(K)ein Fingerzeig von Rieds Zulj

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"Mir ist egal, ob ich von Anfang an spiele oder nicht"

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Ob er Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger, entsprechend der Anzahl seiner mittlerweile erzielten Bundesliga-Tore, heben könne, fragte ihn der Fotograf.

 

Robert Zulj, dessen Eltern in Kroatien geboren wurden, bat ihn wiederum, das nicht tun zu müssen. Die Geste wäre eine Provokation.

 

Der 19-Jährige verärgerte den Fotografen mit seiner Weigerung nicht, ganz im Gegenteil: Er heimste vielmehr Lob für seine Haltung ein.

 

Auch auf dem Platz heimste Zulj Lob ein, sorgte der eingewechselte Stürmer doch beim 1:1 gegen die Admira für den Ausgleich. Der gebürtige Welser stand dort, wo ein Angreifer stehen muss.

 

Hauptsache, ich spiele gut“


Das tat er bereits drei Mal in dieser Saison und das obwohl er nur bei fünf Spielen dabei war und davon nur zwei von Beginn an absolvierte. Auf einen Stammplatz pocht Zulj, der exakt ein Jahr vor dem 1:1 in Waidhofen/Ybbs im ÖFB-Cup sein Pflichtspieldebüt gab, jedenfalls nicht.

 

„Ich fühle mich wohl und mir ist egal, ob ich von Anfang an spiele oder nicht. Hauptsache, ich spiele gut und erziele meine Tore“, erklärt das Talent, das 2010 nach Ried kam – aus Linz.

 

In der dortigen Fußball-Akademie (FAL), die dem oberösterreichischen Verband gehört, war Zulj immer im Sichtfeld des LASK, die Schwarz-Weißen sahen ihn aber nicht.


Kein Interesse vom LASK


„Ich war in der Akademie und drei, vier Spieler haben immer bei den LASK-Profis trainiert. Gernot Trauner wurde dann verpflichtet, Florian Maier wurde ein Jungprofi-Vertrag gegeben und ich war nie ein Thema, so habe ich es gehört. So musste ich schauen, dass ich wo anders hinkomme.“

 

Gut für den Nachwuchs-Nationalspieler, dass er in seinem letzten Akademie-Spiel einen guten Eindruck machte.

 

„Da habe ich mit der FAL gegen die Akademie Ried gespielt, Manager Stefan Reiter war da und ich dürfte nicht so schlecht gespielt haben. Ich wurde dann verpflichtet.“

 

Die Innviertler bewiesen damit einmal mehr Weitsichtigkeit und holten ein Talent, das das Vertrauen nun am Platz zurückgibt. Über die FAL kann Zulj nur das Beste sagen.

 

Eine der besten Ausbildungen“


„Das ist eine der besten Ausbildungen in Österreich. Es spielen jetzt etwa acht damalige Spieler beim LASK, ich spiele in Ried. Bei Rapid ist auch noch jemand, der mit mir zusammengespielt hat. Weitere sind in England, Deutschland oder wo anders im Ausland. Es kommen jedes Jahr Spieler heraus, egal ob zwei, drei oder vier Spieler, das sieht man jedes Jahr.“

 

Sein um ein Jahr jüngerer Bruder Peter war auch ein Jahr in der FAL, der Stürmer steht nun bei den Rapid Amateuren unter Vertrag und ist an Erste-Liga-Klub Grödig ausgeliehen.

 

Dass man es von der FAL aus schaffen kann, bewies Robert Zulj mit seiner Teilnahme an der U20-WM diesen Sommer in Kolumbien. Ein Punkt und kein geschossenes Tor waren aber zu wenig.

 

„Natürlich war es ein Traum, aber wenn man dort ist, darf man nicht mehr träumen. Wenn ich meine Chance gegen Panama mache, sind wir weiter. Es war schwierig, wir haben mit Brasilien und Ägypten auch nicht irgendwelche Gegner gehabt. Gegen Panama hätten wir gewinnen müssen.“

 

Die große Chance dort hat Zulj ausgelassen, die große Chance im Innviertel scheint er immer besser wahrzunehmen.

 

 

Bernhard Kastler

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