Der SK Rapid und das Sponsoring

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"Man merkt, dass nicht an einem Strang gezogen wird"

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Rapid und das liebe Geld, eine Tragödie in mehreren Akten. So oder so ähnlich kann man die aktuelle Situation des angeschlagenen Traditionsvereins beschreiben.

Der Sparkurs der Hütteldorfer, der unter anderem keine weiteren Neuzugänge möglich macht, wirft einige Fragen auf.

Ins schiefe Licht geraten ist vor allem General Manager Werner Kuhn, der von vielen Seiten zum Schuldigen auserkoren wurde.

Fünf Jahre ist es her, dass der letzte große Premium-Sponsor an Land gezogen werden konnte, aktuell sieht er sich damit konfrontiert, 1,5 Millionen Euro, die durch den Ausstieg von „Orange“ wegfallen, zu kompensieren.

„Die Performance der Liga war schon besser“

Das Sponsoring wird im Fußball prinzipiell sehr groß geschrieben. Auch wenn aufgrund der wirtschaftlichen Lage Zurückhaltung herrscht, ist die österreichische Bundesliga weiterhin reizvoll.

„Die gesamte Performance der Liga war natürlich schon besser. Momentan kommen einige Punkte zusammen, die die Plattform derzeit nicht in einem so guten Licht erscheinen lassen. Das schwankt aber immer im Jahres-Rhythmus“, gibt Mag. Philip Newald im Gespräch mit LAOLA1 zu verstehen.

Der 41-jährige Wiener muss es wissen, ist er doch als Vorstand von Liga-Sponsor „tipp3“ direkt involviert und nahe am Geschehen dran. Auch in Bezug auf Rapid kann sich Newald als „Insider“ bezeichnen, war er doch selbst mehrere Jahre in Führungspositionen (Kommunikation/Marketing) tätig und ist bekennender Rapid-Fan.

Allgemein auf die Liga bezogen muss der Sponsoring-Experte bezugnehmend auf die wirtschaftlichen Aspekte zugeben: „Die Budgets sind momentan prinzipiell enger. In der Gesamtbudget-Situation werden solche Dinge noch einmal doppelt und dreifach überprüft und hinterfragt.“

Wesentliche Sponsor-Rechte bei Rapid gut verkauft

Gelder werden somit vorwiegend dort zur Verfügung gestellt, wo „herausragende Performances stattfinden“. Wie etwa bei Meister Austria, der aufgrund seiner positiven Entwicklung zu erwähnen ist.

Warum die Liga derzeit in einem nicht so guten Licht dargestellt wird, ist schnell skizziert: Die Zuschauerzahlen sind tendenziell abnehmend, bei der medialen Aufbereitung der TV-Stationen ist unklar, wie es in Zukunft weitergeht und wer, was, wann, wie überträgt. „Und natürlich haben auch die Zugpferde wie zum Beispiel Rapid schon bessere Zeiten erlebt“, gibt Newald zu.

Allerdings sei nicht alles so schwarz zu malen, wie es momentan in der Öffentlichkeit gemacht wird. Denn die wesentlichen Sponsor-Rechte seien von Rapid-Seite „gut verkauft“, ein Budget von rund 19 Millionen Euro pro Jahr muss erst einmal aufgestellt werden.

„Der Hauptsponsor – einer der höchstdotierten Verträge, wenn man Red Bull außen vorlässt -, der Ausrüster, es gibt vier oder fünf größere Premiumpartner. Das darf man nicht unterschätzen. Es kommt immer in einem Licht rüber, als wäre alles nicht verkauft.“

Sponsor-Treue keine Selbstverständlichkeit

Einige davon halten dem Verein seit Jahren die Treue, was keine Selbstverständlichkeit darstellt. Auch wenn in der jüngsten Vergangenheit wenige neue Sponsoren gewonnen werden konnten, gelten auch die Verlängerungen gewinnbringender Unternehmen als Erfolg.

„Wenn man jetzt ein Zinshaus mit Mietern hat, ist es der gleiche Erfolg, ob man den alten drin lässt oder einen Neuen reinholt. Es sind trotzdem weiterhin viele Millionen Euro pro Jahr aus dem Sponsoring eingenommen worden“, bestätigt Newald.

Dass im Falle eines Ausstiegs vom zuständigen Ressort für Nachschub gesorgt werden muss, steht außer Frage. In dieser Hinsicht nimmt Newald Rapid auch in die Pflicht.

„Den Abgang oder die Reduktion der "OMV" und den Ausstieg von „Orange“ durch den Verkauf an „3“ abzufedern, hätte sehr gut getan. Da will ich gar niemanden verteidigen: Das ist in der Form nicht ausreichend gelungen.“

Nicht einheitliches Auftreten schreckt Geldgeber ab

Gründe dafür gibt es verschiedene. Vor allem die aktuelle Gesamtsituation innerhalb des Vereins verunsichert potenzielle Geldgeber, da man eine klare Linie vergeblich sucht.

„Es ist so, dass das Gesamterscheinungsbild von außen – dieses nicht einheitliche Auftreten des Vereins – vor drei, vier Jahren einfach anders war. Jetzt im Moment merkt man einfach, dass hier extreme Unstimmigkeiten im Verein sind und nicht an einem Strang gezogen wird“, kommentiert der Vertreter des Sportwettanbieters.

Nicht unwesentlich seien „das extreme Rumoren in der Fan-Politik“ sowie die Frage ob man „sich als Verein an der breiten Masse orientieren sollte oder sich zu einem Freizeit- und Entertainment-Dienstleister weiterentwickelt.“ Diese Spannungsfelder münden zudem in der Frage, wie man mit der Immobilie Stadion weiter vorgeht.

Erst wenn Klarheit einkehrt, was spätestens mit der Mitgliederversammlung und dem Tausch an der Vereinsspitze im November der Fall sein sollte, könnte sich der Verein und die Marke wieder stabilisieren.

„Noch immer eine der emotionalsten Marken“

Dass sich Rapid in den vergangenen Jahren durch Ungereimtheiten oder Fan-Aufstände selbst ein negatives Image verschafft habe, weist Newald zurück.

„Das wäre zu übertrieben dargestellt. Es ist deutlich weniger positiv als noch vor ein paar Jahren, aber Rapid hat kein negatives Image. Es ist noch immer eine der emotionalsten Marken mit der höchsten Leidenschaft. Es gibt kaum eine Marke in Österreich, zu der sich so viele Menschen aktiv bekennen.“

Warum Sponsoren dem Rekordmeister trotzdem nicht die Türe einrennen, ist neben der oben genannten Gründe auch auf die gesamtwirtschaftliche Situation zurückzuführen.

„Derzeit rennt niemand einem aktiv die Tür ein, um Werbegelder auszugeben. Die Hauptrechte sind bei Rapid zudem gut verkauft. Wenn zum Beispiel das Hauptsponsoring frei wäre, würde es sicher eine Ersatzlösung geben.“

Fehlendes Verhandlungsgeschick?

Da die Unternehmen nicht mit Geld um sich werfen, muss die Frage nach fehlendem Verhandlungsgeschick – und da ist Werner Kuhn nicht ausgenommen – gestellt werden.

Aus eigener Erfahrung schwächt Newald das Thema aber ab, da er weiß, dass mit viel Engagement gearbeitet wird.

„Es wird extrem viel probiert, aber es gelingt halt im Moment nicht. Vor allem auch weil der Verein gerade jetzt medial eine Watschen nach der anderen kriegt und einfach kaum jemand große Engagements verantworten kann. Die Gelder sitzen im Moment extrem unlocker.“

Zudem sind die Branchen, die wirklich in das Ressort Fußball investieren, größtenteils schon an Bord. Denn vom Sportartikelausrüster über Sportwetten, Bier, Stromversorger und Telekommunikationsanbieter ist alles vertreten.

Stadion-Sponsoring wäre zeitgemäß

Auf der Suche nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten stößt man immer wieder auf das Thema Stadion-Vermarktung und –Sponsoring.

In Deutschland ist diese Form weit verbreitet, auch in Österreich behilft sich der eine oder andere Verein mit einem Sponsoren-Namen im Vereinslogo oder im Stadion-Namen.

Gerade bei einem Traditionsverein wie Rapid stoßen diese Überlegungen – ähnlich wie bei der Standort-Frage des Stadions – wiederholt auf Gegenwehr.

„Wenn es ein richtiger Partner und ein langfristiger Vertrag ist, finde ich den Verkauf des Stadionnamens durchaus zeitgemäß – wenn man im gleichen Atemzug noch einmal hundertprozentig mitteilt, dass der Vereinsname nicht angegriffen wird“, gibt Newald seine Meinung preis.

Um wieder positive Schlagzeilen in puncto Sponsoring zu schreiben, muss Rapid somit klare Verhältnisse schaffen. Die Zeit, alles daran zu setzen, wieder als Einheit aufzutreten, ist längst gekommen.


Alexander Karper

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