Salzburgs Zukunft ist die Jugend

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"Es geht darum, die nächste Generation zu entwickeln"

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Für Red Bull Salzburgs Noch-Sportdirektor Ralf Rangnick ist die Zukunft des Teams klar.

Die Bullen sollen weiter Toptalente für Schwesternverein RB Leipzig oder Großclubs formen und dabei selbst eine gute Figur abgeben. Sorgen um das verjüngte Team seien nicht angebracht.

"Ich habe ein sehr gutes Gefühl, was die Rückrunde angeht, sowohl in Österreich als auch in der Europa League", sagte Rangnick.

Takumi - wer?

Mit den Abgängen von Kevin Kampl und Alan hat der Club nicht nur zwei Schlüsselspieler, sondern auch Erfahrung verloren.

Neo-Bullen wie Stürmer Marco Djuricin von Sturm Graz (22 Jahre), der japanische Mittelfeldakteur Takumi Minamino (20) oder die von Liefering hochgezogenen Felipe Pires (19) und Duje Caleta-Car (18) müssen erst beweisen, dass sie diese Lücke füllen können.

Hinten ist alles dicht

Auch auf dieser Position sei die Linie des Clubs klar zu verfolgen. Hier stehen neben den gestandenen Kickern Ramalho und Martin Hinteregger nur die Jungspunde Caleta-Car, Asger Sörensen (18/nach Verletzung wohl erst im Laufe des Frühjahrs einsatzfähig) und Lukas Gugganig (19) zur Auswahl.

"Es macht für mich keinen Sinn, noch einen dazuzuholen", betonte Rangnick. "Mir ist es viel lieber, dass wir da einen aus unseren Reihen entwickeln. Das ist bei Caleta-Car, Gugganig und Sörensen der Fall. Ramalho war vor eineinhalb Jahren schon so gut wie weg, nun macht er den nächsten Schritt zu einem Topverein in der deutschen Bundesliga."

"Luan (Liefering-Neuzugang von RB Brasil, Anm.) traue ich auch so eine Entwicklung zu. Das geht aber nicht, wenn wir den Weg zumachen, indem wir einen vermeintlich erfahrenen und deutlich älteren Spieler holen."

Rangnick, der sich ab Sommer nur mehr um Leipzig kümmert, hat daran keinen Zweifel. "Wir haben eine hochinteressante, ganz, ganz spannende Mannschaft", sagte der Deutsche und verwies auf den Start seiner Salzburg-Ära im Sommer 2012.

Da wurden u.a. Kampl (damals 21) und Sadio Mane (20), der bereits im vergangenen Herbst um kolportierte 15 Millionen Euro zu Southampton wechselte, verpflichtet.

"Wir haben Spieler, bei denen man jetzt vielleicht wieder das gleiche sagt wie damals bei Mane und Kampl. Sadio - wer? Kevin - wer? Jetzt zu sagen, die ganzen Hochkaräter gehen weg und dann kommt die Sintflut, halte ich für zu kurzfristig gedacht."

Es muss was nachkommen

Dass drei Kicker "innerhalb von vier Monaten für deutlich mehr als zehn Millionen verkauft" wurden, sei "letztendlich auch eine Bestätigung unserer hervorragenden Arbeit."

Und dabei dürfe es freilich nicht bleiben.

"Jetzt geht es darum, dass wir die nächste Generation von Kampls, Manes, Ramalhos entwickeln", meinte Rangnick auch im Hinblick auf den im Sommer bevorstehenden Abgang von Innenverteidiger Andre Ramalho zu Bayer Leverkusen.

Liefering-Neuzugang Luan

Eine ähnliche Chance biete sich nun in der Offensive ÖFB-Teamspieler Valentino Lazaro (18), der erst kürzlich bis 2019 verlängerte.

"Wenn Kampl und Mane noch hier wären, wäre die Situation für ihn nicht einfacher geworden. Aber durch den Weggang der beiden konnten wir ihm klare Perspektiven aufzeigen. Er hat enormes Potenzial, und wir sind überzeugt, dass er künftig eine tragende Rolle bei uns spielen wird", sagte Rangnick.

Leitwolf Jonathan Soriano

Dass vor lauter Potenzial die Erfahrung fehle, glaubt Rangnick nicht.

"Hinteregger und Ramalho spielen trotz ihres jungen Alters sehr abgeklärt, Andreas Ulmer und Christian Schwegler sind erfahrene Spieler, Stefan Ilsanker und Christoph Leitgeb ebenso. Es mangelt der Mannschaft also keineswegs an Erfahrung", meinte Rangnick, der im Sturm noch dazu Goalgetter Jonatan Soriano (29) hat.

"Es ist sicher auch nicht von Nachteil, wenn mit Soriano ein Spieler bleibt, der über genügend Erfahrung verfügt", erklärte er zum Spanier, der im Jänner bis 2018 verlängert hat.

Jugend sei für den angestrebten Spielstil des frühen Attackierens, des schnellen Umschaltens, des Überzahlschaffens durchaus von Vorteil, aber kein Muss. Das zeige etwa ÖFB-Teamkicker Leitgeb.

"Er ist das beste Beispiel dafür, dass unsere Philosophie auch mit Spielern, die Ende 20 sind, funktioniert. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren aus meiner Sicht den besten Leitgeb aller Zeiten gesehen. Die Spielweise ist teilweise schon so bedingungslos, dass ein Spieler mehr oder weniger durchs Sieb fällt, wenn er nicht voll mitmacht und sich nicht komplett in den Dienst der Mannschaft stellt."

Leicht verändertes Taktikgesicht

Spielerisch dürfe man sich im Frühjahr wieder etwas mehr Nuancen erwarten.

"Adi Hütter plant in der Rückrunde noch variabler zu sein und auch verschiedene Spielsysteme spielen zu lassen, beispielsweise ein 4-2-2-2 mit zwei auf den Halbpositionen agierenden Außen", sagte Rangnick.

"Beim 4-3-1-2 konnte Massimo Bruno mehr auf der Zehn spielen. Durch die Neuen und den wiedergenesenen Valon Berisha haben wir wieder Spieler, die für diese halbe Position infrage kommen."

Trotz fünf Jahren Bergluft noch Samba im Blut

Dass der Brasilianer Alan wegen seines Wechsels nach China nun doch kein Fall für Österreichs Nationalmannschaft wird, wundert Rangnick nicht, das Einbürgerungsthema findet er "schwierig".

"Dafür muss eine ganz klare Verbindung zu dem jeweiligen Land vorhanden sein", stellte er klar.

"Alan war gerade viereinhalb Jahre da. Da gehört für mich persönlich mehr dazu, als fünf Jahre in einem Land gelebt zu haben. Man muss sich auch so fühlen, eine große Identifikation haben. Wenn man Alan gefragt hätte, hätte er sich vermutlich noch immer mehr als Brasilianer gefühlt denn als Österreicher."

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