Rapids Angst vor ruhenden Bällen

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Schwäche bei Standards sorgt für Verunsicherung

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Bei der 0:3-Niederlage in Leverkusen wurde einmal mehr offensichtlich, was Rapid-Trainer Peter Schöttel schon seit geraumer Zeit Kopfzerbrechen bereitet.

Wenn der Ball ruht – sei es bei einem Freistoß oder einem Eckball – wird es gefährlich. In letzter Zeit häufen sich die Gegentore aus Standardsituationen.

Gegen die „Werkself“ erhielten die Grün-Weißen gleich alle drei Treffer nach Flanken in den Strafraum.

Insgesamt resultieren in der Europa-League-Gruppenphase sechs Gegentreffer in Folge aus Standardsituationen. Auch in der Liga fing man sich schon mehrere auf diese Art und Weise ein.

Eine  Schwachstelle, die schnellstmöglich ausgeräumt werden muss.

„Unsere Schwäche schonungslos aufgedeckt“

„Der Gegner hat unsere ganz große Schwäche schonungslos aufgedeckt“, spricht Schöttel im Gespräch mit LAOLA1 die Lufthoheit der großgewachsenen Leverkusener an.

Beim 0:1 verlor Sonnleitner das Kopfballduell mit Fernandes, ehe Hegeler einnicken konnte. Beim 0:2 standen sich Boyd und Pichler im Weg, Ersterer köpfte unfreiwillig für Schürrle auf. Und beim 0:3 waren Schimpelsberger und Grozurek im Luftduell Toprak unterlegen, so dass Friedrich die Vorarbeit verwerten konnte.

„Da haben wir uns ganz schlecht verhalten, auch wenn es eine Stärke des Gegners ist, wenn sie mit sechs riesengroßen Menschen kommen. Das haben wir wieder nicht im Griff gehabt“, gibt sich der Chefbetreuer nachdenklich.

Mit Sonnleitner, Gerson, Trimmel, Boyd und Katzer hat er eigentlich kopfballstarke Mannen in seinen Reihen. Doch auch das Stellungsspiel klappt nicht so, wie es sein sollte.

Suche nach Lufthoheit und Zuordnung

Mittlerweile scheint es so, als würde sich Unruhe, fast schon Angst breit machen, wenn Rapid einen Freistoß verursacht oder ein Eckball für den Gegner herausschaut.

Stürmer Terrence Boyd sieht es jedoch anders. „Es ist nicht so, dass wir Angst vor Freistößen haben. Eigentlich fühlen wir uns sicher. Aber zurzeit geht einfach alles durch.“

„Wir müssen einfach unsere große Schwäche bei Standards abstellen“, fordert somit Stefan Kulovits.

Damit spricht er seinem Trainer aus der Seele. Denn die Gegentreffer nach Flanken nehmen langsam aber doch Überhand.

Auch in der Bundesliga anfällig

„Man muss die Dinge auch ansprechen: Wir haben auch in der heimischen Liga etliche Tore aus Standardsituationen bekommen“, macht Schöttel den Negativlauf nicht nur an der Europa League fest.

Wie man diesem vorbeugen kann, ist bisher noch die große Frage. Gearbeitet wird aber schon länger an Rapids Schwachstelle.

„Das trainieren wir und wir versuchen es abzustellen. Aber Leverkusen hatte das als große Stärke, hat das gezeigt und deshalb gewonnen.“

Durch die Fehleranfälligkeit bei Standards geht auch etwas unter, dass man den Deutschen aus dem Spiel heraus nicht viele Chancen ermöglichte. Jene aus Standards hatten hingegen weitreichende Folgen.

Verunsicherung ist zu spüren

Kulovits, der in Abwesenheit von Steffen Hofmann und Markus Heikkinen die Kapitänsschleife übernahm, sieht durch die derzeitige Verunsicherung vorerst nur einen Weg.

„Wie kann man da ansetzen? Es hilft nur, wenn man Standards verhindert, keine dummen Fouls auf der Seite macht und Corner vermeidet.“

Rapid würde sich weiterhin um die Früchte der Arbeit bringen, sollte diesem Problem nicht rasch vorgebeugt werden.

Allerdings wissen nun auch die Gegner, dass ein ruhender Ball bei den Grün-Weißen bereits Schweißausbrüche auslösen könnte.


Alexander Karper

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