Red Bull: Der Druck auf die Reset-Taste

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Wie ernst Red Bull der aktuelle Neustart ist, zeigte sich am Montag bei der offiziellen Präsentation der sportlichen Führungsriege.

Erstmals seit der Übernahme des Dosen-Konzerns war ein Vorstandsmitglied zugegen.

Volker Viechtbauer, ein enger Vertrauter Mateschitz' und Leiter der RB-Rechtsabteilung, saß am Podium des Pressekonferenz-Raumes und erläuterte deutlich, was sich der Konzern, also Dietrich Mateschitz, von seinem neuen starken Trio erwartet.

Kritik an den Vorgängern

Gerard Houllier als "Global Sports Director Red Bull Soccer", Ralf Rangnick als Sportdirektor von RB Salzburg und Leipzig und Roger Schmidt als Salzburg-Coach sollen das Fußball-Imperium endlich dorthin führen, wo es schon seit sieben Jahren hin will.

"Wir haben vier Akademien auf vier Kontinenten. Wir werden in Salzburg viel in eine Akademie investieren. Man muss der Jugend endlich eine Chance geben."

Und weil das in der Vergangenheit nie wirklich passiert ist, sagte Viechtbauer, konnte auch nie Kontinuität einkehren.

"In der Vergangenheit ist unser Konzept nicht so umgesetzt worden, wie wir uns das vorgestellt haben. Das waren immer wieder Kritikpunkte. Unsere Trainer hätten Junge einsetzen sollen, aber auf dem Platz hat man sie nicht gefunden", so der Jurist.

Hoffenheim als Vorbild

In Hoffenheim hat der 53-Jährige gezeigt, dass die aktuellen Ankündigungen keine leeren Worthülsen sind.

"Wir hatten damals ein Durchschnittsalter von 22 Jahren, ältester Spieler war Andi Ibertsberger mit 25. Salzburg und Leipzig haben jetzt ein Durchschnittsalter von rund 28 Jahren. Da geht es darum, dass wir verjüngen und zusätzliche Qualität herbeiführen."

Aber nicht nur am Spielersektor wird sich in den kommenden Wochen einiges tun.

Coerver-Methode ist Geschichte

Auch die grundlegende Ausrichtung wird sich verändern.

Das von Nachwuchschef Percy van Lierop bevorzugte und von Ex-Trainer Ricardo Moniz praktizierte Wil-Coerver-Coaching, bei dem es hauptsächlich um Ballbeherrschung und Technik geht, wird wohl der Vergangenheit angehören.

Neo-Salzburg-Trainer Roger Schmidt kennt es gar nicht, Rangnick zwar schon, hält es aber für nicht mehr zeitgemäß.

"Es geht nicht darum, irgendwelchen Dingen nachzueifern, die vor über 20 Jahren herausgekommen sind. Der Fußball hat sich, ausgelöst durch Barcelona und anderen Mannschaften, in den vergangenen fünf Jahren dramatisch verändert", meint Rangnick.

"Er hat uns quasi unser Konzept vorgestellt"

Unter Ralf Rangnick und Gerard Houllier soll das künftig anders werden.

"Wir waren sehr beeindruckt als wir (Mateschitz und Viechtbauer, Anm.) Ralf getroffen haben. Er hat uns quasi unser Konzept vorgestellt - es wurde nur nie umgesetzt."

Viechtbauer ist aber überzeugt, dass Red Bull nach sechs Trainern und fünf sportlichen Leitern nun auf die richtigen Pferde setzt.

"Kontinuität ist wichtig, aber man kann sie nur umsetzen, wenn man die richtigen Leute hat. Die hatten wir noch nicht - im Gegensatz zur Formel 1."

Große Veränderungen

In den nächsten Wochen und Monaten wird jedenfalls kein Stein auf dem anderen bleiben.

Houllier und Rangnick werden von Ghana über Brasilien bis hin zu Salzburg und Leipzig einiges ändern - angefangen vom Personal bis hin zur Spielphilosophie.

"Die Rahmenbedingungen sind überragend, jetzt geht es um die Durchlässigkeit. Es geht darum, dass die Besten oben eine Chance haben", stellt Rangnick klar, dass die Jugend bei Red Bull künftig groß geschrieben wird.

Eigene Ideen statt Videos

Man sehe an Holland, dass diese Methode ausgedient hat.

"Auf internationalem Top-Niveau gibt es diesen Fußball heute nicht mehr. Er ist zu statisch."

Darum werden Schmidt und er der Mannschaft bestimmt keine Videos von Wil Coerver vorspielen, "sondern unsere eigenen Ideen umsetzen."

Nächstes "Projekt": Leipzig

Seine eigenen Ideen wird Rangnick mit Sicherheit auch in Leipzig umsetzen, darum steht die Zukunft von Trainer Peter Pacult im Osten Deutschlands auf sehr wackeligen Beinen.

Anfang Juli ist offizieller Trainingsstart, bis dahin könnte der Wiener aber schon Geschichte sein.

Rangnick hält sich allerdings noch bedeckt: "Ich werde mich erst nach dem Salzburger Trainingslager mit Leipzig beschäftigen und Personalentscheidungen treffen. Ich brauche erst eine Priorisierung."

Mit Pacult habe er jedenfalls noch nicht gesprochen.

Aber es ist wohl davon auszugehen, dass Red Bull so wie in Salzburg auch in Leipzig "Tabula rasa" macht.

Wie ernst es dem Getränke-Hersteller mit dem Neustart ist, hat der Montag gezeigt.

Kurt Vierthaler

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