Behrendt und Co.: Rapids neue deutsche Welle

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Not macht erfinderisch.

Wäre alles nach Plan verlaufen, hätte Branko Boskovic im Auswärtsspiel der dritten Quali-Runde zur Europa League bei Asteras Tripolis in der Startelf Rapids gestanden.

Doch beim in die Jahre gekommenen Routinier zwickte nach dem Abschlusstraining der Rücken. Somit war der Weg frei für ein Novum.

Brian Behrendt erbte überraschend Boskovic' Platz in der Zentrale. Mit ihm, Kapitän Steffen Hofmann und Thanos Petsos bildeten auf einmal drei in Deutschland geborene Akteure das Prunkstück der Hütteldorfer.

„Da kommen die ganzen Piefke hoch“

Doch damit nicht genug. Mit Terrence Boyd und Louis Schaub gesellten sich zwei weitere im Nachbarland geborene Profis dazu.

Geboren wohlgemerkt, denn bei Petsos (Deutsch-Grieche) und Boyd (Deutsch-Amerikaner) handelt es sich um Doppel-Staatsbürger, Schaub hat die österreichische Staatsbürgerschaft, obwohl er in Fulda zur Welt kam.

Überhaupt offenbart sich bei den Hütteldorfern ein Trend, auf deutsche Wertarbeit zu setzen. Mit Helmut Schulte zieht ein Fachmann die Fäden als Sportdirektor, mit Carsten Jancker hat man einen ehemaligen, verdienstvollen Bayern-Spieler Zoran Barisic als Assistent zur Seite gestellt, der zusätzlich auch noch für den Nachwuchs verantwortlich zeichnet.

Die neue deutsche Achse ist auch den betroffenen Spielern nicht im Verborgenen geblieben. „Jetzt kommen die Deutschen langsam. Jetzt haben wir Thanos, Steff, Brian und mich. Da kommen die ganzen Piefke hoch“, posaunt Boyd wie gewohnt heraus, was er sich denkt.

Behrendt: "Ich weiß, dass ich noch mehr kann"

Im Mittelpunkt stand im Europacup Startelf-Debütant Behrendt, der beim so wichtigen Auswärtsspiel auf internationalem Terrain erst seinen dritten Einsatz (1x Bundesliga, 1x ÖFB-Cup) im grün-weißen Trikot verbuchte und nach der Verletzung von Christopher Dibon auch gegen Sturm Graz eine Option ist.

„Es war natürlich ein toller Einstand. Mit der Leistung im ersten Europacup-Spiel kann ich zufrieden sein, aber ich weiß, dass ich noch mehr kann. Ansonsten war es ein toller Eindruck“, gab Behrendt im Gespräch mit LAOLA1 Einblicke in seine Gefühlswelt.

Ein bisschen Nervosität streitet der im Nachwuchs des Hamburger SV ausgebildete Defensivspieler gar nicht ab. Schon nach 13 Minuten musste er mit Gelb zurückstecken. Doch der 21-Jährige fand mit Fortlauf der Partie immer besser ins Spiel der Hütteldorfer.

„Die ersten 14 Minuten habe ich mir sehr schwer getan. Dann habe ich versucht, über Zweikämpfe ins Spiel zu kommen. Ich denke, das ist mir ganz gut gelungen.“

Dieser habe seine Aufgabe nach anfänglicher Nervosität, die für Barisic normal ist, gut erledigt. Nun ginge es darum, dem Spieler die nötige Zeit zu geben, um in das Team hineinzuwachsen.

Thanos Petsos kann über seinen neuen Nebenspieler nur Positives berichten. „Brian hat das super gemacht. Man hat auch im Training gesehen, dass wir gut zusammenpassen. Er ist spielerisch stark und läuferisch gut. Von daher hat es perfekt reingepasst.“

Hofmann nicht mehr allein auf weiter Flur

Terrence Boyd ist der Meinung, dass sich Behrendt seine Chance durch gutes Training verdient hatte, streicht aber eine besondere Fähigkeit des defensiven Mittelfeldspielers hervor.

„Er ist ein sehr solider Sechser und hat einen richtigen Bums. Was der im Training für Dinger reinhaut, das macht keinen Sinn. Er haut jeden aus der Ferne rein. Ich denke, wir werden noch ein paar von ihm sehen.“

Auch die neue deutsche Achse wird man in Zukunft wohl noch öfter zu Gesicht bekommen. Denn die Unterstützung seiner Landsleute ist Steffen Hofmann sicher.

Petsos hat sich eindrucksvoll in die Mannschaft integriert, Boyd erlebt gerade seinen zweiten Frühling, Behrendt hat längst eine Talentprobe abgeliefert und Schaub – sofern man ihn als in Deutschland geborenen Österreicher dazuzählt – gilt längst als große Zukunftshoffnung.

Wie hat es der Torschütze zum 1:1 bei Asteras Tripolis so treffend ausgedrückt: „Jetzt kommen die Deutschen.“

Alexander Karper

Die Gelbe Karte rüttelte den großgewachsenen Newcomer wach, auch wenn er zwischenzeitlich auf einem schmalen Grat in Richtung Gelb-Rot wanderte. „Man kann darüber streiten, ob die Gelbe Karte gerechtfertigt war. Danach hatte ich das Spiel aber im Griff, was die Zweikampfführung angeht.“

„Einfacher als mit dem Akzent der Österreicher“

Aufgrund eines Jobwechsels seines Vaters verschlug es den Blondschopf 2008 zu Rapid, wo er die Jugendabteilungen und die Amateurmannschaft durchlief, ehe er sich nach seinem leihweisen Gastspiel beim SV Horn für die Profis interessant machte.

Dass er umgeben von Deutschen erstmals von Beginn an in die Bresche springen durfte, ist auch Behrendt aufgefallen.

„Wenn man Terrence dazu nimmt, hat man ein deutsches Mittelfeld und einen Stürmer. Klar ist es vom Umgang einfacher für mich, als mit dem Akzent der Österreicher, aber wir haben alle ein super Verhältnis zueinander. Umso schöner ist es, die ganzen Deutschen um einen herumzuhaben.“

Auch Coach Barisic scherzt: „Das mit den Deutschen nimmt Überhand.“ Der Aufbau einer deutschen Achse ist laut ihm aber dem Zufall geschuldet.

Lob für ehemaligen HSV-Nachwuchsspieler

Für den neuesten Akteur im Bunde hat er aber besonders lobende Worte parat.

„Brian hat alle Fähigkeiten, die ein guter Fußballer braucht. Er ist ziemlich stabil, groß, sehr schnell, hat einen guten Schuss, gutes Passspiel und eine gute Technik. Er steht taktisch auch sehr klug. Er hat sehr viele Vorzüge für einen guten Fußballer.“

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