainer Schmidt hat Vertrauen in den Burschen, das zeigen auch die letzten beiden Einwechslungen. Beim 1:3 in Ried kam Lazaro beim Stand von 1:1, gegen die Austria war ebenfalls noch alles offen.

Apropos besonders. Das ist freilich auch seine Frisur, die auch den Fans nicht vorenthalten blieb. „Du hast die Haare schön“, war am Sonntag nicht nur einmal in der „Bullen“-Arena auszumachen.

Lazaro grinst: „Ich habe immer schon verschiedene Frisuren gehabt, bin auch dauernd am Wechseln. Vorbilder habe ich dafür keine, es ist eigentlich etwas Eigenes.“

Erfrischend ehrlich. So wie junge Menschen eben sind. Und da bekommt man auch solche Aussagen zu hören, die andere eben aus diplomatischen Gründen nicht tätigen. Etwa, wenn es um die Kaderumgestaltung von Salzburg unter Sportdirektor Ralf Rangnick und Trainer Schmidt geht.

Auch Lazaro gefällt es, dass nun vermehrt junge, hungrige „Bullen“ im Stall wüten: „Man merkt nicht nur den Altersunterschied, es sind auch viel ehrgeizigere Leute dabei. Es macht viel mehr Spaß im Training, in dem sowohl Spaß als auch Ernst dazu gehören. Das ist einfach super zurzeit.“

Vor allem für diesen 16-jährigen Schüler.

 

Bernhard Kastler

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