Rapids Ritt auf schmalem Grat

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Ideen- und kampflos: Rapids Suche nach sich selbst

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Was ist los mit Rapid? Kein Elan, kein Antrieb, keine Aggresivität. Schöttel bleibt Linie treu.

Wien – Was ist los mit Rapid?

Nach dem erfreulichen Start in die Meisterschaft und der erfolgreichen Qualifikation für die Europa League ist der letzte Funke Euphorie längst verflogen.

Seit knapp einem Monat laufen die Hütteldorfer einem Sieg hinterher, langsam aber doch ist auch Trainer Peter Schöttel nicht mehr vor Kritik gefeit.

Die gezeigten Leistungen im Wiener Derby und gegen Leverkusen geben zu denken, denn zur Zeit kommt einfach zu viel zusammen, um von einem kleinen Tief zu sprechen.

Abenteuerliche Aufstellungen

In punkto Aufstellung fühlten sich viele Rapid-Fans zuletzt vor den Kopf gestoßen.

Sollten gegen die Austria mit Louis Schaub und Lukas Grozurek in einer riskanten Variante ein 17- und ein 20-Jähriger die Kohlen aus dem Feuer holen, sollten beim 0:4-Debakel gegen Leverkusen vier Defensivakteure die Geschicke im Mittelfeld lenken.

Muhammed Ildiz war auf der Spielmacherposition schlichtweg überfordert, Thomas Prager kam diesmal auf rechts nie in Fahrt, Stefan Kulovits lief ebenso wie seine Nebenleute hinterher und Markus Heikkinen ließ seine Routine scheinbar in der Kabine.

Eine Hereinnahme von Michael Schimpelsberger und die Beförderung von Christopher Trimmel ins Mittelfeld hätte wohl mehr Kreativität im Mittelfeld gebracht, genauso wie Terrence Boyd als Solospitze mit Deni Alar im kreativen Zentrum.

Ungewöhnliche Positionswechsel

Dazu gesellten sich während des Spiels ungewöhnliche Positionswechsel, die eine klare Linie und vor allem Alternativen vermissen ließen.

Alar (ST, ZMF), Prager (RMF, DMF), Trimmel (RV, RMF), Ildiz (ZMF, DMF) und Drazan (LMF, ST) mussten in 90 Minuten verschiedene Positionen erfüllen und sich somit an neue Umstände gewöhnen.

„Es gibt einfach Spieler, die uns zur Zeit schmerzlich abgehen, andere sind nach Verletzungen gerade erst wieder zurückgekommen“, nahm Schöttel zum dünnen Kader, der zuletzt kaum Spielraum erlaubte, Stellung.

Neben Kapitän Steffen Hofmann, (Schöttel: „Rapids dominierender Spieler der letzten zehn Jahre“) musste ja auch mit Guido Burgstaller „Rapids einziger ÖFB-Teamspieler“ ersetzt werden.

Auch wenn es sich um zwei Leistungsträger handelte, ist dem Trainer klar, dass „wir keinen Kader haben, um solche Ausfälle in der Europa League gleichwertig zu ersetzen“.

„Den Weg werde ich immer verteidigen“

Schöttel sieht die Mannschaft gerade auf einem schweren Prüfstand.

„Wir bewegen uns auf einem schmalen Grat. Die Jungen sind auf diesem Niveau noch überfordert.“

Dass die Zukunftshoffnungen noch nicht so weit sind, führt der Chefbetreuer einmal mehr auf den Umbruch zurück – der vor rund 14 Monaten seinen Anfang nahm.

„Wenn wir gegen richtig gute Teams keinen guten Tag erwischen, dann schauen wir so aus wie gegen Leverkusen. Wir haben halt einen großen Kader mit viel Jugend.“

Von diesem war aber zumindest in der Startaufstellung wenig zu sehen, da die Routiniers den Altersschnitt auf 25,55 hoben. Trotzdem will er die Youngsters weiter einbauen.

„Den Weg werde ich immer verteidigen, auch wenn ich damit vielleicht alleine dastehe“, lässt sich der 45-jährige Wiener nicht dreinreden.

Keine Ideen, kein Kampf

Bleibt noch zu klären, wie ein so rapider Umschwung ins Negative nach dem eindrucksvollen Auftritt in Kharkiv möglich war?

Kein Elan, kein Antrieb, keine Aggresivität – die mutlosen Auftritte geben auch den Verantwortlichen zu denken, „was zuletzt gefehlt hat“.

„Ich glaube schon, dass wir alles gegeben haben. Vielleicht könnten wir aber ein bisschen aggressiver werden“, musste auch Ildiz zugeben.

Neben dem mangelhaften Zweikampfverhalten, das beim Gegentreffer zum 0:3, als Schürrle Sonnleitner, Katzer und Gerson vernaschte, am offensichtlichsten wurde, ließ Rapid auch im Kreativbereich einiges zu wünschen übrig.

„Wir werden da wieder rausfinden“

Es dauerte bis zur 53. Minute, als mit Gerson sinnbildlich ein Innenverteidiger den ersten Schuss auf das gegnerische Tor abgab. Ansonsten strahlte man bis auf die Schlussminuten keine Gefahr aus.

„Wir haben einfach nicht die Phase wie noch vor sieben, acht Wochen“, rechtfertigte sich Schöttel. Denn weder vorne noch hinten passte viel zusammen.

In der Defensive fingen sich die Grün-Weißen den dritten Gegentreffer in den letzten vier Spielen aus einer Standardsituation ein.

Guter Rat ist teuer. Rapid kann sich zur Zeit nur mit Durchhalteparolen über Wasser halten, denn am Sonntag steht schon die nächste Bewährungsprobe gegen Salzburg auf dem Programm.

„Wir werden da wieder rausfinden“, hofft Schöttel. Die Frage ist nur wann.


Alexander Karper/ Bernhard Kastler / Martin Wechtl

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