"Wäre noch dreckiger gewesen"

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Gludovatz: "Das ist unverzeihlich"

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„Warum hängt dieses Bild da?“

Paul Gludovatz betrat den Rieder Presseraum, blickte auf das wandgroße Plakat hinter dem Tisch und fragte mit bewusst scharfem Unterton in die Journalisten-Runde.

Auf dem Bild sind jubelnde Rieder zu sehen: Kapitän Oliver Glasner, Martin Stocklasa, Thomas Burgstaller und Florian Mader. Nur noch Ersterer ist zugegen, aber aktuell dauerverletzt.

Es brauchte keinen Gedankenleser, um zu erahnen, auf was genau der Ried-Trainer nach den sensationellen 90 Minuten im Europa-League-Playoff-Hinspiel gegen PSV Eindhoven anspielte.

„Verabschiedung habe ich ihm verboten“

Maders Abgang in der Nacht auf den Spieltag hatte den 64-Jährigen stocksauer gemacht.

„Das ist für mich unverzeihbar. Er wollte sich zu Mittag noch von der Mannschaft verabschieden, aber das habe ich verboten. Das wäre noch dreckiger gewesen“, war Gludovatz trotz eines historischen torlosen Remis gegen den zweifachen Europapokal-Sieger nicht zu halten.

Nicht der Wechsel an sich machte ihn so wütend, die Art und Weise. Wann er davon erfahren habe?

„Um 22:30“, begann Gludovatz sich lautstark zu artikulieren. „Ich habe mich umgezogen, bin ins Büro gekommen und habe es das erste Mal gehört. Dann haben wir uns binnen 30 Minuten auf drei Positionen für das Spiel neu eingestellt.“

Und hier liegt die Wurzel seines Übels: Drei Tage hatten sich die Rieder mit dem Tiroler auf dieses in der Vereinsgeschichte bislang einzigartige Spiel vorbereitet. In der Nacht wurde vieles überworfen.

Drei Umstellungen gegen Mitternacht

Die Innviertler hätten zwar ohnehin nach langer Zeit das berüchtigte 3-3-3-1-System durch ein 4-1-4-1-System (Schweitzer: „Wir mussten das Abwehr-Zentrum stärken“) ersetzt.

„Aber wir hätten mit Mader drei Positionen anders besetzt. Hadzic wäre Rechtsverteidiger gewesen, Hinum ins Zentrum gerückt und Casanova hätte statt Hammerer begonnen“, schilderte Gludovatz.

Der Coach hätte sich gewünscht, dass sich Mader, der während des Spiels von einem unsäglichen Schmähruf der Fans bedacht wurde, anders verhalten hätte.

„Mir tut das sehr weh. Aufgrund der vertraglichen Bedingungen hätte das anders gelöst werden können. Der Spieler hätte sich etwa krank melden können und wäre dann nicht mit mir jeden Standard durchgegangen“, stieß es dem Burgenländer weiter sauer auf.

Wohl auch weil er die Signale scheinbar nicht gehört hatte: „Meine Frau hat es gespürt: Sie hat von seinen Eltern gehört, dass sie nicht nach Eindhoven mitfliegen würden. Ich muss wieder mehr hören, ich werde schon alt.“

Geschlafen hatte Gludovatz („Es ist mit Bestimmtheit an zwei oder gar drei neue Spieler zu denken“) in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nicht.

Reiter ebenso überrascht

Stefan Reiter wohl auch nicht sonderlich gut. „Ich war natürlich auch überrascht“, erklärte der Ried-Manager, der um Mittwoch 19 Uhr von Maders Management in Kenntnis gesetzt wurde.

Dieses teilte ihm mit, dass es von der Ausstiegsklausel Gebrauch machen werde, da die Wiener Austria die festgesetzte Ablösesumme bezahlen würde.

Bis 20. August wäre die Frist für die Ausstiegsklausel gelaufen. Die Austria musste vor dem Rieder Playoff-Spiel agieren, so dass der defensive Mittelfeldspieler für die „Veilchen“ in einer eventuellen Europa-League-Gruppenphase spielberechtigt wäre – sofern die Innviertler nicht auch aufsteigen.

„Wir wurden informiert, dass Mader eine Ausstiegsklausel vereinbart hat. Die Summe war uns der Spieler wert. Florian ist 28 Jahre alt, hat viel Erfahrung und kann uns helfen. Er ist ein torgefährlicher Mittelfeldspieler“, begründete Austrias Markus Kraetschmer in Wien-Favoriten.

Für Austria kein Junuzovic-Ersatz

„Florian ist nicht der vorgezogene Junuzovic-Ersatz. Dieser Transfer war vollkommen unabhängig. Wir haben uns mit dem Trainer zusammengesetzt und gesehen, dass im Mittelfeld noch Handlungsbedarf besteht“, so der AG-Vorstand, dessen Klub die Transferaktivitäten, sollten keine Abgänge mehr folgen, abgeschlossen habe – für Zlatko Junuzovic läge auch weiterhin kein Angebot vor.

Wie viel die Austria für Mader hinblättern musste, ist unbekannt. Auf der anderen Seite hätte Ried auch leer ausgehen können. Schließlich wollte der 28-Jährige höher hinaus.

„Er wollte, obwohl er sehr gerne da war, zu einem heimischen Top-Klub oder ins Ausland (2. deutsche Liga, Anm.), zudem er auch ablösefrei war. So haben wir gesagt, er solle verlängern und wenn er gehen will, kann er für eine festgesetzte Ablösesumme gehen. Denn eines ist auch klar: Wer nichts kostet, der ist nichts. Davon haben wir ihn überzeugen können“, blickte Reiter zurück.

Der erfolgreiche Manager hielt aber auch klipp und klar fest: „Es ist alles korrekt abgelaufen und international ist das Standard. Das Einzige ist, dass es unmittelbar vor diesem Spiel passiert ist.“

Um Schicker angefragt

Klipp und klar ist auch: „Es muss wer kommen. Wir haben bei Wiener Neustadt um Andreas Schicker angefragt, da laufen momentan die Gespräche“, erklärte Reiter, der ein Tauschgeschäft mit einem Stürmer nicht ausschließen will.

Hammerer kommt wegen seines im PSV-Spiel erlittenen Adduktorenabrisses, der ihn zu einer acht bis zehnwöchigen Pause zwingt, im Gegensatz zu Guillem nun nicht in Frage - die Niederösterreicher haben im Sturm Not am Mann.

„Wir wollen auf niemanden Druck ausüben, Wiener Neustadt braucht auch Spieler. In der Endphase ist es immer ein wenig anders als in der normalen Transferzeit. Das muss man sich alles genau anschauen.“

Die Linksverteidiger-Position hat nach wie vor Priorität (Reiter: „Da suchen wir seit Saisonbeginn“), auf den anderen gefragten Positionen scheint es sich um keine Qualitäts-Frage zu handeln.

„Wir sind von der Quantität nicht so gut aufgestellt. Zwei, drei Spieler werden wir für die Kaderbreite noch benötigen. Da laufen auch die Drähte heiß und wir sind mit einigen Spielern in Kontakt“, so Reiter, der auch an das Altersgefüge denkt: „Wir sind sehr jung geworden. Die Mannschaftsstruktur muss passen, das ist das Entscheidende.“

„Haben schon einen Reiter in Ried“

Natürlich denkt Ried dabei an Österreicher. An Spieler, die bei anderen Bundesligisten noch nicht so zum Zuge gekommen seien und deswegen Wechselgedanken hätten.

Neustadts Oberösterreicher im zentralen Mittelfeld, Mario Reiter, gehört nicht in dieses Anforderungsprofil, schließlich spielte der 24-Jährige bislang die vier Saisonspiele durch.

„Wir haben schon einen Reiter in Ried“, lachte Stefan darauf angesprochen.

Der geschickte Manager, der für Thomas Schrammel, Samuel Radlinger und nun auch Florian Mader Geld für die Vereinskasse sammelte sowie praktisch bislang kaum Nennenswertes ausgab (Hinum, Beer), hielt ebenso klipp und klar fest: „Wenn es notwendig ist, werden wir das Geld 1:1 investieren. Denn Sparverein sind wir auch keiner und ohne diese Einnahmen sind wir schon ausfinanziert.“

Es wird also wer kommen, um die Abgänge zumindest in der Breite aufzufangen. „Qualität haben wir“, betont Reiter. Dieser weiß aber auch, wie viel Qualität verloren ging.

„Wenn ich mir anschaue, wen wir in den letzten fünf Jahren verloren haben und diese behalten hätten, dann wären wir vergangenes Jahr wahrscheinlich Meister geworden.“

 

Bernhard Kastler / Susanne Brunnmair / Harald Prantl / Martin Wechtl

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