"Wenig Lobby als junger Trainer"

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"Wir ergänzen uns gut"

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Die derzeitigen Arbeitsbedingungen könnten für die beiden jüngsten Trainer der Bundesliga kaum unterschiedlicher sein.

Während Markus Schopp bei Sturm Graz einen Amtsantritt mit drei Niederlagen in drei Spielen zu verkraften hat und das Saisonziel - einen Europacup-Platz - zu verfehlen droht, kann sein Rieder Kollege Michael Angerschmid dem Duell mit den Steirern am Sonntag (16.00 Uhr/live Sky) relativ gelassen entgegenblicken.

Für die Innviertler wäre nämlich das Verpassen der Europa League deutlich leichter zu verkraften als für Sturm.

"Man kann nicht davon ausgehen"

"Natürlich ist der vierte Platz unser Ziel, aber man kann nicht davon ausgehen, dass ein Verein mit einem der kleinsten Budgets der Bundesliga regelmäßig international spielt", sagte Angerschmid.

Ried liegt punktegleich vor den Steirern auf Rang fünf und - vor den Samstag-Partien - einen Zähler hinter dem WAC.

Der 39-Jährige gibt zu, dass er sich in einer komfortableren Position als Schopp befindet.

"Bei uns hat man sicher mehr Ruhe als bei einem Verein wie Sturm. Der Druck von Medien und Fans ist dort auf jeden Fall größer."

Wenig Lobby als junger Trainer

Doch auch in Ried wird es bei einer Negativserie ungemütlich. "Wenn wir dreimal hintereinander verlieren, kommen bei uns genauso die Kritiker hervor, die alles besser wissen", betonte Angerschmid.

Eine derartige Situation erlebte der Oberösterreicher im März, als Ried drei Niederlagen in Folge kassierte und sechs Runden sieglos blieb.

"Als junger Trainer hat man wenig Lobby. Da tauchen schnell Fragen auf, ob man seinem Job überhaupt gewachsen ist."

Mit der Entwicklung zufrieden

Der seit 9. Dezember des Vorjahres als Chefcoach fungierende Angerschmid fand die richtige Antwort und führte die Innviertler danach auf Rang vier der Frühjahrstabelle.

"Die Entwicklung der Mannschaft ist okay. Und dass es mit so vielen jungen Spielern immer wieder Rückschläge geben kann, ist eine normale Geschichte", lautet die Zwischenbilanz des Ried-Urgesteins.

Angerschmid kam bereits als Achtjähriger zu den Innviertlern, bei denen er bis zu seinem Karriereende 2006 ohne Unterbrechung engagiert war.

3-3-3-1 als Erfolgsgeheimnis

Unmittelbar danach wurde der ehemalige Defensivspezialist ins Betreuerteam eingebunden - zunächst im Nachwuchs, 2008 kurz als Interimscoach der Kampfmannschaft und wenig später als einer der Assistenten von Paul Gludovatz.

In dieser Phase entwickelten die Rieder ihr gefürchtetes 3-3-3-1-System, das viele Gegner bis heute zur Verzweiflung bringt.

"Damit sind wir jahrelang gut gefahren, und auch jetzt wissen viele noch immer nicht genau, was sie dagegen machen sollen", meinte Angerschmid.

Mittlerweile agieren die Rieder des öfteren auch mit Viererkette, doch es war das 3-3-3-1, das ihnen die großen Erfolge der jüngeren Vergangenheit ermöglichte.

"Wir haben uns dadurch genau diesen Vorteil verschafft, den man braucht, wenn man finanziell nicht die Möglichkeiten der Konkurrenten hat", sagte Angerschmid.

Durchgängig im Nachwuchs

Das System wird bei Ried auch im Nachwuchs praktiziert, damit die Junioren schneller bei den Profis Fuß fassen können.

Und wenn neue Spieler zum Klub geholt werden, können sie sich laut Angerschmid auf ausgedehnte Taktikschulungen gefasst machen.

"Dieses System wird intensiv geübt, dadurch kommen dann die Automatismen."

Ein "Mastermind" bei der Kreation der Rieder Grundformation war Angerschmids Assistent Gerhard Schweitzer, der als einflussreichster Co-Trainer der Bundesliga gilt.

"Wir ergänzen uns gut"

Der Chefcoach hat mit der starken Position von Schweitzer aber kein Problem, ganz im Gegenteil: "Alles, was er macht, hat Hand und Fuß, und wir ergänzen uns gut. Es ist mir lieber, wenn er im Training das eine oder andere mehr macht und ich von außen zuschauen kann. Da sieht man oft mehr."

Trotz der starken Einbindung von Schweitzer sind die Kompetenzen klar verteilt. "Wir schauen bei der Aufstellung, dass wir eine gemeinsame Meinung finden. Wenn es Auffassungsunterschiede gibt, treffe ich die Letztentscheidung", erklärte Angerschmid.

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