"Nicht mehr der familiäre Klub"

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"Ried ist eben auch nicht mehr so der familiäre Verein"

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Michael Angerschmid hat es akzeptiert.

Er musste es auch akzeptieren, denn ändern konnte es der 40-Jährige ohnehin nicht. Mit dem 0:4 bei Red Bull Salzburg am Sonntag neigt sich seine Ära bei der SV Ried dem Ende zu – auch vertraglich.

Sein Kontrakt hätte sich bei 48 Punkten automatisch verlängert, die sind nicht mehr zu erreichen. Und auch wenn, wäre die Zusammenarbeit nur mehr auf dem Papier fortgesetzt worden.

Nach 32 Jahren beim Verein trennen sich im Sommer die Wege. Angerschmid war seit 1982 (!) Rieder, war jemand, den man heute „One-Club-Player“ nennt, und absolvierte dabei 279 Bundesliga-Spiele.

In der Folge wurde der Oberösterreicher nach dem Ende seiner aktiven Karriere 2007 zum Chef.Trainer aufgebaut, war fünf Jahre lang Amateur-Coach sowie im Betreuerstab von Paul Gludovatz und Heinz Fuchsbichler. Zudem betreute er wie Gerhard Schweitzer, sein jetziger „Co“, auch interimistisch.

„Ich kann mir nichts vorwerfen“

Nach der Fuchsbichler-Beurlaubung schlug im Dezember 2012 die große Stunde als Chefcoach, im Sommer 2013 wurde sein Vertrag (samt Punkteklausel) um ein Jahr verlängert.

Für eine weitere Vertragsverlängerung reichte es nicht. Nach einer weitestgehend ansprechenden Hinrunde, in der an fünf Spieltagen Platz zwei hinter Start-Ziel-Sieger Salzburg herausschaute, ging es im Frühjahr bergab. Zuletzt fielen die Innviertler aus den Top 5 heraus.

„Grundsätzlich hat es im Sommer zwei Ziele gegeben, zum einen nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben und zum anderen die Entwicklung der jungen Spieler, die auch zu sehen war. Beispiel Patrick Möschl oder Robert Zulj, den Salzburg geholt hat. Ich kann mir nichts vorwerfen, alles andere liegt nicht in meiner Hand“, blickt Angerschmid bei LAOLA1 auf die abgelaufene Saison zurück.

Zwar lässt sich der Rieder Veteran äußerlich nicht sonderlich viel anmerken, doch dass Scheiden in diesem Fall besonders weh tut, lässt sich bei seinen Aussagen verständlicherweise heraushören.

Ried-Manager Stefan Reiter versteht die Enttäuschung und bleibt gelassen

„Natürlich muss unser Anspruch sein, dieses Spiel zu gewinnen. Wir hatten aber zu diesem Zeitpunkt viele Verletzte, dann fiel auch noch Rene Gartler aus. Wenn ich in einem Büro sitze, dann tue ich mir auch leichter, zu sagen, das Spiel muss gewonnen werden. Am Platz sieht es dann oft einmal anders aus. In diesem Spiel war das zur Verfügung stehende Team aber einfach nicht um so viel besser, wenn überhaupt. Wir sind an unsere Grenze gegangen, es ist aber nicht mehr drinnen gewesen. Ich frage mich, was ist, wenn Ried mal im Cup in Runde eins oder zwei ausscheidet?“, so Angerschmid.

Der Trainer war über den Umgang mit seiner Person zuletzt nicht sonderlich erfreut und sagt: „Ried ist auch nicht mehr so der familiäre Verein, wie er lange gewesen ist. Es geht mit dem Anspruch und der Professionalität irgendwann verloren. Das ist so und zu akzeptieren. Ich will da auch nicht mehr groß nachtreten, es wird irgendwo wieder eine Tür aufgehen und wenn nicht, dann bleibe ich einmal einen Sommer daheim, das habe ich in meiner Karriere eh noch nie gehabt.“

Wer folgt Angerschmid? Bleibt Gartler?

Auf diesen "Sommer dahoam" wird Reiter traditionell verzichten, seinen neuen Trainer wolle der 53-Jährige im Idealfall bis Sonntag wissen. Ein Ziel, von dem er wusste, dass er es möglicherweise nicht erreichen würde. Mit Adi Hütter könnte der Wunschkandidat an Salzburg verloren gegangen sein.

Der Name Martin Scherb fällt dabei ebenso wie jener von Oliver Glasner, der aber Roger Schmidt nach Leverkusen folgen möchte. Ob Gerhard Schweitzer, dessen Vertrag ausläuft, weiter "Co" bleibt, ist auch offen.

„Ich bin mir sicher, dass wir den richtigen Trainer für die nächste Saison ehestmöglich haben werden“, macht sich Reiter gewohnt kein Sorgen.

Und dann wäre da noch Rene Gartler, der mit seiner Verlängerung (oder seinem Abschied) zuwartet.

„Ihm ist auch sehr wichtig, wie der Kader kommende Saison aussieht“, sagt Reiter, der ein gutes Gefühl hat. Die Entscheidung des Stürmers zieht sich seit Wochen hin, freilich ist aber auch der Goalgetter (30 Tore in zwei Ried-Saisonen) sehr daran interessiert, wer neuer Trainer wird.

Wie einige andere Bundesliga-Protagonisten hat auch der 28-Jährige die Qual der Wahl, etwa auch 1860 München, das ihn beobachtete. „Eine interessante Möglichkeit“, so der Wiener in der „tz“.

 

Bernhard Kastler

„Wir haben mit vielen Problemen zu kämpfen gehabt, die Mannschaft wurde im Sommer jung zusammengestellt und wenn es dann nicht so läuft, ist das auch normal. Es entsteht aber ein Druck auf Spieler, Trainer und auch Präsidium sowie Management. Da passieren dann Kurzschluss-Reaktionen und für mich war das eine“, sagt der frühere Mittelfeldspieler.

„Wenn ich in einem Büro sitze, tue ich mir auch leichter“

Dass das Verhältnis mit Manager Stefan Reiter ob der Entwicklung in den vergangenen Wochen nicht das beste war, liegt freilich in der Natur der Sache, von einem Bruch wollen aber beide nichts wissen. Zu seinen kritischen Aussagen in jüngerer Vergangenheit steht Angerschmid allerdings weiterhin.

„Es hat sich mit den Verlängerungen von Spieler-Verträgen hinausgezogen und ich habe in einem Interview gemeint, und das auch bewusst, dass hinsichtlich kommender Saison noch nicht viel passiert ist. Viele Spieler sind bei mir gestanden und wollten wissen, wie es weitergeht. Da kann also damals nicht viel passiert gewesen sein. Das habe ich öffentlich kundgetan und dazu gesagt, dass ich nicht die volle Rückendeckung des Vereins gespürt habe. Das war so und auch mein Empfinden.“

Reiter, der auf öffentliches Drängen seines Trainers mit der Entscheidung vor Saisonende (also anders als geplant) an die Öffentlichkeit ging, hat für die Enttäuschung und Verärgerung Verständnis.

„Das hat ja auch eine Logik. Jemand, dessen Vertrag ausläuft, und der vom Verein kein hundertprozentiges Zeichen bekommt, dass sein Vertrag auch zu hundert Prozent verlängert wird, wird natürlich enttäuscht sein. Das ist doch selbstverständlich und kein Problem für mich.“ Zusatz: „Ich muss als sportlich und wirtschaftlich Verantwortlicher einfach rational entscheiden, kann nicht nach Sympathie gehen.“

Der langjährige Manager habe in seiner Entscheidungsfindung nicht nach einem Punkt entschieden, dennoch war freilich auch die Heim-Niederlage im ÖFB-Cup-Viertelfinale gegen Erste-Liga-Klub St. Pölten nicht förderlich – unabhängig vom massiven Verletzungspech, das die Innviertler hatten.

„Das sagen wir nicht oft, aber dieses Spiel muss gewonnen werden. Wir spielen als Bundesligist zu Hause gegen einen Erstligisten“, ließ Reiter vor der Partie wissen. Die Partie ging 1:2 verloren.

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