Reiter: "Ich bin menschlich sehr enttäuscht"

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Da staunte Fußball-(Ober-)Österreich nicht schlecht.

Ried-Trainer Oliver Glasner wechselt zur neuen Saison zum Lokalrivalen LASK in die Erste Liga und unterschreibt als Coach und Sportdirektor in Personalunion bis 2019. Ein echter Hammer!

Wikinger-Manager Stefan Reiter kennt die bittere Wahrheit schon seit über einer Woche, zeigt sich im Gespräch mit LAOLA1 am Pfingstmontag gezeichnet: "Ich bin menschlich sehr enttäuscht."

Noch einmal zum Mitschreiben: Glasner, das Rieder Urgestein schlechthin, das 482 Partien für die Oberösterreicher auflief und damit Rekordspieler ist. Der Ehrenkapitän bekam zur vergangenen Saison von Reiter die Chance, nun auch als Trainer eine Legende im Innviertel zu werden.

"Ich war schockiert"

"Ich bin nicht naiv, aber ich dachte wirklich, das könnte etwas für viele Jahre werden. Ich hatte es mir gewünscht", so der Manager, der Glasner im Herbst, als Ried Schlusslicht war, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken die Stange hielt. Nun folgte das, mit dem er nicht rechnen konnte.

"Ich war nicht nur nicht überrascht, ich war geschockt. Über die gesamte Konstellation. Ich hätte mit allem gerechnet und ich habe wirklich schon viel erlebt, aber mit dieser speziellen Konstellation muss ich erst einmal umgehen lernen", so Reiter, der Glasner seine Gefühle klar schilderte.

"Ich habe ihm klar gesagt, dass ich menschlich sehr enttäuscht bin. Ich bin ein sachorientierter Mensch, aber in diesem speziellen Fall kommt die Emotionalität durch."

Alles versucht, ihn umzustimmen

Der Manager versuchte in vielen intensiven Gesprächen vergangene Woche, Glasner zum Verbleib zu überreden. Er hatte auch die Einverständnis des Präsidiums, den 2016 auslaufenden Vertrag vorzeitig zu verlängern. Glasner lehnte ab, wollte zum LASK und Ried stellte sich nicht quer.

Die Enttäuschung und Verwunderung wird aber bleiben. "Wenn du von Ried zu Rapid oder Austria gehst, dann ist das eine einfache Sache und macht uns stolz. Aber das ist nun schon weit hergeholt, das als Ergreifen einer Chance zu nennen. Ob der Summe dieses Falls fehlen mir die Worte."

Bundesliga mit seinem Lebensverein gegen Erste Liga mit dem Lokalrivalen zu tauschen, das ist wirklich etwas, was in der Fußball-Welt Seltenheitswert hat. Glasner war für eine Stellungnahme am Montag nicht erreichbar und will überhaupt auch erst zum Trainingsstart am 15. Juni sprechen.

Glasner und LASK schweigen

LASK-Sportvorstand Manfred Schill hält es ähnlich, lässt bei LAOLA1 dabei wissen: "Aus Rücksichtnahme und Respekt vor der SV Ried und Oliver Glasner, die in einem Dienstverhältnis stehen, wollen wir uns erst am 15. Juni dazu ausführlich äußern. Wir wollen nicht für zusätzliche Wellen sorgen." Nachfrage: Wie verlief die Ablöse? Schill: "Ganz normal, in kurzer Zeit."

Aber alle, vor allem in Ried, fragen sich: Was war der entscheidende Faktor? Auch Sportdirektor zu sein? Reiter: "Ganz so wird das auch nicht sein. Beim LASK läuft das ja auch etwas anders ab."

Schließlich haben dort mehrere Leute das Sagen. Mit Jürgen Werner arbeitet der sportliche Architekt im Hintergrund. Ein Sportdirektor im klassischen Sinne wird Glasner also auch nicht sein.

Mögliche Beweggründe für den Wechsel

Auf die Frage, was ihn dazu bewogen haben könnte, erinnert sich Reiter an ein Detail, das hängen blieb: "Als Heinz Hochhauser zurück nach Ried kam und in Liga zwei Meister geworden ist, habe ihm das so eine Art Untersterblichkeit gebracht. Ich mutmaße, aber das blieb bei stundenlangen Gesprächen im Ohr."

Der Reiz, den beliebtesten Klub im Bundesland zurück ins Oberhaus zu führen, scheint überwogen zu haben. Glasner spielte beim LASK 2003/04 nach einer Verletzung kaum Spiele in Liga zwei.

Glasner wird sich nun auf einiges einstellen müssen.

In Foren wird der 40-Jährige schon als "ehemalige Vereins-Legende" bezeichnet, als "Verräter". Reiter: "Ich habe ihm gesagt: Du wirst nicht glauben, was auf dich einprasselt."

Gegen Sturm nicht mehr auf der Bank

Die Vereinsführung ist daher zur Überzeugung gekommen, dass es sowohl für die SV Ried als auch für Glasner selbst die beste Lösung ist, ihn mit sofortiger Wirkung zu beurlauben.

Die Klublegende wird somit in der letzten Bundesliga-Runde gegen Sturm Graz am kommenden Sonntag (16:30 Uhr) nicht mehr auf der Trainerbank sitzen.

Das Training werden vorerst die beiden Assistenz-Trainer Ewald Brenner und Thomas Sageder übernehmen.

Wieder auf der Suche nach einem Trainer

Reiter begibt sich nun ab Dienstag wieder "intensiv auf Trainersuche". Denn bislang war der Kopf dadurch belastet, nach diesem medienaktiven Tag ist der Fokus klar gerichtet.

"Wir werden das ab Dienstag wie gewohnt professionell angehen, befinden uns ja auch unter Zeitdruck", so Reiter, der natürlich keine Namen der Kandidaten nennen will. Denn das eine oder andere Gespräch gab es natürlich schon, aber eben noch nicht mit der Intensität.

Einige Kandidaten liegen auf der Hand: Heimo Pfeifenberger, Martin Scherb, Peter Schöttel, Walter Kogler oder auch Gerald Baumgartner. Die waren allesamt Kandidaten beim LASK.

Bis der Hammer kam.

 

Bernhard Kastler

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