Rapids Tradition des bezahlten Stürmer-Verlustes

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Es ist kein Zufall, dass Robert Beric das Weite suchte.

Nicht, weil Rapid nicht gut genug wäre, viel mehr aufgrund der Tradition, welche die Grün-Weißen mit ihren Stürmern verbindet.

Denn ein Blick auf die vergangenen Jahre offenbart, dass zahlreiche Angreifer die Hütteldorfer als Sprungbrett verwendeten.

Einige wie Atdhe Nuhiu, Rene Gartler, Venegoor of Hesselink, Mario Bazina, Marek Kincl oder Axel Lawaree verließen den Klub ablösefrei, Spieler wie Marcel Sabitzer (um 2 Mio. Euro zu RB Leipzig/Salzburg) oder Guido Burgstaller (um 2 Mio. Euro zu Cardiff City), kamen nur sporadisch als Stoßstürmer zum Einsatz.

Doch wer sind die direkten Vorgänger von Beric, die Rapid zumeist stolze Ablösesumme bescherten? LAOLA1 blickt zurück:

 

  • ROBERT BERIC: Die Transferposse um den 24-jährigen Slowenen war der bisherige Schlusspunkt in Rapids kniffliger Stürmer-Geschichte der vergangenen Jahre. Bei der Verpflichtung profitierten die Hütteldorfer davon, dass sich der Nationalstürmer bei Sturm Graz nicht glücklich fühlte, nicht zufrieden war und den nächsten Schritt machen wollte. Bei den Grün-Weißen blühte er auf, hatte maßgeblichen Anteil am Vizemeistertitel und an den starken Leistungen in der Champions-League-Qualifikation. Schlussendlich war er es jedoch, der den entscheidenden Kopfball vergab, der nun mitverantwortlich für seine Flucht nach St. Etienne war. Keine guten Umstände für Rapid, das am letzten Transfertag seine größte Waffe verlor - auch wenn dies schon länger absehbar war. 5,5 Millionen Euro plus voraussichtliche Prämien bis zu zusätzlichen 1,5 Millionen trösten darüber hinweg. Schließlich ist es Rapids bisheriger Rekordtransfer.

 

 

Saison Bundesliga/Tore ÖFB-Cup/Tore Europacup/Tore
2015/16 5/3 1/1 4/2
2014/15 33/27 4/0 2/0
Gesamt 38/30 5/1 6/2

 

 

  • TERRENCE BOYD: Der Stürmer kam aus der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund und wurde anfangs aufgrund seiner verbesserungswürdigen Ballbehandlung von vielen unterschätzt. Doch Boyd schlug mit Fortlauf seiner Rapid-Zeit ein. Zwei Jahre netzte der US-Boy in Hütteldorf, ehe er dem Lockruf von RB Leipzig erlag - zum Frust vieler Anhänger, die diese Entscheidung nicht verstehen konnten. Dort war er bisher vom Pech verfolgt. In der Vorbereitung der vergangenen Saison zog er sich einen Anriss des Kreuzbandes zu. Kurz nach seinem Comeback dann der nächste Schock: Kreuzbandriss, halbes Jahr Pause. Seit seinem Abschied von Rapid im Sommer 2014 absolvierte der Angreifer für den Zweitligisten lediglich sieben Einsätze, nur einmal über 90 Minuten.

 

 

Saison Bundesliga/Tore ÖFB-Cup/Tore Europacup/Tore
2013/14 29/15 1/0 8/5
2012/13 30/13 3/1 9/3
Gesamt 59/28 4/1 17/8
Saison
  1. dt. Bundesliga/Tore
DFB-Pokal/Tore
2015/16 0/0 0/0
2014/15 7/2 1/1

  • HAMDI SALIHI: Zweieinhalb Jahre streifte sich der Albaner von Sommer 2009 bis Februar 2012 das grün-weiße Trikot über. "Der albanische Gerd Müller" hatte sich bei der SV Ried für höhere Aufgaben empfohlen und wurde für rund 600.000 Euro nach Hütteldorf gelotst. Ein verdienstvoller Stürmer, der es in 67 Bundesliga-Einsätzen auf 36 Tore, im ÖFB-Cup in elf Einsätzen auf 15 Treffer und in zwölf Europacup-Spielen auf zwei Hütten brachte. Als der Teamspieler bei Rapid nicht mehr zum Zug kam, lockte die nordamerikanische MLS. D.C. United (7 Tore in 26 Spielen) überwies damals rund 400.000 Euro nach Hütteldorf. Sein weiterer Weg führte Salihi über den chinesischen Klub Jiangsu Guoxin Sainty (12 Tore in 36 Spielen), Hapoel Akko (14 Tore/33 Spiele) und Hapoel Haifa (4 Tore/10 Spiele) zu Skenderbeu (7 Tore in 6 Spielen), mit denen er heuer in der CL-Quali auftrumpfte, im Playoff aber an Dinamo Zagreb scheiterte.

 

 

Saison Bundesliga/Tore ÖFB-Cup/Tore Europacup/Tore
2011/12 12/3 3/8 0/0
2010/11 32/18 5/6 7/1
2009/10 29/17 4/1 5/1
Gesamt 73/36 12/15 12/2
Saison MLS/Tore US Open Cup/Tore
2011/12 22/6 2/1

  • NIKICA JELAVIC: Einige vergleichen den Beric-Abschied mit jenem von Nikica Jelavic. Das Transfertheater um den Kroaten stellte aber jenes des Slowenen klar in den Schatten. Denn Jelavic war es, der damals seinen Wechsel zu den Glasgow Rangers erzwang, indem er sich weigerte weiterhin für Rapid aufzulaufen. Und das ausgerechnet vor dem entscheidenden Europa-League-Playoff-Duell mit Aston Villa in Wien. Die Strafe folgte auf dem Fuß, da Jelavic durch Rapids Aufstieg gegen die Engländer nicht international für die Schotten spielen durfte. Rapid hätte sich weigern können, ließ den Teamstürmer dann aber für knapp 5 Millionen Euro ziehen. Ex-Präsident Rudi Edlinger warf ihm jedoch "glatten Vertragsbruch" vor und meinte "Jelavic hätte im St. Hanappi nichts mehr verloren". Daran änderten auch 27 Liga-Tore (71 Spiele), 3 Cup-Tore (6 Spiele) und stolze 13 Europacup-Treffer (18 Spiele) nichts. "Die fliegende Festung", wie der 36-fache Internationale genannt wurde, war im Sommer 2008 vom belgischen Klub Zulte Waregem zunächst ausgeliehen und dann für rund 200.000 Euro fix verpflichtet worden. Nach seiner Zeit bei den Rangers spielte der Angreifer von Jänner 2012 bis Jänner 2014 bei Everton und anschließend bei Hull. Nun wechselte er um 4 Millionen Euro zu West Ham.

 

 

Saison Bundesliga/Tore ÖFB-Cup/Tore Europacup/Tore
2010/11 4/2 0/0 4/4
2009/10 33/18 3/2 12/9
2008/09 34/7 3/1 2/0
Gesamt 71/27 6/3 18/13
Saison Premiership/Tore Cup/Tore Europacup-Tore
2011/12 22/14 2/2 4/1
2010/11 23/16 4/3 1/0

  • ERWIN "JIMMY" HOFFER: Aufgrund seiner Schnelligkeit und seines Torinstinkts haben ihn heute noch viele Fans bestens in Erinnerung. Bei Rapid erlebte der 2006 von der Admira gekommene Angreifer die wohl erfolgreichste Zeit seiner Karriere. Seine drei Tore beim 7:0-Erfolg in Salzburg gegen Giovanni Trapattonis "Bullen" waren der Höhepunkt, obwohl "Jimmy" erst ein Jahr später mit 27 Saisontoren so richtig aufblühte. Bei einem 7:2 gegen Altach erzielte er sogar vier Treffer in einer Halbzeit. So pudelwohl wie bei Rapid sollte er sich jedoch nirgends mehr fühlen. Nach dem Wechsel zu Napoli, mit 5 Millionen Euro bis zum Beric-Deal Rapids Rekordtransfer, fand sich der U20-WM-Held in Italien nicht zurecht. Es folgten Stationen in Deutschland (Kaiserslautern, Frankfurt, Düsseldorf), wo er momentan in Karlsruhe noch immer sein Glück sucht. Jene Top-Karriere, die man sich nach seiner Zeit bei Rapid für ihn erhofft hatte, blieb jedoch aus.

 

 

  • STEFAN MAIERHOFER: Gemeinsam mit seinem Sturmpartner bildete er das kongeniale Duo "MaierHoffer". Die beiden gingen nicht nur oft gemeinsam fischen, sondern ergänzten sich auch am Platz hervorragend. Beim 7:0 in Salzburg, dem legendären Sieg am Weg zum Meistertitel 2008, steuerte der "Major" zwei Tore bei. Überhaupt kann sich die Bilanz des von Greuther Fürth verpflichteten Angreifers mit 31 Toren in 49 Spielen sehen lassen. Wie Hoffer verpasste es jedoch auch Maierhofer, bei seiner Station nach den Grün-Weißen zu überzeugen. Bei Wolverhampton, das für den "Langen" 2 Millionen Euro hinblätterte, kam er insgesamt nur zu zehn Einsätzen. Später kehrte er für rund eine Millionen Euro nach Österreich zurück. Als Salzburger "Bulle" stieß er bei den Rapid-Fans freilich auf wenig Gegenliebe. Maierhofer, derzeit nach einem Millwall-Gastspiel auf Vereinssuche, polarisiert bis heute.

Saison Bundesliga/Tore ÖFB-Cup/Tore Europacup/Tore
2009/10 1/0 0/0 2/1
2008/09 34/27 3/1 2/1
2007/08 29/10 0/0 2/0
2006/07 21/4 1/0 0/0
Gesamt 85/41 4/1 6/2
Saison Meisterschaft/Tore Cup/Tore Europacup-Tore
2009/10 8/0 3/1 0/0

 

 

  • MATE BILIC: Mit Muhammet Akagündüz und Axel Lawaree hatten im Sommer 2006 zwei Angreifer Hütteldorf verlassen, also wurde neben Admira-Talent Hoffer auch der Kroate Mate Bilic verpflichtet - er kam ablösefrei vom spanischen Klub UE Lleida. Der Mann aus Split war kein klassischer Goalgetter, sondern vielmehr ein Wühler, der auch defensiv brav seine Aufgaben verrichtete. Mit seinen elf Treffern in der Premieren-Saison wurde er hinter Salzburgs Alexander Zickler (22) und Altachs Leonardo (14) aber trotzdem Dritter der Torschützenliste. Nach einem weiteren halben Jahr in Wien wechselte Bilic im Dezember 2007 doch ein wenig überraschend zurück nach Spanien. Rund 200.000 Euro soll Sporting Gijon für seine Dienste überwiesen haben. In Gijon wurde der siebenfache Teamspieler, der dieser Tage seine Karriere beendet hat, dann zum Dauerbrenner, stieg mit dem Klub, für den er bis Sommer 2013 aktiv war, in die Primera Division auf und auch wieder ab.

Saison Bundesliga/Tore ÖFB-Cup/Tore Europacup/Tore
2009/10 3/1 1/1 5/2
2008/09 35/23 3/2 2/2
2007/08 11/7 0/0 0/0
Gesamt 49/31 4/3 7/4
Saison Meisterschaft/Tore Cup/Tore Europacup-Tore
2009/10 8/1 1/0 0/0
2011/12 1/0 0/0 0/0

 

 

Saison Bundesliga/Tore ÖFB-Cup/Tore Europacup/Tore
2007/08 19/5 0/0 8/2
2006/07 35/11 1/0 0/0
Gesamt 54/16 1/0 8/2
Saison Meisterschaft/Tore Cup/Tore Europacup-Tore
2012/13 32/11 1/0 0/0
2011/12 20/4 2/0 0/0
2010/11 18/0 2/1 0/0
2009/10 31/5 1/1 0/0
2008/09 36/11 4/0 0/0
2007/08 22/10 0/0 0/0
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