Der Zulj-Report

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„Spieler, die bei einem Top-Klub unterkommen können, denen werden wir keine Steine in den Weg legen. Wenn etwa Robert Zulj Nationalspieler wird und es klopft jemand an, dann wird es wohl eine Lösung geben.“

Ob bewusst oder nicht, Heinz Fuchsbichler entschied sich in einem seiner ersten Interviews als Ried-Trainer unter den vielen jungen Riedern von Robert Zulj als zukünftigen Nationalspieler zu sprechen.

Der Kurzzeit-Coach, der noch im Herbst seinen Sessel räumen musste, erkannte offensichtlich in kurzer Zeit hautnah das Potenzial, das im Offensivspieler der SV Ried steckt. Freilich nicht nur er.

Ried erkannte das Talent

Die Rieder Verantwortlichen erkannten auch das Talent des damals 18-Jährigen und holten den Stürmer 2010 aus der Fußball-Akademie, nämlich jener in Linz.

Vor der Haustür des Rivalen schnappten sich die „Wikinger“ Zulj, der LASK versäumte es, sich dieses Talent unter den Nagel zu reißen.

„Ich wollte ihnen zeigen, dass die Linzer einen Fehler gemacht haben, mir damals keinen Vertrag zu geben“, äußerte sich der Sohn gebürtiger Kroaten vor einigen Wochen nach dem 2:1-Sieg im Cup-Viertelfinale gegen den LASK, in dem er das 1:0 beisteuerte.

Doch der kontinuierlich arbeitende Klub aus Ried tut ihm ohnehin besser als der Chaos-Verein aus der Landeshauptstadt, der aktuell in der Regionalliga um den Aufstieg kämpft.

In den drei Saisonen hat sich Zulj bei den Innviertlern stetig weiterentwickelt. In der ersten Saison fast ausschließlich Joker, kamen ein Jahr später mehr und mehr Einsätze von Beginn weg dazu. In seinem aktuell dritten Jahr hat sich der U21-Kicker zum absoluten Stammspieler etabliert.

Bei zehn Treffern und fünf Assists hält der Rieder in dieser Saison, gehört damit neben Marco Meilinger und Rene Gartler zu den offensiven Schlüsselspielern bei den "Wikingern".

Verschiedene Ansichten

Wie die Salzburg-Leihgabe Meilinger ist auch der in Wels aufgewachsene Oberösterreicher erst 21 Jahre alt. Die Jugend des U20-WM-Teilnehmers von 2011 war in der jüngeren Vergangenheit noch öfter anhand der Verspieltheit am Feld zu erkennen. Doch Zulj hat sich schnell gemausert.

Zulj mit seinem Trainer Michael Angerschmid

Von alleine kommt die Entwicklung auch nicht, das hat auch mit dem Trainerstab zu tun.

„Wenn ich das Vertrauen vom Trainer habe, dann spiele ich leichter. Das war früher nicht so. Dass es so gut klappt, da kann ich mich bei den Trainern bedanken“, sagt Zulj.

Die Trainer sind zufrieden: „Wenn ich mir die Ballannahme vor dem 1:0 damals im Cup gegen den LASK ansehe, das ist ein Produkt aus zwei Jahren Training. Er steht mit dem Körper super da, das ist es.“

„Im Sommer schauen wir weiter“

Diese Entwicklung entgeht zumeist auch anderen Vereinen nicht. Das weiß auch Manager Stefan Reiter, der aber klipp und klar hinsichtlich eines Verkaufs sagt: „Das haben wir nicht vor, das ist wirklich nicht der Plan.“

Zulj selbst bekommt natürlich auch mit, was um rund um seiner Person gesprochen wird, hält sich aber bisweilen bedeckt: „Man hört von außen, dass Vereine Interesse haben. Das versuche ich auszublenden. Ich habe bis 2014 Vertrag, spiele jetzt einmal bis zum Sommer und dann schauen wir weiter.“

Im U21-Team spricht der Rieder aber öfter einmal mit Kapitän Raphael Holzhauser über dessen Zeit bei Stuttgart.

„Wir reden darüber, wie es so ist, wie trainiert wird. Für alle jungen Spieler, die viele Spiele in der heimischen Bundesliga gemacht haben, ist es das Ziel, dort hinzukommen. Holzi ist sicherlich ein kleines Vorbild dahingehend.“

Doch Zulj stellt auch klar: „Ich will nur gesund sein, alles andere wird man sehen.“

Auch verbal ein Zeichen guter Entwicklung.

 

Bernhard Kastler

Aber warum hat sich der Nachwuchs-Nationalspieler so entwickelt? Drei Menschen, drei Ansichten - der Zulj-Report.

„Er hat im Kopf einfach einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Früher hat man ihn immer treiben müssen, jetzt macht er das phasenweise schon von selbst. Er ist auf einem sehr guten Weg, er muss aber auf jeden Fall weiterarbeiten, die eine oder andere Schwäche gibt es noch, die wir korrigieren müssen und das werden wir auch machen“, sagt etwa sein Trainer Michael Angerschmid LAOLA1.

„Nach der Ära Gludovatz vergangene Saison hatten wir noch zehn Spiele. Wir waren im Niemandsland der Liga, die klare Entscheidung war, Österreicher spielen zu lassen. Robert hat sich in diesen Partien auf dieser Position perfekt behauptet. Grundvoraussetzung war, dass er sich körperlich herrichtet. Das hat er gemacht. Früher war er zudem verspielt, nun blickt er auch zu Goalie Gebauer zurück“, so „Co“ Gerhard Schweitzer.

Und was sagt der Protagonist selbst? „Für mich war immer das Wichtigste, dass ich spiele. So kannst du dich am besten entwickeln. Da kommt dann das Körperliche, die Laufleistung, da kommt alles dazu. Du kannst nur besser werden, wenn du spielst“, lautet das simple Rezept für den Angreifer.

Spielpraxis als entscheidendes Kriterium

Zulj gibt aber zu, dass es brauchte, den Profiweg richtig zu gehen: „Ich bin von einer Akademie gekommen, da brauchst du einfach Zeit, bist du auffasst, dass du ein Profi bist. Welche Einstellung du brauchst. Das ist auch mit den Einsätzen gekommen. Wenn du spielst, weißt du, dass du dich entsprechend vorbereiten musst, was du im Training zu tun hast. Das kommt dann von alleine.“

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