Kein Risiko, keine neuen Spieler

Aufmacherbild
 

Rapids Sparkurs lässt keine Verstärkungen mehr zu

Aufmacherbild
 

Die Wolken über Hütteldorf werden immer dunkler, die Aussichten sind alles andere als heiter, eher trüb.

Mit der Einführung einer Tormann-Akademie wollte man von den Baustellen innerhalb des Vereins ablenken – vergeblich.

Erst mit Verspätung ließ Sportdirektor Helmut Schulte im Rahmen einer Pressekonferenz die Bombe platzen: „Wir gehen mit dem aktuellen Kader in die neue Saison. Wir sind von diesen Spielern zu hundert Prozent überzeugt.“

Das hat gesessen. Von drei angekündigten Verstärkungen kam mit Christopher Dibon eine, für weitere scheint kein Geld vorhanden zu sein - plötzlich und für die Öffentlichkeit unvorhersehbar.

„Man wird jeden Tag schlauer“

„Man wird jeden Tag schlauer“, fühlt sich Schulte, angesprochen auf sein kürzliches Versprechen, etwas auf den Schlips getreten.

Die Saison soll mit 21 Lizenzspielern in Angriff genommen werden, zu denen sich vier beförderte Amateure gesellen. Der Altersschnitt wurde zudem auf rund 23 Jahre gesenkt, bei der Hälfte der Akteure handelt es sich um Eigenbauspieler.

Zumindest im defensiven Mittelfeld herrschte jedoch Handlungsbedarf. Doch anstatt darauf zu reagieren, geht Rapid ohne gelernten Sechser in die Saison. Auch ein Stürmer hätte noch kommen sollen, zusätzlich wurde ein Torhüter-Tausch kolportiert.

Was ist also in den letzten Wochen passiert? „Es ist halt so, aber wir sind bereit. Wir werden keine Risiken eingehen, die sich der Verein nicht leisten kann“, rechtfertigt der Deutsche seinen Rückzieher.

Spaß haben ohne Verstärkungen

Dass der Kader nach Abgängen von Markus Katzer, Stefan Kulovits, Markus Heikkinen, Gerson und Thomas Prager „kostengünstiger“ ist, will Schulte gar nicht verneinen.

Angeblich steht den Grün-Weißen auch für die kommende Saison ein Budget von 19 Millionen Euro zur Verfügung, doch kein weiterer Cent soll in die Mannschaft fließen, obwohl mit Michael Schimpelsberger, Deni Alar, Dominik Starkl und Stephan Palla vier – zum Teil – Langzeitverletzte einkalkuliert sind.

„Wir haben genügend Geld, aber wir können auch mit diesem Team Spaß haben. Das ist das, was wir wollen. Wir stellen uns der Herausforderung.“

Spaß hat der seit Dezember im Amt befindliche Sportdirektor auch, wenn er den Kickern beim Training auf die Beine schaut.

Internationaler Startplatz kein unbedingtes Ziel

Daraus schöpfe er Kraft, Hoffnung und den Glauben an eine erfolgreiche Saison. Auch wenn für Rapid-Verhältnisse bereits vor dem Start sehr tief gestapelt wird.

Denn die Orientierung zielt nicht mehr rein auf einen internationalen Startplatz ab. Wenn wäre es schön, wenn nicht, kein Untergang.

„Ich finde es nicht gut, Saisonziele an Platzierungen festzumachen. Im Vordergrund steht die Weiterentwicklung und dass jeder Spieler besser wird“, so Schulte.

Ob man den Fans ein „Entwicklungsjahr“ schmackhaft machen kann? „Jedem Menschen ist die Wahrheit zuzumuten“, so die nüchterne Antwort.

„Haben in der Vergangenheit viel verabsäumt“

Trainer Zoran Barisic scheint sich nach außen hin voll mit dem eingeschlagenen Weg zu identifizieren – auch in puncto Zielsetzung.

„Ich lasse mich nicht in ein Korsett pressen, was das tabellarische Ziel betrifft. Wir dürfen den Mund nicht zu weit aufreißen. Wir wollen Spaß machen, egal in welcher Situation sich der Verein befindet.“

Eine Situation, die „Zoki“ folgendermaßen beschreibt: „Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt sagen darf, aber wir haben in der Vergangenheit viel verabsäumt.“

Mit der aktuellen Einstellung seiner Truppe ist der Chefbetreuer durchaus zufrieden. "Wir haben eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft, die Spaß machen wird. Das ist die große Chance, die Zukunft einzuläuten.“

Mit Dibon wurde ein „Wunschspieler“ geholt, Stephan Palla und Brian Behrendt hätten sich ihre Rückholung verdient. Zudem runden Maximilian Hofmann, Eldis Bajrami, Lukas Denner und Mario Pavelic das Aufgebot ab.

Geduld statt Raunzen

Mehr als ein kleines Hintertürchen in Bezug auf noch eine Veränderung im Kader lässt Schulte nicht offen. „Im Fußball kann man nichts ausschließen.“

„Man kann sich nie derartig festlegen, ob bei Transfers oder Geld. Es könnte ja sein, dass wir morgen schon alle tot sind.“

Damit dieser Satz nicht auf Rapid zutrifft, fordert Schulte auf, den eingeschlagenen Weg mitzugehen. „Aber man muss sich darauf einstellen, dass es vielleicht Rückschläge gibt. Da braucht man Geduld."

Das in Österreich viel zitierte „Raunzen“ ist laut dem Deutschen unzulässig. Auch wenn dem einen oder anderen aufgrund des Sparkurses mit Sicherheit zum Jammern zumute ist.


Alexander Karper

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen