Der Junge, der Real Madrid absagte

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Es wird schön langsam.

Valentino Lazaro hat beim 4:1-Sieg von Red Bull Salzburg bei der Admira sein drittes Bundesliga-Spiel in Folge von Beginn weg gemacht. Dieses Mal verbuchte der Offensivmann auch einen Scorerpunkt.

„Es ist immer ausbaufähig. Ich will einfach weitermachen, mich im Training weiter empfehlen und im Spiel etwas zurückgeben. Gegen die Admira hatte ich einen Assist, ich hoffe, diese Statistiken weiter zu verbessern und dem Team zu helfen. Es macht Spaß hier“, erklärt der 18-Jährige bei LAOLA1.

Lazaro ist einer dieser jungen Wilden bei den „Bullen“. Aber gefühlt schon etwas mehr, hat der Steirer doch bereits als 16-Jähriger anno 2012 sein Debüt im österreichischen Oberhaus gegeben.

Gebremst durch Verletzungen

Schon länger gilt der Offensivspieler als eines der größten heimischen Talente, das allerdings immer wieder zurückgeworfen wurde. Vor allem durch zwei Mittelfußbrüche in der Saison 2012/13.

Im Herbst durfte sich Lazaro als Rechtsverteidiger versuchen, ehe im Oktober eine Muskelverletzung seine Herbstsaison beendete. Seinen Grundwehrdienst leistete der ÖFB-Teamspieler im Jänner ab.

„Ich habe nach den ersten Spielen mit dem Trainer gesprochen, das hat auch gut getan. Er weiß, dass ich physisch noch nicht ganz da bin. Aber meine Werte sind schon besser“, sagt Lazaro.

Trainer Adi Hütter stresst diesbezüglich nicht. „Er ist ja auch erst 18 Jahre alt. Man muss mit dem Burschen Geduld haben. Ich finde über die Spiele in Ried, gegen Grödig bis zur Admira hat er sich gesteigert. Er kann es noch besser, das wissen wir“, so der 45-Jährige, der mitverantwortlich zeichnet, dass Lazaro noch hier ist.

Absage an Real Madrid und Zidane

Der in Graz geborene Sohn einer Griechin und eines Angolaners hat im Dezember bis 2019 bei Red Bull Salzburg verlängert. „Das Vertrauen vom Trainer ist für mich das Wichtigste, das war ein Mitgrund, warum ich hier geblieben bin“, so der Jungspund, der großen Versuchungen widerstand.

„Es gab Interesse aus Deutschland, in Spanien hat sich ein Top-Klub bemüht“, schildert Lazaro. Auf die Frage, um welchen Top-Klub es sich denn handle, grinst er nur: „Den spreche ich nicht aus, die Top-Klubs in Spanien kennt man ohnehin. Einer davon war es.“

LAOLA1-Recherchen ergaben: Es war Real Madrid. Berater Max Hagmayr bestätigt: „Das stimmt.“

Wenn Real anklopft, ist es aber freilich immer schwer nein zu sagen. Die ersten Gespräche in Madrid, geführt von Berater Hagmayr, liefen gut. Als nächster Gesprächspartner wäre ein gewisser Zinedine Zidane, Trainer von Real Madrid Castilla, dran gewesen. Doch die Würfel fielen auf Salzburg.

„Sie haben sich einfach sehr um Valentino bemüht. Das Vertrauen war das Entscheidende“, sagt auch Hagmayr, der wie sein Schützling einen Schritt dorthin für noch zu früh erachtete.

Das Gefühl wäre ob der aktuellen Situation bei einem nicht genannten deutschen Bundesliga-Klub, mit dem man sich in München traf (nicht Bayern), ein besseres gewesen.

„Es geht um mein Leben, meine Karriere“

Real, wo ÖFB-Legionär Philipp Lienhart (18) diese Woche erstmals bei den Profis trainierte, muss man erst einmal einen Korb geben. „Die Versuchung war riesengroß. Als ich das gehört habe, dachte ich mir, ein Kindheitstraum könnte wahr werden“, macht Lazaro keinen Hehl daraus.

Am Ende siegte aber die Vernunft. „Ich bin nach meiner Verletzung und meiner Zeit beim Bundesheer noch nicht auf meinem Level. Was hätte ich getan, wenn ich ins Ausland gegangen wäre und die das dort nicht als Ausrede gelten lassen und ich ein Jahr nicht spiele? Das hätte mich zurückgeworfen. Hier kennt man mich, weiß, was ich kann. Hier bekomme ich die Zeit, mich zu entfalten und ich hoffe, dass ich in einem halben Jahr bis Jahr gesetzter Stammspieler bin und meine Leistungen abrufen kann.“

Es gab viele Gespräche mit Berater, Familie, Freunden. „Dann setzt du dich aber selbst hin, überlegst und entscheidest. Da ist mir dann auch egal, wer was sagt. Denn es geht um mein Leben, meine Karriere, mein Image“, so Lazaro, der auch gegen Altach am Samstag wieder starten will.

„Ich weiß, dass ich noch lange nicht alles richtig mache. Das ist ein Lernprozess und den will ich auch durchmachen. Ich freue mich über jede Minute, die tut einfach gut. Es macht mir Spaß in Salzburg.“

 

Bernhard Kastler

Und nicht nur die „Königlichen“ waren am möglichen U20-WM-Teilnehmer in diesem Jahr dran. „Deutsche Bundesliga-Klubs ebenso, wie auch Tottenham und Roma“, verrät Hagmayr.

Mit Salzburg wurde lange über eine Vertragsverlängerung gesprochen, die Gespräche zogen sich schließlich über ein Dreivierteljahr. Am Ende des Tages waren es erfolgreiche für die „Bullen“.

„Ich habe keine Angst vor dem Ausland“

„Ich dachte mir, es wäre gut, noch in meinem Umfeld zu bleiben, mich zu etablieren und wirklich Leistung zu bringen. Ich war oft in der Startelf dabei, wurde aber immer wieder nach zehn Spielen durch irgendetwas zurückgeworfen. Ich will jetzt einmal eine Saison durchspielen, mich auf höchster Ebene beweisen, auch international, und dann kann man überlegen, ob man den nächsten Schritt macht“, begründet Lazaro ausführlich seine Entscheidung, in Österreich zu bleiben.

Kritikern entgegnet der auffällige Kicker („Die Trainer kennen mein Potenzial, es liegt an mir, es auszuschöpfen“) sofort.

„Ich habe einmal gelesen, ich hätte Angst vor dem Ausland. So war es wirklich nicht. Ich war oft in Versuchung und hätte mich gefreut, es zu meistern. Aber für meine sportliche Entwicklung ist es hier am besten, ich bin eben noch jung. Man hat auch bei Kevin (Kampl, Anm.) gesehen, dass man auch später zu einem Top-Klub wechseln kann. Ich hoffe auch, dass ich noch bei so einem landen werde.“

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