So lange wie Lapplands Winter

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"Ich freue mich einfach riesig auf diese 90 Minuten"

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In Lappland dauert der Winter etwa 200 Tage. Der komplette Wachstumsprozess einer Erdnuss auch. Ebenso die Stillzeit bei den Ameisenigeln.

Und nicht zuletzt 200 Tage dauerte die Leidenszeit von Thomas Schrammel.

Am 13. September 2011 riss sich der Rapid-Verteidiger am Dienstag nach dem 1:1 zu Hause gegen den SV Mattersburg im Training das vordere Kreuzband im rechten Knie.

200 Nächte später wird der 24-Jährige sein Comeback in der Bundesliga geben.

„Ich freue mich einfach riesig auf diese Partie“, erzählt der Linksverteidiger vor dem grün-weißen Gastspiel bei der Admira (Samstag, 18:30 Uhr, Anm.) im Gespräch mit LAOLA1.

Schrammel will sich wieder austoben

„Der positive Druck ist mir schon abgegangen. Man möchte auch mitwirken, wenn man seine Kollegen am Feld sieht. Jetzt habe ich wieder die Chance, meine Leistung abzurufen und mich auszutoben“, kann es der Burgenländer gar nicht mehr erwarten.

Nach einem mehr als zufriedenstellenden Heilungsverlauf, während dessen ihm bei einer Operation ein Teil der reißfesteren Patellasehne ins Knie eingesetzt wurde, geht es Schrammel blendend.

„Ich fühle mich gut und auch vom Läuferischen passt es, ich bin bereit“, erklärt der einfache Internationale.

Seit der Verletzung ist der ehemalige Rieder unter anderem im Trainingslager der Kampfmannschaft und auch in zwei Spielen bei den Amateuren aufgelaufen.

Bei der ersten Partie mit der „Zweiten“ sah Schrammel Rot. Nicht wegen eines Fouls, sondern weil er etwas ins Publikum geschrien hatte, das dem Schiedsrichter missfiel.

„Schön, wieder reinrutschen zu können“

Hinsichtlich der Zweikämpfe hat der im Sommer zurückgekehrte, verlorene Sohn Rapids keine Angst. Nach seinem Wiedereinstieg ins Mannschaftstraining wurde auf ihn aufgepasst.

„Ich war sozusagen Joker, dann habe ich mich herangetastet und mehr und mehr den Körperkontakt gesucht. Zweikämpfe sind überhaupt kein Problem“, beruhigt Schrammel.

Zusatz: „Es ist schön, wieder richtig reinrutschen zu können.“

Dass er das am Samstag in der Südstadt machen kann, „verdankt“ der 1,76m-Kicker seinem Konkurrenten Markus Katzer, der sich bei der 1:2-Niederlage am Sonntag in Innsbruck wehtat.

„Er hat nach meiner Verletzung gut gespielt. Jetzt ist es eben für mich Glück, für ihn ein wenig Pech, weil er sich verletzt hat. Umgekehrt also zum Herbst. Das ist das Profigeschäft“, erklärt Schrammel.

Katzer wird wohl spätestens beim Derby am 15. April wieder einsatzbereit sein, wie er via „RapidTV“ ausrichten lässt.

„Bei der Ultraschall-Untersuchung ist glücklicherweise herausgekommen, dass der Muskel nur gezerrt ist. Wenn alles passt, dann werde ich Dienstag oder Mittwoch wieder mit dem Team trainieren. Ob sich Neustadt schon ausgeht, wird sich weisen. Das Derby ist sicher realistisch.“

Duell Schrammel versus Katzer

Rapid-Trainer Peter Schöttel hat mit der Verpflichtung Schrammels bei Katzer das erreicht, was er in der ganzen Mannschaft erreichen wollte. Durch den Konkurrenzkampf, der dem 32-Jährigen im Herbst den Stammplatz kostete, spielte der Wiener seit Wochen sehr überzeugend.

Hat Schrammel nun Druck, bei seinem Comeback gleich eine sehr gute Leistung abzuliefern, um den verlorenen Stammplatz zurückzuerobern?

„An das denke ich überhaupt nicht, ich freue mich einfach auf die Admira“, schickt der Wiedergenesene voraus. Aber: „Natürlich muss man die Leistungen vom Markus respektieren, der Trainer hat seine Aufstellung im Kopf und ich versuche so viel wie möglich, in seinem Kopf herumzuschwirren. Das möchte ich am Samstag beweisen.“

Schrammel und Katzer haben nicht nur ihre Position gemeinsam, auch die Verletztengeschichte.

„Wir haben uns am Anfang meiner Verletzung darüber unterhalten, weil er auch zwei Kreuzbandrisse hatte. Er hat mir ein paar Tipps gegeben“, so der Rückkehrer, der das Verhältnis wie folgt beschreibt: „Wir sind am Platz Konkurrenten, aber in der Kabine ist unser Verhältnis ganz normal.“

Am Samstag ist nun Schrammel wieder dran. Nach der Niederlage in Tirol hat die Mannschaft bei der Admira viel vor.

 „Nach einer Niederlage sechs Stunden im Bus zu sitzen mag keiner. Wir wollen etwas gutmachen und sind doppelt heiß.“

Und Thomas Schrammel erst. Mehr als der Sommer Lapplands.

 

Bernhard Kastler

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