"Das Vertrauen ist schon da"

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Es war eine Rückkehr und doch ein Neuanfang.

Seit drei Wochen ist Adi Hütter nun als Trainer des FC Red Bull Salzburg in Amt und Würden.

Es ist eine Heimkehr in jene Stadt, in der der 44-Jährige seine größten Erfolge als Spieler feierte.

Hier wurde der Vorarlberger drei Mal mit der Austria Meister und schoss sie mit seinem legendären Weitschuss-Tor in der Nachspielzeit des UEFA-Cup-Achtelfinals gegen Sporting Lissabon in die erfolgreiche Verlängerung, die ihn in der Folge bis ins Endspiel gegen Inter Mailand führte.

„Das kann man nicht vergleichen“

Seine Karriere beendete Hütter nach zwei Saisonen bei den RB Juniors 2007. Dort begann der Altacher auch als Co-Trainer und später als Cheftrainer, ehe sich die Wege vorerst trennten.

Jetzt ist er wieder da – und das auf der ganz großen Bühne.

„Es ist schon ein neues Kapitel, auch wenn ich an eine alte Wirkungsstätte zurückkehre. Aber das kann man nicht vergleichen. Nun die erste Mannschaft zu trainieren, das ist schon etwas ganz Besonderes und eine tolle Herausforderung“, zeigt sich Hütter im LAOLA1-Gespräch demütig.

Auf der anderen Seite weiß der Nachfolger des zu Bayer Leverkusen abgewanderten Roger Schmidts aber auch: „Das habe ich mir in den vergangenen Jahre erarbeitet.“

Vor allem mit seiner Tätigkeit als Trainer in Grödig. Diesen Posten übernahm er im Frühjahr 2012, stieg 2013 als Erste-Liga-Meister auf und führte den Klub 2014 noch sensationeller in den Europacup.

Das tolle Gespräch mit Didi Mateschitz

Im Prinzip war Hütter dann schon Ried-Trainer. Nur Salzburg hätte das verhindern können, und tat es auch. Sportchef Ralf Rangnick kam auf Hütter zu, ein Treffen mit Didi Mateschitz vollendete den Deal.

Dabei wurde übrigens nicht gespeist. „Es war kein Mittagessen. Wir haben einen Termin gehabt und es war in 45 Minuten ein tolles Gespräch“, erzählt Hütter. „Wenn man die Chance bekommt, Red Bull Salzburg zu trainieren, sollte man nicht lange warten.“

Das Warten hat ein Ende, die Arbeit schon vor Wochen begonnen. Hütter verbringt die meiste Zeit im Trainingszentrum Taxham.

Sein Dienst kann dabei auf dem Platz wie in seinem Büro bis zu zwölf Stunden dauern. Die ersten Wochen standen ganz im Zeichen des Einarbeitens.

„Entscheidend ist, dass wir eine gute Mannschaft zur Verfügung haben, um unsere Ziele zu erreichen. Die Mannschaft ist in der Lage dazu, das hat sie vergangene Saison schon bewiesen. Wir versuchen, nun das Level zu halten, ich möchte aber schon ein paar neue Elemente einbauen“, gibt der Coach, der sich zuletzt mit der Physis einiger Spieler nach dem Urlaub unzufrieden zeigte, in seine Vorbereitung etwas Einblick.

Hütter verspürt keinen Druck

Ihm ist wie allen anderen klar: Dieses Mal muss es einfach mit der CL-Gruppenphase klappen, Druck verspürt der neue Chef am Platz aber deswegen keinen: „Die Ziele sind sehr hoch und das passt auch zu mir. Es wurde auch richtig dorthin gearbeitet, es ist absolut realistisch, dass wir die Chance dieses Jahr beim Schopf packen."

Zumal die Stars gehalten werden konnten, vor allem Kevin Kampl nach einer wochenlange Posse seinen Vertrag sogar um ein Jahr verlängerte. „Seit er da ist, ist er mit viel Elan dabei“, freut sich Hütter, ihn weiterhin hier begrüßen zu dürfen.

Weiters wurde der Kader in der Tiefe verstärkt – vor allem mit Massimo Bruno, der vergangene Saison schon Champions League spielte, und Marcel Sabitzer, dem besten Rapidler des Frühjahrs.

Hütter muss nun im Gegensatz zur vergangenen Spielzeit in Grödig nicht mehr den Platzwart auf die Bank setzen respektive ihn in einer Schlussphase einwechseln.

Diese Zeiten sind für ihn vorbei, diese Saison wird es sogar in eine ganz andere Richtung gehen – denn er kann sogar rotieren.

„Wir haben wieder einen sehr starken Kader zur Verfügung und sind mit allen Neuzugängen sehr zufrieden. Das zwingt mich auch zu einer gewissen Rotation, ohne das jedes Wochenende tun zu müssen. Wenn ich aber das Gefühl habe, dass einem die letzte Spritzigkeit fehlt, dann ist das nur sinnvoll, zu rotieren. Wir haben Meisterschaft, Cup, spielen international und bei uns sind etliche Nationalspieler. Ich weiß, wie es als Spieler ist. Da kommen viele Spiele auf einem Top-Level zusammen“, kann sich Hütter nur allzu gut in die Haut seiner Kickern versetzen.

„Und das ist auch die Kunst eines Trainers, den einen oder anderen einmal herauszunehmen, und ihn für die nächste Woche regenerieren zu lassen. Das ist meine Aufgabe, den Spielern auch verständlich zu machen, wenn sie einmal auf der Bank sitzen oder sie gar nicht dabei sind. Wir brauchen stets topfrische Spieler, um diesen attraktiven Fußball spielen zu können.“

 

Bernhard Kastler

„Vater bin ich meiner Tochter“

Hütter stieg in große Fußstapfen. Schmidt sorgte mit dem Double und dem Erreichen des Europa-League-Achtelfinals für die erfolgreichste Saison eines Trainers in der neunjährigen Red-Bull-Ära.

Nebenbei avancierte der Deutsche zum Liebling der Fans – und vor allem der Spieler. Immer wieder war zu vernehmen, der Trainer sei „wie ein Vater“ für die Spieler. Diese Kunde trug sich sogar bis nach Leverkusen, als Schmidt bei seiner ersten Pressekonferenz darauf angesprochen wurde.

Hütter lächelt: „Vater bin ich meiner eigenen Tochter.“ Freilich geht es ihm aber auch um nichts anderes als Schmidt: „Ich lege viel Wert auf die soziale Kompetenz und die Spieler müssen wissen, dass da einer immer für sie da ist.“

Das war schon in Grödig der Fall. „Auch damals konnten sie immer zu mir kommen, um über alles zu reden.“ Seit Saisonstart führt Hütter viele Einzelgespräche, um die Spieler bestens kennenzulernen.

„Es geht heute nicht nur um die Dinge am Platz, da gehört schon viel mehr dazu. Ich konnte bisweilen schon eine Beziehung zu meinen neuen Spielern aufbauen, das Vertrauen ist schon da und es macht richtig Spaß mit den Burschen zu arbeiten. Die Mannschaft ist charakterlich top, Roger hat eine absolut intakte Einheit hinterlassen, mit der man auch sehr gut weiterarbeiten kann.“

Der Fokus richtet sich auf  die CL

Die Vorbereitung hat viele Gesichtspunkte wie Weiterentwicklung der Spielphilosophie oder eben des Aufbauens einer Beziehung zu den Spielern, doch in Wahrheit geht es nur um eines.

Es geht um die Vorbereitung auf vier Spiele, die im Juli und August auf Salzburg warten. Die dritte Runde und das Playoff der Champions-League-Qualifikation sollen im siebenten Anlauf endlich gemeistert werden.

„Wir haben eine hungrige Mannschaft, das ist Fakt. Man muss sie nicht noch extra motivieren, das ist sie. Sie haben das Double geholt und waren in der Europa League, haben aber noch mehr von sich erwartet. Jetzt kommt der nächste große Schritt: Die Chance auf die Gruppenphase der Champions League ist da, das wollen alle und ist eine auch eine realistische Zielsetzung“, weiß Hütter.

Salzburg ist das topgesetzte Team in der dritten Runde der Qualifikation. Sollten sich zuvor in Runde zwei die Favoriten durchsetzen, wären NK Maribor oder Legia Warschau die vom Koeffizienten her stärksten Gegner an diesen Spieltagen (29./30.7. bzw. 5./6.8.).

Bei einem Erfolg wären die „Bullen“ auch das Top-Team im Playoff des Meister-Weges, wo etwa Sparta Prag oder Dinamo Zagreb warten könnten (19./20.8. bzw. 26./27.8.).

„Wir brauchen vier optimale Spiele, um dorthin zu gelangen, wo der Klub bislang noch nie war“, sagt Hütter, der vor 20 Jahren als Spieler erstmals mit Austria Salzburg die Königsklasse erreichte.

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