"Ich akzeptiere es, weil Gott es macht"

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Der Brasilianer ist gemeinhin gläubig.

In Südamerika leben etwa die meisten Katholiken auf der Welt, nämlich 488 Millionen Menschen. Und die brasilianische ist die größte Landes- innerhalb der römisch-katholischen Kirche.

Brasilien hat 192 Millionen Einwohner, 137 davon sind katholisch. Auch Rodnei.

„Ich war mit meinen Eltern immer in der Kirche. Egal was passiert, ob gut oder schlecht, ich akzeptiere das, weil Gott es macht, auch dass ich hier bin“, erklärt der Salzburger Verteidiger beim Interview-Termin mit LAOLA1 im „Bull’s Corner“ der Arena in Wals-Siezenheim.

„Egal, woher der Papst kommt“

Sein Landsmann Alan ist da nicht anders, trägt der Stürmer doch unter seinem Trikot ein Shirt mit der Aufschrift „Toda Honra e Toda Gloria a Jesus“ – frei übersetzt: „Alle Ehre und Ruhm für Jesus.“

Beide fallen am Platz durch ihre religiösen Gesten auf. „Am Platz danke ich immer, dass ich gesund bin und die Chance habe, Fußball zu spielen. Das ist mir wichtig“, erklärt Rodnei.

Zum ersten Mal in der Geschichte wurde – während Salzburg in der Südstadt gastierte – ein Papst aus Südamerika gewählt. Franziskus, mit bürgerlichem Namen Jorge Mario Bergoglio, stammt  aus Argentinien, also aus dem Land des brasilianischen Erzrivalen.

Im Gegensatz zum Fußballplatz herrscht hier aber kein Wettkampf, Rodnei ist die Herkunft alles andere als wichtig. „Mir ist egal, woher der Papst kommt. Denn es gibt nur einen Gott. Der Papst soll einfach seine Arbeit gut machen und sich an den Menschen orientieren. Die Welt ist kompliziert geworden und es gibt so viel Aggressivität, Krieg. Der Papst soll für Frieden auf der Welt sorgen.“

Der Blick gen Himmel fällt Rodnei dieser Tage besonders einfach. Nach dem ewigen Winter tut der Frühling, die warmen Temperaturen und vor allem der Sonnenschein der brasilianischen Seele gut.

Seine Ersatz-Familie

„Es ist sehr warm, es sind viele Leute auf den Straßen, ich mag dieses Wetter“, geht es ihm wie aktuell den meisten Menschen hierzulande. Aber vor allem die Südamerikaner blühen bei diesem Wetter auf, wie vor allem Alan bewies. Fünf Tore in zwei Spielen mit sieben Torschüssen sagen alles.

Rodnei und Dolmetscher im Gespräch mit Bernhard Kastler

Der Lateinamerikaner ist aber keiner, der im Bösen gegangen ist. „Ich habe nie ein Problem gehabt. Wenn es vorbei war, dann ging es weiter – ohne irgendeinen Stress. Das hängt immer vom Charakter ab. Und nicht jeder Südamerikaner ist ein Heißblut“, so der entspannte Zeitgenosse, dessen erste europäische Stationen in Litauen (FC Vilnius) und Polen (Jagiellonia Bialystok) zu finden sind.

Rodnei ist also kein Heißblut, dafür umso mehr Familienmensch. Doch in Europa muss er sich alleine durchschlagen. Das ist nicht unbedingt angenehm. „Es ist hart, ohne Familie hier zu leben. Das tut schon weh, aber es ist auch eine Motivation. Wir telefonieren über Skype und im Juni und im Dezember fliege ich immer nach Brasilien“, hat der Legionär schon seine Flüge gebucht.

Glaube an den Titel

Idealerweise kommt der „verlorene Sohn“ dann als Meister nach Hause. Das war bislang noch nicht der Fall, abgesehen vom Zweitliga-Titel mit Kaiserslautern 2010. Wo wir wieder beim Glauben wären.

„Es sind noch 15 Punkte zu vergeben, die Chance lebt, aber wir müssen konzentriert bleiben. Wenn die Austria dann noch ein Spiel verliert, wäre das super“, glaubt Rodnei Francisco de Lima, so sein vollständiger Name, weiterhin an den Titel. Sechs Punkte beträgt der Rückstand auf die Wiener.

„Vor einem Monat sagt jeder, es sei nicht mehr möglich, aber jetzt ist es möglich. Die ganze Mannschaft glaubt daran, alle wollen es, alle arbeiten daran, alle reden darüber. Ein kleiner Fehler von der Austria und wir sind da“, lautet die Kampfansage – auch an sich selbst.

Denn die Champions League ist im Hinterkopf. Bei einem Meistertitel geht es in der Quali nicht gegen die Zweiten und Dritten aus Top-Ligen, auch ein Ansporn. Wobei Rodnei, der einen Vertrag bis 2015 unterschrieb, das als langfristiges Projekt sieht. Nichtsdestoweniger strebt er jetzt schon danach.

„Mit diesem Team ist es möglich, in die Champions-League-Gruppenphase einzuziehen. Der Traum ist nicht so weit weg, er ist realistisch.“

Und der Glaube kann ohnehin Berge versetzen.

 

Bernhard Kastler

„Ich freue mich für Alan. Er hat lange auf seine Chance gewartet“, hält Rodnei, der seinen jüngeren Teamkollegen zuletzt beim 3:1 gegen Rapid nach einem Duell mit Harald Pichler – der Hütteldorfer drückte den Kopf des Angreifers bei einem Luftzweikampf nach unten – offensiv verteidigte, fest.

Baut sich der 1,90m-Riegel einmal vor einem auf, ist es schnell vorbei mit Friede, Freude, Eierkuchen. „Wir sind eine Familie“, lässt Rodnei mutmaßen, warum er Pichler zur Rede stellte. Die Tatsache, dass der Teamgeist ein entscheidender Faktor geworden ist, ist für Rodnei dem Trainer geschuldet.

„Er ist ein guter Coach und Mensch. Bei uns gibt es auch keinen Top-Star, es gibt eine Gruppe. Dafür ist der Trainer verantwortlich, das macht er gut“, lobt der Südamerikaner Roger Schmidt.

Dieser konnte lange Zeit nicht wirklich auf seinen im Sommer aus Kaiserslautern geholten Verteidiger setzen. Leistenprobleme und ein Augenbogenbruch („War nicht so schlimm“) zwangen Rodnei immer wieder zu Pausen. Seit Anfang März sind diese vorbei, seit sechs Spielen gehört er der Stammelf an.

Rodnei will seinen Traum leben

Rodnei spielte bei der Hertha und bei Kaiserslautern in den ersten beiden Ligen Deutschlands, in der Saison 2009/10 für die Pfälzer sogar jede einzelne Minute. Im Sommer ging er dennoch nach Österreich, nicht ohne Grund.

„Die Champions League ist mein Traum und deswegen hat mich das Angebot von Red Bull Salzburg interessiert. Ich habe diese Spiele immer verfolgt und will da auch eines Tages auf dem Platz stehen.“

Ein ehemaliger Hertha-Teamkollege, Lukas Piszczek, lebt aktuell diesen Traum – und wie. Im CL-Halbfinale gewann der Rechtsverteidiger mit Dortmund 4:1 gegen Real Madrid und hatte dabei öfters mit einem gewissen Cristiano Ronaldo zu tun.

„Er hat viel gemacht, viel gearbeitet, um in diese Position zu kommen“, gönnt er dem Polen den Erfolg. Er selbst kam nicht so weit, was auch mit Verletzungen und Problemen mit dem Trainer zu tun hatte.

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