Wo sind Rapids Ansprüche hin?

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Nicht nur spielerisch hinken die Grün-Weißen im Herbst bereits gezeigten Leistungen hinterher, vor allem die Torausbeute gibt den Verantwortlichen zu denken.

„Gegen Grödig war das Tor zu klein für uns. Es ist im Moment einfach so, dass uns die Effizienz vor dem Tor fehlt. Wir erarbeiten uns immer ein Chancenplus, aber wir sind im Moment nicht effizient genug“, fasste der 43-jährige Wiener zusammen.

Wende (vorerst) nicht in Sicht

Verbissenheit anstatt der benötigen Lockerheit ist ein Kriterium, mit dem man sich die von Grödig-Trainer Adi Hütter als „Unvermögen“ eingestufte Abschlusschwäche erklärt.

Ein anderes ist die viel zitierte Jugend, die aber mit nur wenigen Ausnahmen bereits Liga- und sogar Europa-League-Erfahrungen aufzuweisen hat.

„Wir sind eine junge Mannschaft, gegen Grödig war ich mit 27 Jahren der älteste Feldspieler. Das sagt ja alles, da darf man das ein bisschen relativieren. Aber wir wissen, was wir falsch machen und müssen es besser machen“, rechtfertigte sich Sonnleitner, der sein Team wie viele Kollegen auf dem richtigen Weg wähnt.

Gerade ein Routinier wie er weiß aber auch aus Erfahrungen als Gegenspieler und mittlerweile langjähriger Rapidler, welche Ansprüche die Wiener früher verfolgten.

Stellt sich nur die Frage, wo diese hinverschwunden sind?


Alexander Karper

Unverständnis macht sich breit.

Eine 1:2-Niederlage bei der Admira wird als „sehr zufriedenstellende“ Leistung verkauft, nach einem 0:0 daheim gegen Grödig auf fehlendes Glück verwiesen.

Zudem wird nach über einem dreiviertel Jahr noch immer die „Ausrede“ einer noch jungen, unerfahrenen Truppe strapaziert, während auch das Gros der Liga-Konkurrenz längst mit der Zeit geht.

Nach nur fünf Punkten aus den vergangenen sieben Spielen stellt sich somit die Frage: Wo sind Rapids Ansprüche hin?

Keine Frage nach dem „Wie“

In der Vergangenheit standen die Grün-Weißen immer für ihre breite Brust, Selbstvertrauen und hoch gesteckte Ziele – selbst in aussichtlosen Situationen.

Davon ist aktuell - 100 Tage nachdem Michael Krammer sein Präsidentenamt antrat - nur wenig zu spüren. Nach dem Umbruch im Sommer sprach man nicht einmal von einem Muss, in den Europacup zu kommen.

Zwar ist Zoran Barisic‘ Sichtweise, dass die Leistung über dem Ergebnis stehen sollte, teilweise nachvollziehbar, in der Endabrechnung fragt aber keiner nach dem „Wie“.

Das stößt auch vermehrt bei den Fans auf Unverständnis, ähnlich wie die Tatsache, dass in Bezug auf den Einsatz von Stürmern oder rechtzeitige Wechsel zu wenig riskiert wird.

„Dann kann ich nie mehr einschlafen“

So wäre ein Duell mit dem Vorletzten oder ein Heimspiel gegen den Aufsteiger in der jüngsten Vergangenheit noch als Partie, die man in Rapids Position „eigentlich“ gewinnen sollte, eingeordnet worden.

„Eigentlich, eigentlich – das Wort kenne ich gar nicht“, reagierte Mario Sonnleitner im Gespräch mit LAOLA1 gereizt auf die Frage nach den gesunkenen Ansprüchen.

„Ich schaue nicht retour. Es interessiert mich nicht, was vorher war. Wenn ich auf alles retour schaue, was wir falsch gemacht haben, kann ich nie mehr einschlafen. Wir müssen nach vorne schauen, egal wie die Runden ausgegangen sind. Wir müssen das analysieren und abhaken.“

Gegen Grödig benötigten die Hütteldorfer einige Zeit, um ins Spiel zu finden. Die Bindung fehlte, in Abwesenheit von Steffen Hofmann und Branko Boskovic riss sich keiner um die Führungsrolle.

Mit guten Ansätzen zu schnell zufrieden?

Trotzdem kam man mit Fortlauf der Partie besser ins Spiel, wies insgesamt 27 Torschüsse auf, auch wenn nur sieben den Weg in Richtung Tor fanden.

Trainer Barisic ordnete das 0:0 als „gute Leistung gegen einen sehr starken Gegner ein“, in dem „sehr viel umgesetzt wurde“ und mit dessen Inhalt man zufrieden sein kann, auch wenn das Ergebnis „unbefriedigend“ sei.

Dass man sich mit guten Ansätzen zu schnell zufrieden geben würde, wollte Guido Burgstaller, der sieben Torschüsse abgab, nicht so stehen lassen.

„Ich stelle mich nicht her und bin mit einem 0:0 gegen Grödig zufrieden. Ich bin enttäuscht, alle sind enttäuscht, das hat man nach dem Schlusspfiff gemerkt. Es ist ein Blödsinn, wenn wer sagt, dass wir mit einem 0:0 gegen Grödig im Hanappi zufrieden sind“, sprach der Offensivspieler das aus, was sich viele nur dachten.

„Soll ich die Tore machen?“

Darüber, dass bei Rapid noch viel Verbesserungspotenzial vonnöten sei, waren sich alle einig. Selbst der Chefbetreuer wirkte nachdenklich.

„Soll ich den Kopf in den Sand stecken? Soll ich die Tore machen?“, fragte Barisic bei der Pressekonferenz in die Runde und schlug als Lösungsvorschlag scherzhaft vor, bei der UEFA oder FIFA wegen einer Torvergrößerung anzufragen.

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