Die Verhältnisse zurechtgerückt

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Verhältnisse nach Sieg gegen Rapid zurechtgerückt

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So schnell kann es gehen.

Vor zwei Monaten wurde Salzburg nach dem schlechtesten Saisonstart in der Red-Bull-Ära noch schlechtgeredet und jegliche Qualität abgesprochen.

Doch die von Peter Zeidler übernommene Truppe hat sich entwickelt, gemausert und gezeigt, dass auch diese Saison mit dem amtierenden Meister zu rechnen ist.

Neun Spiele ohne Niederlage, inklusive dem richtungsweisenden 2:1-Auswärtserfolg bei Rapid sprechen eine deutliche Sprache. Sind die Verhältnisse somit wieder geradegerückt?

„Sieg hat eminent wichtige Bedeutung“

„Dieser Sieg hat eine eminent wichtige Bedeutung für uns“, stellte Torschütze Christian Schwegler nach dem qualitativ hochstehenden Schlager in Wien klar.

„Wir wussten: Wenn wir gewinnen, rücken wir näher an Rapid ran. Rapid ist zwar nach wie vor vorne, nichtsdestotrotz schnuppern wir wieder am ersten Platz. Das war unser Ziel.“

Der starke Auftritt der Mozartstädter war in keiner Weise mit jener verunsicherten Leistung am 1. August zu vergleichen, als sich die Bullen Rapid in Wals-Siezenheim 1:2 geschlagen geben mussten.

Das Team witterte diesmal seine Chance, agierte von Beginn weg bissig und hatte auf die Versuche der Hütteldorfer meist eine passende Antwort.

Nicht vergleichbar mit dem Saisonbeginn

„Kämpferisch und von der Einstellung her kann man uns sicher keinen Vorwurf machen“, analysierte Torhüter Alexander Walke, der eine starke Vorstellung bot.

„Wir haben die ersten 15 Minuten dominiert, sind aber wieder einmal durch eine Standardsituation in Rückstand geraten. Das kennen wir aber mittlerweile schon.“

Auch der RBS-Trainer musste zugeben, dass das Spiel vom Inhalt her nicht so lief, wie man sich das vorgestellt hatte und Rapid große Probleme bereitete.

Nach dem schön herausgespielten, wenn auch abgefälschten Ausgleich vollzog Zeidler somit eine Änderung in der Defensive, die große Auswirkungen hatte.

Taktischer Rückschritt aufgrund von Abstimmungsproblemen

In der zweiten, sehr ausgeglichenen Hälfte blieben große Torchancen aus. Auch, weil Salzburgs zuletzt oftmals anfällige Verteidigung Rapids-Offensive bei ruhenden Bällen keinen Stich mehr zuließ.

„Ich habe gemacht, was du als Trainer eigentlich nie machen solltest. Ich habe in der Halbzeit auf klare Mann-gegen-Mann-Verteidigung umgestellt“, gab Zeidler zu.

Der Grund dafür ist interessant. Schließlich sah der Chefbetreuer seine Mannschaft noch nicht dazu imstande, das grundsätzlich von ihm angedachte Defensivspiel umzusetzen.

„Wir sind noch nicht bereit, bei Standardsituationen als Mannschaft zu verteidigen. Wenn wir wieder eine richtig gute Mannschaft sind, werden wir auch wieder in der Zone die Standards verteidigen. Aber vorerst werden wir so weitermachen."

Miranda noch nicht vollständig integriert

Vor allem auch, weil Paulo Miranda nach den Katastrophen-Auftritten gegen Malmö und Mattersburg zuletzt in die Spur fand und zusammen mit Duje Caleta-Car immer besser harmonierte.

„Wie er die Bälle am Schluss weggeköpft und verteidigt hat, war schon sehr gut“, lobte ihn sein Trainer. So ganz passt die Abstimmung aber noch nicht.

„Er ist taktisch noch nicht ganz so weit. Der Weg geht weiter. Die komplette Integration dauert noch.“

Trotzdem ist Miranda ein gutes Beispiel dafür, dass die bisherige Achillesferse Abwehr zuletzt ein wenig gefestigter wirkte.

Rapid ging nie von Sololauf aus

Auf der anderen Seite des Platzes stellte man in den vergangenen Wochen, angeführt von Kapitän Jonatan Soriano, ohnehin unter Beweis, dass man langsam aber doch wieder zu alter Stärke findet.

Genau darin liegt die Gefahr für die Konkurrenz, die sich in dieser Saison größere Chancen als zuletzt ausgerechnet hatte.

So auch Rapid, das die knappe Konstellation in der Tabelle mit den Top vier innerhalb von zwei Punkten aber nicht überbewerten will.

„Wir haben ja gewusst, dass es kein Sololauf wird“, beruhigte Abwehrspieler Christopher Dibon und zeigt sich wenig überrascht, über die gefundene Form der Salzburger.

„Wir haben ja nur mehr die Liga“

Auch Trainer Zoran Barisic ignoriert weiterhin die Tabelle: "Selbst wenn wir gewonnen hätten, wäre nichts entschieden gewesen. Die Meisterschaft geht noch sehr lange.“

Das spielt dem Doublesieger, der durch die vielen personellen Veränderungen im Sommer inklusive neuem Chefbetreuer die Umstellungsphase zumindest in der Bundesliga ohne große Schäden überstand, in die Karten.

Dazu kommt die Tatsache, dass man im Gegensatz zum wohl schärfsten Mitstreiter um den Titel keine Dreifach-Belastung mehr hat, auch wenn dies unfreiwillig passierte.

„Sicher ist das wichtig, wieder dran zu sein und mit einem Erfolg in die Länderspielpause zu gehen. Wir spielen ja nicht mehr international. Wir haben ja nur mehr die Liga“, merkte Walke an.

„Wir können und müssen noch besser werden“

Der wackelige Start ist somit ebenso vergessen wie Kinderfußball-Vergleiche. In der Rangordnung ist fast wieder alles beim Alten.

Die üblichen Verdächtigen stehen ganz oben, und Salzburg hat die Zeit für sich arbeiten lassen, um in die Erfolgsspur zurückzufinden.

„Der Sieg ist sehr wichtig für den Kopf“, bestätigte auch Schwegler bezugnehmend auf lediglich einen Punkt Rückstand anstelle von sieben im Falle einer Niederlage.

Daraufhin schickt Zeidler noch eine Kampfansage hinaus: „Wir sind nur mehr einen Punkt hinten, das ist im Moment nicht so schlecht. Aber wir können und müssen noch besser werden.“

Damit die Verhältnisse endgültig wieder zurechtgerückt werden.


Alexander Karper

 

Rapid Salzburg
Ballbesitz 50,5% 49,5%
Zweikämpfe 47,5% 52,5%
Eckbälle 5 5
Torschüsse 7 13
Torschüsse außerhalb Strafraum 1 7
Torschüsse innerhalb Strafraum 6 6
Kopfballchancen 5 1
Abseits 6 2
Fouls 18 15
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