Das blinde Vertrauen Thomallas

Aufmacherbild
 

"Ich habe Herrn Glasner blind vertraut"

Aufmacherbild
 

Man sieht sich immer zwei Mal im Leben.

Ralf Rangnick holte Denis Thomalla im Februar 2010 vom Karlsruher SC zur TSG Hoffenheim. Ein knappes Jahr später wechselte der Trainer zum FC Schalke 04 und die Wege trennten sich vorerst.

Rangnick vergaß allerdings nicht auf seinen Schützling und holte ihn zweieinhalb Jahre später auch zu RB Leipzig, wo der 56-Jährige wie (noch) in Salzburg das Zepter als Sportdirektor schwingt.

Thomalla Gegner seines Sportdirektors

Am Samstag sind beide Protagonisten jedoch Gegner, ist Thomalla doch seit Ende August an die SV Ried verliehen, die zum Auftakt der zwölften Runde beim Meister aus der Mozartstadt gastiert.

„Natürlich wird es schwierig, aber im Fußball hat man immer eine Chance. Wenn wir einen guten und sie einen weniger guten haben, können wir auch punkten“, ist Thomalla bei LAOLA1 optimistisch.

Der 22-Jährige ist mittlerweile eineinhalb Monate im Innviertel und traf gleich bei seinem Debüt gegen die Wiener Austria (1:3). Das wichtigere Tor war jedoch jenes im Duell der Nachzügler gegen Wiener Neustadt. Durch den 1:0-Sieg verließen die Oberösterreicher den letzten Platz.

„Grundsätzlich kann ich mich über meinen Start hier nicht beschweren, aber ich hätte schon einige Tore mehr erzielen können. Gegen Sturm habe ich an die Stange geschossen und auch im Cup (0:1, WAC, Anm.) Chancen ausgelassen. Aber das kommt schon“, macht sich der Deutsche keinen Stress.

Österreich statt zweiter deutscher Liga

Diesen hatte der Stürmer Ende August, kurz vor Transferschluss, als die Rieder bei Leipzig wegen Thomalla anfragten. Bereits im Frühjahr hatte Manager Stefan Reiter und seine Crew den Angreifer am Radar, doch erst nach Saisonbeginn klappte es mit dem Transfer nach Österreich.

„Ich wusste davon nichts, dass sie mich beobachtet haben. Dann ging alles sehr schnell“, blickt der Neuzugang aus der zweiten deutschen Bundesliga zurück. „Wie ich es erfahren habe, bin ich zum Trainer gegangen und habe es angesprochen. Er wollte mir keine Steine in den Weg legen.“

Alexander Zorniger brachte Thomalla als Joker, der beim 3:0-Sieg bei 1860 München in Runde zwei auch traf. „Es wurden neue Spieler geholt und ich habe mich dann entschieden, den anderen Weg zu gehen. Spielpraxis ist jetzt einfach sehr wichtig für mich“, begründet Thomalla seinen Schritt.

Boyd empfahl Österreich

Die zweite deutsche Liga sei auch keine (noch) zu große Aufgabe gewesen. „Ich hätte auch in dieser Liga bleiben können, es gab Interesse anderer Vereine, aber ich wollte einmal etwas Neues machen.“

Im Sommer hatte sich die neue, ob des Aufstiegs härtere Konkurrenzsituation abgezeichnet, so kam etwa Terrence Boyd von Rapid nach Leipzig. Der US-Boy empfahl Thomalla seine „alte“ Liga.

„Ich habe mit Terrence gesprochen, wie die österreichische Liga ist. Er meinte, das sei eine gute Adresse, um Spielpraxis zu sammeln“, ließ sich Thomalla vom Stürmer-Kollegen beraten.

Ebenso vom Ex-Rieder Sandro Wieser und Nun-Rieder Denis Streker, beide ehemalige Teamkollegen Thomallas bei Hoffenheim. Entscheidend waren aber Gespräche mit seinem neuen Trainer.

„Ich habe Herrn Glasner blind vertraut“

„Herr Glasner hat mich in unseren Gesprächen sehr überzeugt. Er ist sehr menschlich und das war sehr wichtig für mich. Ich habe in den Telefonaten einfach rausgehört, dass er ein sehr guter Trainer und Mensch ist“, wusste Thomalla schnell, dass Ried für ihn die richtige Adresse ist.

Da spielte es auch überhaupt keine Rolle, dass der Tabellenneunte von der Spielphilosophie her idealerweise jener von Red Bull ähnelt.

„Darüber habe ich mich gar nicht erkundigt. Es ging ja alles so schnell. Ich habe Herrn Glasner blind vertraut und es einfach so gemacht.“

So soll es auch weitergehen.

Denn Thomalla will einfach nur spielen. „Ich habe mir jetzt kein großes Ziel gesetzt. Ich will einfach auf dem Platz stehen. Und wenn das der Fall ist, kommen die guten Leistungen und dann die Tore.“

In den ersten Spielen zeigte Thomalla bereits, dass er jener Stürmer sein kann, den Ried so dringend benötigte.

 

Bernhard Kastler

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen