Reiter: "Wir hätten es uns leicht machen können“

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Die SV Ried hat aufregende Tage hinter sich.

Zuerst die Bestellung von Michael Angerschmid (Hier geht’s zum Interview) zum neuen Cheftrainer, gefolgt von der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Kapitän Thomas Gebauer (Alle Infos) bis Sommer 2015.

Bei der Suche nach dem neuen Trainer habe man sich aber bewusst Zeit gelassen.

Über Wochen wurde mit Kandidaten verhandelt, zuerst mit sechs, von denen drei in die engere Auswahl kamen. Schlussendlich fiel die Entscheidung auf die „interne Lösung“, weil das „Gesamtpaket gepasst hat“, wie Manager Stefan Reiter bei LAOLA1 erklärt.

„Wir hätten es uns leicht machen können“

 „Michael hat einen großen Anteil an den Erfolgen der Kampfmannschaft und dessen Entwicklung. Er hat sehr viele Spieler aus dem Nachwuchs in die Profimannschaft geführt. Dazu seine Erfahrungen, die er als Spieler gesammelt hat. Er hat unter allen unseren großen Trainern – also Roitinger, Hochhauser und Gludovatz - gespielt“, so der 51-Jährige.

Das Casting sei dennoch notwendig gewesen. „Wir hätte es uns leicht machen und Michael sofort zum Trainer befördern können. Doch damit hätten wir alles andere ausgeschlossen. Wir haben die Suche sehr ernst genommen und alles genau analysiert. Schlussendlich spricht es jetzt auch für Michael Angerschmid.“

Denn laut dem langjährigen Ried-Angestellten wurde „mit tollen, interessanten Kandidaten gesprochen.“

„Michael war unter ständiger Beobachtung“

Namen will Reiter jedoch keine nennen. „Aus Respekt. Es waren jedenfalls Topleute dabei. Es ist aber nicht immer der „beste“ Trainer auch der richtige. Es ist wichtig, den Geeignetsten zu finden. Dies ist uns gelungen.“

Der Verein hat explizit wieder auf jemanden gesetzt, der die Abläufe beim Vizemeister von 2007 bereits bestens kennt. Im Sommer habe man sich mit Heinz Fuchsbichler hingegen bewusst für einen externen Mann entschieden, um einen frischen Wind hineinzubringen.

Doch Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft und „jetzt ist die Situation eben wieder eine andere. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir im Sommer die richtige Entscheidung getroffen haben. Aber es hat nicht funktioniert“

Reiter prophezeit Angerschmid große Zukunft

Der sportliche Leiter der Oberösterreicher ist jedenfalls davon überzeugt, dass Angerschmid, der seit 30 Jahren beim Verein tätig ist, dabei über 400 Profi-Spiele und 279 Bundesliga-Partien als Aktiver absolvierte und seit 2007 dem Trainerstab angehört, seinen Weg gehen wird.

„Vor einigen Jahren ist Michael mit dem Wunsch an den Verein herangetreten, die Profi-Lizenz zu machen. Wenn man dieses Ziel vor Augen hat, hat man auch den Wunsch, irgendwann einmal Profi-Trainer zu werden. Wir haben dieses Vorhaben sehr unterstützt. Michael war Cheftrainer bei unseren Amateuren und dadurch ständig unter Beobachtung. Er hat dort einen tollen Job gemacht und unzählige Spieler entwickelt. So hat er sich bis zum Cheftrainer der Profis hinaufgearbeitet.“

Entwicklung wird groß geschrieben

„Entwickeln“ bleibt das Zauberwort  und ist tief verankert in der Vereins-Philosophie. „Es gibt keinen Tabellenplatz als Zielsetzung. Für uns ist wichtig, wie sich die Mannschaft, einzelne Spieler entwickeln. Wir haben eine sehr junge Mannschaft, da ist noch ein großes Entwicklungspotenzial vorhanden.“

Über kurz oder lang wäre es wünschenswert, wieder einen Spieler ins Nationalteam zu bringen beziehungsweise zu einem größeren Klub zu verkaufen – allerdings nicht auf Teufel komm‘ raus.

„Es ist immer schön, Nationalspieler in den eigene Reihen zu haben. Das wäre der Beweis, dass wir gut arbeiten. Wir wollen jetzt auch nicht  unbedingt jemanden verkaufen – das wäre einfach eine logische Entwicklung. Wenn man Spieler weiterentwickelt, damit sie ein höheres Level erreichen, dann kommen die Interessenten von alleine. Und der Betroffene wird dann früher oder später wechseln. Primär wollen wir Spieler entwickeln, damit sie der Mannschaft helfen. Wir haben einige Kandidaten – ihre Namen behalte ich aber für mich.“

„Viele Österreicher wechseln zu früh ins Ausland“

Obwohl beim Tabellenfünften großer Wert auf den eigenen Nachwuchs gelegt wird, schaut man sich selbstverständlich auch außerhalb um.

Sowohl im In- als auch im Ausland. Im Sommer wurde etwa Clemens Walch aus Kaiserslautern geholt.

Der 25-jährige Österreicher etablierte sich im Herbst immer mehr zum Leistungsträger. Diese Chance möchte Reiter auch anderen Akteuren bieten.

„Ich bin der Meinung, dass viele Österreicher zu früh ins Ausland wechseln und dann in der Versenkung verschwinden. Die Zahl ist bedeutend höher, als von denen, die es im Ausland schaffen. Es ist sicher leichter in Ried Profi-Spieler der Kampfmannschaft zu werden, als bei Ajax Amsterdam oder Bayern München. Wenn man sich in Ried entwickelt und auch in die Nationalmannschaft kommt, kann man den Schritt ins Ausland  immer noch machen. So sollte die Zielsetzung aussehen."

„Wir sehen uns als Verein, der diesen  Schritt mit den Jungen geht. Wenn es etwa Potenzial-Spieler wie Clemens Walch gibt, holen wir ihn gerne aus dem Ausland zurück. Wenn er eben Stammspieler wird und ein gewisses Level erreicht hat, muss er wieder ins Ausland wechseln.“

Neuhold ein interessanter Spieler

„Veränderungen“ werde es jedenfalls im Winter geben. Der eine oder andere Spieler könnte als Verstärkung kommen.

Zuletzt wurde immer wieder der Name Florian Neuhold von Sturm Graz mit den Wikingern in Verbindung gebracht.

„Ein interessanter Spieler. Wir sind noch in der Überlegungsphase, wissen aber, dass wir in der Verteidigung zu wenig Spieler haben. Er ist einer von mehreren, die unter Beobachtung stehen“, versichert Reiter.

Zudem werden die Bemühungen um Marco Meilinger verstärkt. Der 21-Jährige ist noch bis Saisonende von RB Salzburg ausgeliehen, soll, wenn möglich, aber fix engagiert werden.

„Es ist noch zu früh, um genaueres zu sagen. Wir werden jedenfalls alles dafür tun, um ihn auch die nächsten Jahre in Ried zu haben“, meint der Mastermind des zweifachen österreichischen Cupsiegers.

Aufregende Tage sind bei der SV Ried also wieder vorprogrammiert…

Martin Wechtl

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