"Keine Stammplatz-Garantien!"

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Das sagt Adi Hütter: "Keine Stammplatz-Garantien!"

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Langweilig war es bei Red Bull Salzburg in der Winterpause bislang nicht.

Kevin Kampl verließ wie erwartet den Verein und wechselte für kolportierte zwölf Millionen Euro zu Borussia Dortmund.

Dem Wunsch von Alan hinsichtlich eines Transfers nach China wurde ebenfalls nachgekommen, der Brasilianer ging für elf Millionen und kassiert nun zwölf in vier Jahren in Guangzhou.

Sportchef Ralf Rangnick nahm so in weniger als sechs Monaten mit drei Spielern, inklusive Sadio Mane (für 15 Millionen Euro nach Southampton), rund 40 Millionen Euro für Salzburg ein.

Hütter bereitet sich mit verändertem Team vor

Ausgegeben wurde auch etwas.

Denn Alans Nachfolger Marco Djuricin, der sich ohne große Geheimniskrämerei direkt vor dem letzten Spiel 2014 gegen Rapid (1:2) den Verantwortlichen vorstellte, kam im Winter von Sturm Graz, für ihn sollen im Vergleich lapidare 2,5 Millionen hingelegt worden sein.

Weitaus billiger, weil ohnehin schon im Verein, kamen Duje Caleta-Car, Felipe Pires (FC Liefering) sowie David Atanga, der früher für RB Ghana spielte und mit der Vollendung seines 18. Lebensjahres nun auch verpflichtet werden konnte.

Zwei Asiaten wurden ebenfalls nach Salzburg geholt: Takumi Minamino (20/Cerezo Osaka) und Hee-Chan Hwang (19), der sich erst bei Liefering beweisen soll.

Trainer Adi Hütter bereitet sich also mit einem veränderten Team auf die Frühjahrs-Aufgaben vor. Die Ziele sind klar: Wieder das Double zu holen und in der Europa League zunächst gegen Villarreal zu bestehen.

LAOLA1 hat sich mit dem 44-Jährigen über die letzten Wochen sowie die nahe Zukunft unterhalten.

Am Donnerstag flog die Salzburger Mannschaft mit 25 Mann nach Katar ins Trainingslager, dort waren die „Bullen“ auch schon vergangene Saison zu Gast. Seit rund zwei Wochen steht der Meister wieder am Platz. Mehrmals betonte Hütter die Wichtigkeit dieser fünf Wochen Vorbereitung, schließlich kann der Vorarlberger in dieser Zeit am besten mit der Mannschaft arbeiten und ihr ein Gesicht für das Frühjahr geben.

Das sagt Adi Hütter: „Ich bin in erster Linie ziemlich froh, dass ich eine Mannschaft beisammen habe, die gesund und fit ist. Wir trainieren jeden Tag mit 19 bis 21 Spielern. Das ist für mich als Trainer wichtig, um im taktischen Bereich etwas machen zu können. Außerdem ist dadurch gesunder Konkurrenzkampf vorhanden. Wir haben mit Kevin Kampl und Alan zwei absolute Schlüsselspieler verloren und sie mit Marco Djuricin sowie Takumi Minamino nachbesetzt. Zudem, und das ist eine klare Philosophie von uns, haben wir mit Felipe Pires, Duje Caleta-Car und David Atanga drei hochtalentierte, junge Spieler hochgezogen, die mitunter gute Leistungen bei Liefering erbracht und Potenzial haben. Was dazu kommt: Mit Valon Berisha, der im Herbst mit einem Kreuzbandriss ausgefallen ist, ist eigentlich auch wieder ein neuer Spieler dabei. Rodnei macht jetzt jedes Training mit 100 Prozent mit. Wenn er das durchhält, wäre es toll, weil er ein sehr guter Verteidiger ist, der auch die Philosophie in- und auswendig kennt. Jetzt haben wir mit Ramalho, Hinteregger, Rodnei, Caleta-Car, dem jungen Sörensen, der noch etwas braucht, sowie Stefan Ilsanker, der die Position auch immer spielen kann, einige Innenverteidiger zur Verfügung. Wenn das so funktioniert, bin ich sehr zufrieden.“

Gugganig darf sich für Höheres empfehlen

Isaac Vorsah, dessen im Sommer auslaufender Vertrag wie jener von Rodnei nicht verlängert wird, wird das Trainingslager nicht mitmachen, da er sich nach einer weiteren Knieoperation ob seines im Mai 2013 erlittenen Kreuzbandrisses auf Rehabilitation in Deutschland befindet. Dafür bekommt Liefering-Kapitän Lukas Gugganig die Chance, sich in der "Aspire Academy of Sports", wo auch die Bayern oder der LASK dieses Jahr schon zu Gast waren, für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Das sagt Adi Hütter: „Ich möchte ihn mir einmal genauer ansehen. Ich habe ihn schon als Grödig-Trainer öfters beobachtet, auch die Spiele von Liefering natürlich verfolgt. Jetzt möchte ich mir ein genaues Bild von ihm machen, und ihn auch im Trainingslager in der Kampfmannschaft sehen.“

 

Klar ist, dass im Sommer mit Andre Ramalho, der ablösefrei zu seinem Ex-Trainer Roger Schmidt nach Leverkusen wechseln wird, Rodnei und Vorsah drei Innenverteidiger nicht mehr da sein werden. Ralf Rangnick sucht noch Innenverteidiger für seine beiden Vereine, ein Kandidat scheint Hoffenheims universell einsetzbarer Abwehrspieler Jeremy Toljan zu sein. Mit dem verletzungsgeplagten Asger Sörensen (Rangnick: „Er ist ein außergewöhnlicher Spieler“) sowie Duje Caleta-Car, der beim 5:1 gegen Astra Giurgiu eine erste Talentprobe abgab, und möglicherweise auch Gugganig stehen die nächsten, dem Innenverteidiger-Profil Salzburgs entsprechenden, Spieler bereit. Gut möglich, dass sich hinsichtlich deren Spielpraxis Ramalho vor allem in der Meisterschaft öfters auf der Bank finden wird.

Das sagt Adi Hütter: „Andre hat sich entschieden, den Verein zu wechseln. Aber wenn er seine Leistung bringt, dann hat er gute Chancen, zu spielen. Das weiß er auch. Caleta-Car und auch Rodnei sollen diejenigen sein, die richtig Druck aufbauen. Es ist mir einfach wichtig, dass wir uns untereinander gegenseitig fordern. Stammplatz-Garantien vergebe ich sowieso nicht.“

 

Mit Kampl und Alan hat Hütter zwei Schlüsselspieler und Salzburger Stars verloren. Während der Slowene mit dem Wechsel nach Dortmund eine nachvollziehbare Entscheidung traf, tat das Alan mit seinem Gang nach China auch. Schließlich sprechen zwölf Millionen Euro Gehalt für vier Jahre eine ziemlich eindeutige Sprache. Sportlich gesehen zeigt sich Fußball-Österreich freilich verwundert, zumal Alan auch seine realistische Chance vergab, für den ÖFB 2016 bei der EURO zu spielen.

Das sagt Adi Hütter: „Ich denke, dass es finanziell sicher sehr lukrativ war. Irgendwie wundert es mich schon, weil er etwa auch die Torschützenliste der Europa League anführt. Da kann man sich vielleicht auch denken, dass ihn ein Klub aus einer anderen europäischen Liga holt. Aber es ist so gekommen. Er war ein sehr guter Spieler für uns und hat viele Tore für Red Bull Salzburg gemacht. Er ist auch nach einer schweren Verletzung wieder zurückgekommen und hat so seine Spuren beim Verein hinterlassen. Für alle Beteiligten passt das, deswegen hat der Verein zugestimmt. Wir haben früh gehandelt, um mit Marco Djuricin einen hoffentlich adäquaten Ersatz gefunden zu haben."

Djuricin traf im ersten Test zwei Mal

Der 22-Jährige empfahl sich per starkem Herbst bei Sturm und war ein Wunschspieler des Trainers.

Das sagt Adi Hütter: „Nach zehn Tagen ist es schwierig, ein Urteil abzugeben. Marco ist aber kein unbeschriebenes Blatt, hat im Herbst bei Sturm in 18 Spielen elf Tore geschossen und vier Assists abgeliefert. Statistisch gesehen ist er sehr gut unterwegs und hat gezeigt, dass er für höhere Aufgaben geeignet ist. Er gefällt mir auch als Spielertyp, weil er immer wieder einen guten Tiefgang hat, weil er ein guter Knipser ist und auch zu unserem Spiel gut passt. Plus: Er ist ein hoffnungsvoller österreichischer Stürmer und deswegen haben wir uns entschieden, ihn zu holen.“

Takumi Minamino, der von Cerezo Osaka kam, kann indes auf beiden Flügeln spielen.

Das sagt Adi Hütter: „Takumi ist vor wenigen Tagen 20 Jahre alt geworden, er ist ein sehr interessanter Spieler, den wir schon länger auf dem Radar hatten. Jetzt haben wir zugeschlagen, weil die Möglichkeit auch eine bessere war. Vor einem Jahr war er noch „Rookie of the Year“ in Japan, jetzt hatte er eine weniger gute Saison. Ich glaube, er kann ein recht interessanter, guter Spieler für Red Bull Salzburg werden.“

Im Herbst mangelte es nach dem Abgang von Mane an Flügelspielern, mit Minamino oder Pires gibt es nun etwa wieder zwei Alternativen und so wird auch wieder vermehrt das 4-2-2-2-System, das zwischenzeitlich ob der Malmö-Krise und den personellen Gegebenheiten dem 4-1-3-2 weichen musste, in Betracht gezogen.

Das sagt Adi Hütter: „Die Tendenz geht dorthin. Wir haben in einer unangenehmen Phase das System umgestellt, einfach um dem Spiel eine andere Systematik mitzugeben. In letzter Zeit haben wir wieder mehr im 4-2-2-2 trainiert, weil wir auch wieder gute Flügel haben und die Mannschaft sich in diesem System wohl fühlt. Man muss flexibel bleiben, aber von der Spielanlage ändert sich nichts.“

Wie der Coach im Herbst mehrfach ankündigte, liegt der Fokus nun auf dem Spiel gegen den Ball.

Das sagt Adi Hütter: „Wir wollen sicherlich wieder dorthin kommen, wo wir schon waren. Das haben wir aber auch im Herbst immer wieder gezeigt. Wir waren körperlich nicht so in der Lage, wie ich mir das vorgestellt habe, um das kraftaufwändige System spielen zu können. Es waren sehr gute Ansätze in einigen Spielen da. Die vielen Spiele haben uns sicherlich auch manchmal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Innerhalb weniger Tage viele Spiele zu haben und ob vieler Verletzte wenige Spieler im Kader zu haben, da war es auch immer wieder schwierig, die Intensität im Spiel so hochzuhalten. Ich bin froh, dass wir wieder einen Kader haben, mit dem wir in diesen fünf Wochen gut trainieren können und die Mannschaft dann wieder auf das physische Niveau kommt, auf dem sie schon war.“

In weniger als einem Monat wartet mit dem Hinspiel im Europa-League-Sechzehntelfinale beim FC Villarreal die erste große Bewährungsprobe im neuen Jahr. Via LAOLA1.tv konnte sich Salzburg schon des öfteren ein Bild machen. Mit dem 1:0-Heimsieg (Tor: Soriano/85.) im Copa-Viertelfinal-Hinspiel gegen Getafe haben die Iberer 16 Pflichtspiele in Folge nicht verloren. Salzburg hat indes zwei Stützen verloren, was die Ausgangsposition seit der Auslosung stark verändert hat.

Das sagt Adi Hütter: „Richard Kitzbichler war am letzten Wochenende beim Heimspiel gegen Bilbao, Zsolt Löw und ich werden noch einmal hinfliegen. Bis dahin werden wir bestens vorbereitet sein. Wir schauen auch jetzt immer wieder die Spiele. Wir treffen auf eine sehr starke Mannschaft, die seit 16 Spielen nicht verloren hat und oft zu Null spielt. Sie sind sehr kompakt und schalten schnell um. Sie haben Top-Spieler wie Cheryshev von Real, Giovanni dos Santos, Vietto oder Bruno Soriano.“

Gut, es gibt für Salzburg da doch noch eine andere „Bewährungsprobe“ zuvor. Denn in Katar misst man sich in einem Testspiel mit einem gewissen Klub namens RB Leipzig. Das erstmalige konzerninterne Duell hat freilich seinen ganz eigenen Reiz.

Das sagt Adi Hütter: „Für mich ist wichtig, dass wir die Emotionen draußen lassen. Natürlich ist es ein Prestige-Duell. Sowohl RB Leipzig als auch Red Bull Salzburg wollen als Sieger vom Platz gehen. Es soll ein gutes, intensives Spiel werden, das fair abläuft. Es wird nichtsdestoweniger ein Testspiel bleiben, dementsprechend werden wir uns auch vorbereiten und wollen das Spiel gewinnen.“

Den ersten Test haben die Salzburger vergangene Woche mit einem 8:0 (!) gegen Wacker bereits erfolgreich bestritten. Weitere stehen an. Am 15. Februar startet dann die Post-Kampl-Alan-Ära endgültig mit dem Gastspiel in Wr. Neustadt, vier Tage vor der Partie in Spanien.

Das sagt Adi Hütter: „Der Abgang von absoluten Schlüsselspielern bietet auch wieder Chancen für junge Spieler. Wir haben mit Lazaro, Minamino, Pires, Sabitzer richtig gute, junge Spieler, die versuchen können, den Weg von Kevin Kampl zu gehen. Alan ist etwas älter, aber es sind Spieler, an denen man sieht, bei Red Bull Salzburg kann man sich entwickeln und in eine höhere Liga wechseln. Das ist eine Motivation. Wir werden eine hungrige, giftige Mannschaft haben.“

 

Bernhard Kastler

Bewerb Gegner H/A Datum Uhrzeit
Liga Levante H 24.1. 22 Uhr
Copa Getafe A 29.1. 20 Uhr
Liga FC Barcelona A 1.2. 21 Uhr
Liga Granada H 7.2. 18 Uhr
Liga Rayo Vallecano H 15.2. 19 Uhr
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