"Er muss die Entscheidung noch besser treffen"

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Für keinen Tormann dauerte die Länderspiel-Pause gefühlt länger als für Peter Gulacsi.

Kein Wunder, verabschiedete sich der Keeper doch mit einem riesigen Bock in selbige. Beim 2:3 in Wolfsberg kam der Ungar in der Nachspielzeit ohne guten Grund heraus, Manuel Kerhe dankte.

„Der Fehler beim WAC war eindeutig“, muss auch Herbert Ilsanker, der nach einer Knie-Operation rekonvaleszente Tormann-Trainer der „Bullen“, im Gespräch mit LAOLA1 konstatieren.

Der Vater von Mittelfeldspieler Stefan, der in Kärnten das an Gulacsis Fehler anschließende Laufduell mit Kerhe verlor, wurde beauftragt, Gulacsi vor zwei Jahren in Liverpool unter die Lupe zu nehmen und empfahl ihn Sportchef Ralf Rangnick.

Er muss einen riesigen Raum beherrschen“ 

Denn Red Bull Salzburg suchte einen Torhüter, der für dieses spezielle Spiel in Frage kam.

„Dieses Spiel, wie wir es praktizieren, machen nicht viele Mannschaften in ganz Europa. Und das ist für den Tormann schwer. Er hat einen riesigen Raum, den er beherrschen muss“, schildert Ilsanker senior. 

Der frühere Goalie weiß: „Er muss ob dieser Philosophie einfacher offensiver spielen.“

Klar ist, Gulacsi muss teilweise in Sekundenbruchteilen entscheiden, ob er rausgeht oder nicht. Gehen oder bleiben? Eine für den Transfermarkt relevante Frage ist für den 24-Jährigen Alltag.

„Da wird dem Tormann in manchen Situationen die Schuld gegeben, aber das sehen wir als seine Trainer anders. Da haben auch die Spieler vor ihm eine Pflicht, sich anders zu verhalten, wenn der Tormann kommt und natürlich dabei auch schreit“, sieht es Ilsanker mit dem Auge des Keepers.

Nummer-1-Status nicht diskutiert

Dabei kommt einem freilich ein anderes Malheur dieser Saison in den Sinn, als Salzburg im Champions-League-Playoff-Hinspiel gegen Malmö kurz vor Schluss das Auswärtstor zum 1:2 hinnehmen mussten. Gulacsi kam heraus, Schiemer ging auch zum Ball – Emil Forsberg dankte. 

„Wenn eine Flanke kommt und Pete wie immer 'Keeper' schreit, dann springe ich gar nicht mehr hin“, verteidigt Ilsanker seinen Tormann, der bei der Admira (4:1) einen Elfmeter verursachte (und hielt), obwohl er klar vor Toni Vastic am Ball war: „Da brauche ich nicht einmal ansatzweise diskutieren.“

Diskutiert wurde der Nummer-1-Status von Gulacsi, der mit Alexander Walke einen starken Backup hat sowie zur kommenden Saison mit Grödigs Cican Stankovic starke Konkurrenz bekommt, auch nach dem schweren Patzer von Wolfsberg nicht.

„Es war ein Tormann-Fehler, nichtsdestoweniger geben wir ihm das Vertrauen. Er ist ein Spitzen-Tormann. Das war ein Fehler, da braucht man aber auch nicht lange drüber reden“, so Coach Adi Hütter, der wie von der gesamten Mannschaft auch von Gulacsi den vollen Fokus fordert.

„Auch er muss gegen die Austria 90 Minuten hochkonzentriert sein“, so der Vorarlberger.

Verbesserungspotenzial da 

Heinz Arzberger, der Ilsanker weiterhin beim Training auf dem Platz vertritt, hält seinem Schützling die Stange: „Pete ist ja auch noch beim Sammeln von Erfahrung. Er spielt seine zweite Profisaison und hat zuvor wenig gespielt. Da kann man auch nicht sagen, dass er schon die große Routine hat.“

Plus: „Man darf nicht vergessen, dass er viele sehr gute Spiele für uns abgeliefert hat.“

Verbesserungspotenzial ist freilich immer gegeben, aber „fußballerisch und bei Schüssen auf das Tor macht er das schon sehr gut“, so Ilsanker, der ihm vor allem eines auf den Weg mitgibt.

Er muss die Entscheidung noch besser treffen. Wenn ich gehe, muss ich den Ball haben. Das ist bei unserem Spiel wesentlich und ein großes Kriterium.“

  

Bernhard Kastler

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