Rieds 100er: Gaudi und Tränen

Aufmacherbild
 

"Einer der emotionalsten Momente meines Lebens"

Aufmacherbild
 

"Wir feiern genau so, wie es der Stil der SV Ried ist.“

Interimstrainer Gerhard Schweitzer traf es auf den Punkt. Die 100-Jahr-Gala war nicht pompös – sie war ehrlich und sympathisch. Ebenso wie sich der Verein seit jeher nach außen präsentiert.

Die "Wikinger" hatten sich in der Energie-Halle am Messegelände eingefunden, 1800 Mitglieder kamen zum großen "Familientreffen".

Neben den aktuellen Protagonisten auch Helden der früheren Tage wie etwa Klaus Roitinger, der als Spielertrainer die Rieder in den Profifußball schoss und später am Abend zum "Trainer des Jahrhunderts" gewählt wurde. Oder auch Paul Gludovatz, der erst kürzlich zu Sturm wechselte.

Spieler-Legenden wie Goran Stanisavljevic und Gerald "Euro-Geri" Strafner, die beide in die "Jahrhundertelf" gewählt wurden, oder auch die beiden Urgesteine Oliver Glasner und Herwig Drechsel waren natürlich ebenso zugegen.

Viele sahen sich nach Jahren erstmals wieder, tauschten sich angeregt aus und verbrachten in gemütlicher Atmosphäre offenkundig eine gute Zeit.

Drechsel räumte ordentlich ab

Drechsel durfte am glücklichsten sein, denn das Mitglied der "Jahrhundertelf" wurde von den Fans nicht nur zum "Spieler des Jahrhunderts" gewählt sondern erzielte auch das "Tor des Jahrhunderts".

Für den absoluten Publikumsliebling, der aktuell mit Viertligist Wallern um den Aufstieg mitspielt, natürlich eine große Ehre: „Es hätten sich viele verdient, mich hat es getroffen und ich bin froh darüber.“

Ehemalige Spieler, die den Sprung vom Rieder Ausbildungsverein zu einem Top-Klub in Österreich geschafft haben, ließen sich ebenfalls blicken, wie etwa Salzburgs Franz Schiemer.

Der Defensiv-Allrounder hatte noch am Nachmittag mit seinen „Bullen“ bei Rapid gewonnen, die die Meisterschaft damit so gut wie für sich entschieden. Schiemer nahm Cup-Finalgegner Ried sozusagen schon das Europacup-Ticket als Geschenk mit.

Auf der einen Seite der großen Messehalle fanden sich die Spieler, Trainer und Funktionäre von heute und gestern, auf der anderen die Fans und in der Mitte nahmen Sponsoren und prominente Gratulanten Platz.

"Goldi" und Landeshauptmann ziehen den Hut

"Das sind wir Innviertler, wir holen aus dem Minimum das Maximum heraus", grinste etwa die heimische Skisprung-Legende Andreas Goldberger mit seinen Landsmännern um die Wette. Kein Wunder, kommt der ehemalige ÖSV-Adler doch aus dem zehn Minuten entfernten Waldzell.

Keine weite Anreise hatte naturgemäß auch Landeshauptmann Josef Pühringer, der wie alle anderen dem zweifachen Cupsieger (1998 und 2011) und Vizemeister (2007) Rosen streute.

"Ried ist eine wichtige und charmante Visitenkarte Oberösterreichs, mit einem Bilderbuchpräsidenten Hans Willminger. Ich habe größten Respekt", so der Landesvater, der mit der Anspielung auf den Klubchef auch - gewollt oder ungewollt - einen Seitenhieb Richtung LASK und seinen umstrittenen Präsidenten Peter-Michael Reichel landete.

Gewollt war das sicherlich bei Walter Egger, der die 100-Jahr-Chronik präsentierte, und die Geldprobleme der lizenzlosen Linzer in seinem kabarettistischen Rückblick einbaute ("Das können sie sich nicht leisten").

Reiter mit Tränen und kleiner "Meisterscheibe"

Die Spielvereinigung konzentrierte sich ansonsten ganz auf sich selbst, feierte vor allem die treuen Mitarbeiter im Hintergrund.

Zwei der Helden des Alltags würdigte Stefan Reiter auf der Bühne: Buchhalterin Xandi Mitterhofer (Reiter: „Sehe sie fast öfter als meine Frau“) und Teammanager Rudi Zauner ("Mein Berater und mein bester Freund").

Es war die Szene des Abends: Als der Manager – und das Um-und-Auf des Vereins – seine Danksagung teilweise mit gebrochener Stimme ans Publikum richtete, trieb es Reiter auch die Tränen in die Augen.

„Es war für mich einer der emotionalsten Momente meines Lebens“, gab einer der besten Bundesliga-Manager ganz unumwunden zu.

Zuvor würdigte Bundesliga-Präsident Hans Rinner die Innviertler als Klub auf den "alle mit Respekt und neidvoll schauen" und überreichte symbolisch eine kleine Meisterscheibe: „Es wäre durchaus etwas Wunderbares, wenn einmal ein Klub wie Ried den Fußballmeister stellt.“

"Weg des österreichischen Fußballs"

Auch ÖFB-Präsident Leo Windtner lobte in seiner oberösterreichischen Heimat den Klub aus dem Innkreis: „Die Erfolgsfaktoren sind vor allem ein guter Funktionärsstab mit Präsident Hans Willminger und natürlich Stefan Reiter, die für Rahmenbedingungen sorgen, wo man über das eigentliche Profil des Nischenplayers hinausgekommen ist und österreichweit respektable Erfolge einfährt. Man lässt sich auch nicht beirren und setzt den Weg fort – sympathisch und verlässlich.“

In den vergangenen 20 Jahren haben die Innviertler ihre Geschichte wie kaum ein anderer Klub geschrieben und sich mit ihrer kontinuierlichen, ehrlichen Arbeit zum Sympathieträger gemausert.

Den Abschluss des großen Rieder "Come-Togethers" machte ein Feuerwerk um halb zwölf. Eine Stunde später als geplant.

Wer viel zu feiern hat, braucht eben länger. Vor allem bei einer großen Familienfeier, die für viele zum schönsten Highlight einer hundertjährigen Erfolgsgeschichte mutierte.

Oder wie es Stefan Reiter formulierte: „Der Verein hat sich das verdient.“

 

Bernhard Kastler

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen